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Nach den Gefechten zwischen Armee und Rebellen bleiben nur die Leichen zurück - hier im Palästinenserlager Jarmuk im Süden von Damaskus.
Nach den Gefechten zwischen Armee und Rebellen bleiben nur die Leichen zurück - hier im Palästinenserlager Jarmuk im Süden von Damaskus.(Foto: AP)

Kampf um Syriens Städte: Nachbarn aufs Schlimmste gefasst

Eroberung und Rückeroberung - die syrische Armee und ihre bewaffneten Gegner liefern sich in den großen Städten des Landes einen Kampf um jeden Stadtteil. Für Besorgnis sorgt die Nachricht, das Regime habe seine Chemiewaffen aus den Lagern geholt. Die Türkei bringt wegen der unsicheren Lage an der Grenze bereits Raketen in Stellung.

Aufständische und die syrische Armee kämpfen . Kampfhubschrauber beschossen nach Berichten von Augenzeugen in Damaskus den Außenbezirk Barse mit Raketen. Aktivisten teilten mit, dass es zahlreiche Opfer gegeben habe. Barse ist zwischen den Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad und den Aufständischen heftig umkämpft.

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Die Rebellen der Freien Syrischen Armee hatten mit der "Damaskus-Vulkan" genannten Offensive am vergangenen Dienstag den bewaffneten Aufstand in die syrische Hauptstadt getragen. Am Mittwoch verübten sie einen Anschlag auf einen Krisenstab des Regimes, bei dem mehrere hochrangige Regierungsmitglieder getötet wurden. Seit Freitag versucht die Armee nun, die Rebellen aus Damaskus und Aleppo wieder hinauszudrängen. In Aleppo, wo die Kämpfer der Freien Syrischen Armee die Kontrolle über ein ganzes Stadtviertel erlangt hatten, kündigten diese eine eine "Befreiungsschlacht" um die Stadt an.

Auch in der Wirtschaftsmetropole Aleppo im Norden des Landes kam es Augenzeugen zufolge zu Kämpfen. Gemeldet wurden unter anderem Gefechte in der Nähe der Geheimdienstzentrale. Die Armee versuchte vom Morgengrauen an, die Kontrolle über den Stadtteil Salaheddin wiederzuerlangen. In Aleppo wird seit Freitag gekämpft, die aus Deserteuren zusammengesetzte Freie Syrische Armee konnte Aktivisten zufolge die Kontrolle über Salaheddin gewinnen. Die Rebellen kontrollieren demnach auch teilweise drei weitere Stadtteile.

Türkei installiert Raketen entlang der Grenze

Die Nachbarländer sorgen sich unterdessen zunehmend, dass der Konflikt auf ihr Staatsgebiet übergreifen könnte. Besonders der Libanon und die Türkei, die jeweils mehrere Zehntausend Flüchtlinge aufgenommen haben, sind nervös. Einem Medienbericht zufolge brachte die türkische Armee an der syrischen Grenze mehrere Boden-Luft-Raketen in Stellung. Die Ausrüstung soll an die Einheiten entlang der Grenze verteilt werden.

Die Lage an den Grenzen zum Irak und zur Türkei ist weiter unübersichtlich. Zuletzt kontrollierten die Rebellen laut Bagdad zwei der drei wichtigsten Übergänge zu Irak. An der Grenze zur Türkei kontrollierten sie mindestens zwei von zwölf Übergängen. Die Lage an der zunächst übernommenen und später von ausländischen Islamisten gehaltenen Station Bab al-Hawa war unklar.

Vor den Bürgerkriegswirren in Syrien waren nach Angaben des Roten Kreuzes am Freitag und Samstag 30.000 Menschen über die Grenze in den Libanon geflüchtet. Viele fänden dort bei Verwandten oder Bekannten Unterschlupf, berichtete ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes in Beirut.

Israel und USA unruhig wegen syrischer C-Waffen

Für Unruhe auch im Ausland sorgten Berichte, wonach die syrische Armee ihre haben soll. Dies hatte ein Überläufer aus dem Regime berichtet. Syrien soll über größere Mengen an Sarin und Senfgas verfügen.

Das war mal ein Laden. Manche Vororte von Damaskus sind bereits schwer zerstört.
Das war mal ein Laden. Manche Vororte von Damaskus sind bereits schwer zerstört.(Foto: REUTERS)

Die USA beobachten nach Angaben des Präsidialamtes sehr genau die syrischen Chemiewaffen-Lager. "Wir glauben, dass sich die syrischen Chemiewaffen-Lager weiterhin unter Kontrolle der syrischen Regierung befinden", teilte ein Regierungssprecher mit.

Das ist nach eigenen Angaben für den Fall gerüstet, in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen. Verteidigungsminister Ehud Barak zeigte sich alarmiert von den Berichten über die syrischen C-Waffen. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte im israelischen Fernsehen, Israel müsse möglicherweise in Syrien eingreifen. Israel befürchtet, die Waffen könnten in die Hände der syrischen Opposition, von Terroristen oder der mit dem Iran verbündeten libanesischen Hisbollah gelangen.

Sein Land verfolge die Entwicklungen in Syrien aufmerksam und behalte die Möglichkeit im Blick, dass die libanesische Hisbollah-Miliz hochmoderne Waffen aus Syrien erhalten könnte, sagte Barak. Angesichts der Entwicklungen in Nahost müsse Israel sich "auf jede Weise verteidigen", dabei aber vernünftig vorgehen, sagte er.

Opferzahl nach oben korrigiert

Die Versorgungslage habe sich durch die Kämpfe in Damaskus auch in der Hauptstadt verschlechtert. Viele Geschäfte hätten geschlossen, alles sei teurer geworden. Es fehle an Milch für Kinder, Hygieneartikeln und Medikamenten, sagte der DRK-Mitarbeiter. Der Syrische Rote Halbmond ist den Angaben zufolge landesweit mit rund 10.000 Helfern im Einsatz.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte legte unterdessen neue Zahlen über die geschätzte Zahl der Todesopfer des Konflikts vor. Die Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in London und steht der syrischen Opposition nahe. Seit Beginn der Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad im März 2011 sollen demnach mehr als 19.000 Menschen getötet worden sein, darunter rund 13.000 Zivilisten. Außerdem seien mehr als 4860 Soldaten und fast 950 Kämpfer der Aufständischen getötet worden.

Zuletzt hatte die Beobachtungsstelle stets von mehr als 17.000 Todesopfern gesprochen. Mit mehr als 300 Toten war der vergangene Donnerstag demnach der blutigste Tag seit Beginn des Aufstands.

Arabische Liga tagt zu Syrien

Die Arabische Liga will am Abend in der katarischen Hauptstadt Doha über die Krise in Syrien beraten. Das Syrien-Komitee der Liga soll sich dabei auf Außenminister-Ebene treffen, hieß es in Kairo am Sitz der Organisation. Beobachter gehen davon aus, dass die Teilnehmer heftige Kritik am Friedensplan des UN-Vermittlers Kofi Annan üben werden. Ägyptischen Medien zufolge ist der Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, bereits in Doha eingetroffen.

Der "Spiegel" berichtet, die Bundesregierung wolle angesichts Russlands starrer Haltung im Syrien-Konflikt stärker auf China setzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle noch einmal mit der Führung in Peking sprechen, hieß es unter Berufung auf Angaben aus dem Kanzleramt. Russland und China blockierten bisher drei UN-Resolutionen zu Syrien.

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Quelle: n-tv.de

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