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Großbritanniens Regierungschefin Theresa May hatte auf dem Parteitag der Konservativen mit einer Erkältung zu kämpfen.
Großbritanniens Regierungschefin Theresa May hatte auf dem Parteitag der Konservativen mit einer Erkältung zu kämpfen.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 05. Oktober 2017

Nach Pannen-Rede bei Parteitag: Britische Tories zählen Theresa May an

Die desaströse Ansprache von Premierministerin May ist nach der Wahlschlappe im Juni, dem Brexit-Chaos und internen Querelen mit Boris Johnson nur die Spitze des Eisbergs: Nun wird offen über ihren Rücktritt spekuliert. Doch auch das würde den Tories kaum helfen.

Theresa May steht seit ihrer misslungenen Parteitagsrede in Manchester zunehmend unter Druck. Medien spekulieren einen Tag danach heftig über einen baldigen Rücktritt der britischen Premierministerin. Etwa 30 konservative Abgeordnete seien bereit, einen Misstrauensantrag in der Fraktion zu unterschreiben, berichtete der "Daily Telegraph". Nötig dafür wäre die Unterstützung von 48 Fraktionsmitgliedern. Doch einige Minister stellten sich demonstrativ hinter May. Die Regierungschefin werde ihre "ausgezeichnete Arbeit" fortführen, sagte Innenministerin Amber Rudd.

Der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge erhielt May Anrufe von mehreren Regierungsmitgliedern, die ihr Unterstützung zusicherten. Die BBC erfuhr aus dem Umfeld von May, sie schließe einen Rücktritt aus. Die Rede auf dem Parteitag in Manchester war von Medien als "Alptraum" beschrieben worden. Mitten in der Ansprache wurde May von einem Komiker unterbrochen, der ihr - angeblich im Auftrag des Außenministers Boris Johnson - ein Entlassungsschreiben aushändigte. Danach versagte mehrmals ihre Stimme.

Die Regierungschefin litt unter heftigen Hustenanfällen. Beinahe, so schien es, hätte sie die Rede abbrechen müssen. Zu allem Übel fielen dann auch noch Buchstaben des Partei-Slogans von der Wand hinter ihr. Als sie ihre Rede beendet hatte, kämpfte May mit den Tränen. Ihr Ehemann Philip eilte auf die Bühne, um sie in den Arm zu nehmen. Eigentlich wollte May mit der Rede ihre Autorität wiederherstellen, nachdem sie ohne Not eine Parlamentswahl im Juni ausgerufen hatte, bei der ihre Partei die absolute Mehrheit im Unterhaus verlor.

"Ice Maiden" - die Eisjungfrau

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Menschen aus ihrem Umfeld beschreiben May als schwach und ohne Selbstbewusstsein. Vielleicht deshalb versuchte sie im Wahlkampf hart und kompromisslos aufzutreten, doch dies ließ sie letztlich eher kalt und mechanisch erscheinen. Unermüdlich wiederholte sie Sätze wie "Brexit bedeutet Brexit" und "Großbritannien braucht eine starke und stabile Führung". Bald hatte sie Spitznamen weg wie "Ice Maiden" - die Eisjungfrau und "Maybot" - eine Mischung aus May und Roboter.

Mays Unfähigkeit, mit unvorhergesehenen Lagen umzugehen und spontan mit Menschen zu kommunizieren, wurde nach der Brandkatastrophe vom Grenfell-Tower Mitte Juni deutlich. Etwa 80 Menschen starben bei dem Hochhausbrand in London. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn war schnell vor Ort gewesen, spendete Trost und versprach Aufklärung. May dagegen vermied ein Treffen mit Überlebenden und sprach stattdessen mit Rettungskräften. Erst nach massiver öffentlicher Kritik besuchte sie ehemalige Bewohner des Hochhauses im Krankenhaus.

Konservative fürchten Neuwahlen

Das Ergebnis bei der Parlamentswahl Ende Juni war niederschmetternd. Anstatt den erhofften Erdrutschsieg einzufahren, verloren die Konservativen ihre Mehrheit im Unterhaus. May musste eine Minderheitsregierung mit Unterstützung der erzkonservativen nordirischen DUP zusammenzimmern. Problematisch daran war nicht nur, dass sie den Nordiren umgerechnet 1,1 Milliarden Euro versprechen musste, sondern auch, dass sich die Regierung in London im verfahrenen Streit um eine nordirische Regionalregierung von der DUP abhängig macht.

In ihrer Parteitagsrede entschuldigte sie sich für die Schlappe. Mays "Alptraumrede" war letzlich aber nur der Gipfel eines Parteitags, auf dem sich die Tories insgesamt in schlechtem Licht präsentierten. Ob es die Konservativen tatsächlich wagen, May aus dem Amt zu drängen, bleibt wenig wahrscheinlich. Die Angst vor Neuwahlen - und einem dann möglichen Labour-Sieg - könnte den Unmut gegen May überwiegen.

Quelle: n-tv.de

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