Mittwoch, 27. Juli 2011
Anschlag im afghanischen Kandahar: Bürgermeister stirbt bei Attentat
Unter einem Turban versteckt ein Attentäter im afghanischen Kandahar seinen Sprengsatz. Bei dem Anschlag im Rathaus der zweitgrößten Stadt des Landes stirbt der Bürgermeister. Erst vor wenigen Wochen war der Bruder des Präsidenten Karsai in der Stadt ermordet worden.
Kandahar ist immer wieder Schauplatz von Gewalt - in diesem Haus war es zu einem Feuergefecht mit mehreren Toten gekommen.
(Foto: AP)
Der Bürgermeister der südafghanischen Stadt Kandahar ist bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Nach Polizeiangaben zündete der Attentäter den unter seinem Turban versteckten Sprengsatz, als sich Bürgermeister Ghulam Haidar Hameedi im Innenhof des Rathauses mit Bewohnern der zweitgrößten Stadt Afghanistans unterhielt.
Die Explosion habe auch einen Zivilisten getötet und einen weiteren verletzt, hieß es. Den Angaben zufolge konnte der Attentäter unbemerkt von den Wachen in das Gebäude eindringen. Bürger hatten nach Angaben von Teilnehmern mit dem Bürgermeister über den Abriss ihrer Häuser gesprochen, die nach Auffassung der Stadtverwaltung illegal errichtet wurden.
Wohnsiedlungen abgerissen
Der Polizeichef von Kandahar erklärte zu den Vorwürfen, in den vergangenen Tagen habe die Stadtverwaltung mehrere illegal errichtete Wohnsiedlungen abreißen lassen. Dabei waren auch drei Mitglieder einer Familie ums Leben gekommen, die sich geweigert hatte, ihr Haus zu räumen. Nach Polizeiangaben war der Täter mit den Opfern verwandt.
Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Es habe sich um einen Racheakt gehandelt, da der Bürgermeister für den Tod von zwei Kindern und einer Frau verantwortlich sei, sagte Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi.
Am 12. Juli war der einflussreiche Vorsitzende des Provinzrates und Präsidentenbruder Ahmad Wali Karsai in seinem Haus in der Stadt Kandahar von einem seiner Leibwächter erschossen worden. Zu der Tat hatten die radikal-islamischen Taliban bekannt. Kandahar ist die Hauptstadt der gleichnamigen Unruheprovinz im Süden Afghanistans. Sie ist eine Hochburg der radikalislamischen Taliban und regelmäßig Schauplatz von Anschlägen.
Kinder sterben bei Mörserangriff
Beim Beschuss eines Dorfes im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr kommen derweil mindestens drei Kinder ums Leben. Vier weitere wurden verletzt, als Mörsergranaten ein Haus in der Provinz Kundus zerstörten, wie die Regionalverwaltung mitteilte. Die Opfer seien zwischen fünf und zehn Jahren alt gewesen. Für den Angriff im Unruhedistrikt Char Darah machten die Behörden die radikalislamischen Taliban verantwortlich.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im Afghanistankonflikt in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt 1462 Zivilisten getötet. Rund 80 Prozent der Opfer gehen auf das Konto der Taliban.
AFP/dpa
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