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Die Schulden in Griechenland könnten in den nächsten Jahren noch völlig aus dem Ruder laufen.
Die Schulden in Griechenland könnten in den nächsten Jahren noch völlig aus dem Ruder laufen.(Foto: AP)

Bewegung in Athen: Brüssel warnt vor Rezession

Nach tagelanger Unsicherheit scheint die Regierungskrise in Athen so gut wie überstanden, das Land kann sich auf den ehemaligen Vize-Präsidenten der EZB, Papademos, als Regierungschef einigen. Schlechte Nachrichten kommen indes aus Brüssel: Die EU-Kommission warnt vor einer europaweiten Rezession und vor einer weiteren Schuldenexplosion in Griechenland.

Der ehemalige Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Das "Arbeitstier" Papademos , soll Griechenland als neuer Regierungschef aus der Krise führen. Präsident Karolos Papoulias beauftragte Papademos mit der Bildung einer "Regierung der nationalen Einheit". Das Übergangskabinett soll am Freitag vereidigt werden.

Die positiven Nachrichten wurden am Donnerstag allerdings von düsteren Prognosen aus Brüssel überschattet. Die EU-Kommission warnte vor einer Rezession in Europa und davor, dass die Schulden in Griechenland in den nächsten Jahren völlig aus dem Ruder laufen könnten.

Jetzt sind alle Augen auf Lucas Papademos gerichtet.
Jetzt sind alle Augen auf Lucas Papademos gerichtet.(Foto: dpa)

Papademos legte nach seiner Ernennung ein Bekenntnis zum Euro ab. Die Teilnahme an der Gemeinschaftswährung sei eine "Garantie der Geldwertstabilität und ein Faktor wirtschaftlicher Stabilität" für Griechenland, sagte er. Griechenland stehe "am Scheideweg". Die Wirtschaft seines Landes stehe vor großen Problemen, der Weg werde nicht leicht sein.

Related content sei die Umsetzung der Entscheidungen des Euro-Gipfels vom 26. Oktober und die damit verbundene Wirtschaftspolitik, erklärte das Präsidialamt. Auf dem Gipfel waren ein massiver Schuldenschnitt und neue Hilfen in Milliardenhöhe für das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland vereinbart worden.

EU mahnt klare Botschaften an

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßten die Nominierung Papademos' und erklärten, die Bildung einer Einheitsregierung schlage ein "neues Kapitel in Griechenland" auf. "Wir haben seit langem darauf hingewiesen, dass ein breiter politischer Konsens notwendig ist, um Griechenland aus der wirtschaftlichen Krise zu führen", erklärten die beiden Politiker. Jetzt komme es darauf an, eine klare Botschaft auszusenden, um die europäischen Partner zu überzeugen, dass das Land bereit sei, "das Notwendige zu tun", um seine Schulden zu verringern.

EU droht die Rezession

Trotz der Entspannung zeigte sich die EU-Kommission mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung in Europa pessimistisch: "Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen, und es besteht das Risiko einer erneuten Rezession", erklärte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die Wirtschaft werde bis weit ins Jahr 2012 hinein stagnieren. Die Wirtschaftsflaute, Schuldenprobleme und der anfällige Finanzsektor "scheinen sich in einem Teufelskreis gegenseitig zu beeinträchtigen", schrieb die EU-Behörde in ihrer Herbstprognose.

Die Gesamtverschuldung Griechenlands kommt einem Teufelkreis gleich.
Die Gesamtverschuldung Griechenlands kommt einem Teufelkreis gleich.(Foto: dapd)

Zur Situation in Griechenland hieß es, wenn die Hilfe für Athen nicht greife, werde die gesamtstaatliche Europa droht die Rezession 2012 und 2013 jeweils knapp 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Das wäre mehr als das Dreifache der in der EU erlaubten Grenze von höchstens 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für das laufende Jahr wird die griechische Verschuldung auf knapp 163 Prozent geschätzt.

Wie schon für frühere Hilfen muss Athen im Gegenzug harte Sparauflagen erfüllen. Dem scheidenden Ministerpräsidenten Giorgos Vorhang für Papandreou fällt von der sozialdemokratischen PASOK-Partei war es in den vergangenen Monaten nicht gelungen, dafür eine breite Unterstützung im Parlament zu erhalten. Papandreou hatte am Mittwoch offiziell seinen Rücktritt erklärt.

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Quelle: n-tv.de

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