Mittwoch, 07. Juli 2010
Rückzug aus Helmand: Briten verlassen Todes-Provinz
In der britischen Öffentlichkeit wächst der Widerstand gegen den Afghanistan-Einsatz. Zu viele Briten sind bereits ums Leben gekommen. Bis zum Jahresende wollen sich die Briten aus der gefährlichen Region Sangin zurückziehen. Derweil wird ein afghanischer Posten irrtümlich von Nato-Soldaten beschossen.Großbritannien will seine Truppen aus der afghanischen Region Sangin verlegen, in der ein Drittel der bisher in dem Konflikt getöteten britischen Soldaten ums Leben gekommen ist. Der äußerst gefährliche Distrikt in der südlichen Provinz Helmand solle vermutlich Ende des Jahres an die US-Truppen übergeben werden, berichteten mehrere Medien übereinstimmend. Das britische Militär wolle sich in Zukunft stärker auf das dicht besiedelte Gebiet in der Mitte von Helmand konzentrieren und den Norden und Süden den Amerikanern überlassen.
Ein NATO-Soldat an Bord eines CH-47 Chinook-Hubschraubers auf einer britischen Militärbasis im Süden Afghanistans.
(Foto: REUTERS)
Seit Beginn des Einsatzes am Hindukusch im Jahr 2001 sind 312 britische Soldaten gefallen. Sangin ist ein Zentrum des Opium-Anbaus und wird von mehreren rivalisierenden Stämmen beherrscht. Derzeit sind insgesamt 8000 britische und 20.000 US-Soldaten in der Provinz Helmand stationiert. Kritiker warnten, die Entscheidung könne von den Taliban als Schwäche interpretiert werden.
Irrtümlich Armeeposten angegriffen
Derweil haben NATO-Flugzeuge irrtümlichen einen Armeeposten beschossen und dabei sechs afghanische Soldaten getötet. Wie die afghanische Polizei in der Provinz Ghasni mitteilte, wurde der Posten für eine Stellung der radikalislamischen Taliban gehalten und beschossen. Ermittlungen seien aufgenommen worden.
Die internationalen Truppen in Afghanistan waren in der Vergangenheit wiederholt in die Kritik geraten, weil bei ihren Einsätzen Unbeteiligte getötet oder verletzt wurden. In dem Land kämpfen rund 140.000 Soldaten der NATO-Truppe ISAF und der US-geführten Koalition gegen die Taliban und andere islamische Aufständische.
AFP
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