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Ankunft in Europa: Aus Furcht vor ansteckenden Krankheiten tragen die Marinesoldaten Schutzanzüge wie im Operationssaal.
Ankunft in Europa: Aus Furcht vor ansteckenden Krankheiten tragen die Marinesoldaten Schutzanzüge wie im Operationssaal.(Foto: Christian Kruse / Bundeswehr / dpa)

Drei Kinder an Bord der "Hessen": Bundeswehr rettet Hunderte Flüchtlinge

Die Seeleute an Bord der "Hessen" und der "Berlin" bekommen bei ihrem Einsatz im Mittelmeer alle Hände voll zu tun: Binnen eines einzigen Tages können sie erneut zahleiche Menschen aus überladenen Schlauchbooten bergen.

Die deutsche Marine hat zuletzt fast 300 Flüchtlinge vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet. Die Fregatte "Hessen" nahm am Donnerstag insgesamt 294 Menschen von drei Booten in Seenot an Bord, wie das Verteidigungsministerium in der Nacht mitteilte.

Beiboote der deutschen Fregatte nähern sich einem Schlauchboot: Spätestens wenn das Wetter umschlägt, wären die Flüchtlinge ohne Hilfe verloren gewesen.
Beiboote der deutschen Fregatte nähern sich einem Schlauchboot: Spätestens wenn das Wetter umschlägt, wären die Flüchtlinge ohne Hilfe verloren gewesen.(Foto: Christian Kruse / Bundeswehr / dpa)

Darunter seien 263 Männer, 28 Frauen und drei Kinder. Das Kriegsschiff sei nun auf dem Weg nach Pozzallo auf Sizilien, um die Menschen dort in die Obhut der italienischen Behörden zu geben. Die Ankunft des deutschen Kriegsschiffes im Rettungseinsatz wird im Lauf des Vormittags erwartet. Die deutschen Marineeinheiten entdeckten die Menschen auf offener See in treibenden Schlauchbooten ungefähr 117 Kilometer nördlich der libyschen Hauptstadt Tripolis.

Seit Anfang Mai ist die "Hessen" zusammen mit ihrem Begleitschiff "Berlin" im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion im südlichen Mittelmeer unterwegs, um "in Seenot befindlichen Personen" zu helfen. Bei der "Hessen" handelt es sich um eine rund 140 Meter lange und 17 Meter breite Fregatte der "Sachsen"-Klasse mit rund 255 Mann Besatzung. Dank elektronischer Überwachungssysteme und dem bordeigenen Hubschrauber ist das Schiff für die Suche nach treibenden Booten vergleichsweise gut geeignet.

Der größte Schiffstyp der Bundeswehr: Hier die "Frankfurt am Main" (rechts) neben dem nahezu baugleichen Schwesterschiff "Berlin" (links) im Marinestützpunkt Wilhelmshaven (Archivbild).
Der größte Schiffstyp der Bundeswehr: Hier die "Frankfurt am Main" (rechts) neben dem nahezu baugleichen Schwesterschiff "Berlin" (links) im Marinestützpunkt Wilhelmshaven (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)
Schwimmendes Krankenhaus

Das Begleitschiff "Berlin" übernimmt bei dem Einsatz die Rolle als "Einsatzgruppenversorger". Das rund 174 Meter lange und 24 Meter breite Frachtschiff zählt zu den größten Marineeinheiten der Bundeswehr.

Die "Berlin" hält nicht nur Treibstoff, Lebensmittel und andere Nachschubgüter für die Fregatte bereit, sondern beherbergt auch ein eigenes Sanitätszentrum mit Intensivstation und Krankenbetten zur Versorgung verletzter oder geschwächter Schiffbrüchigen.

Militäreinsätze gegen Schleuser?

Die Außen- und Verteidigungsminister der Europäischen Union wollen zu Beginn kommender Woche in Brüssel über ein härteres Vorgehen gegen Schleuser im Mittelmeer beraten. Dabei geht es offenbar auch gezielte Militäraktionen gegen Schlepperbanden, die Flüchtlinge gegen Bezahlung aus zahlreichen Staaten von Libyen aus nach Europa schleusen.

Der humanitäre Einsatz der Bundeswehr geht auf die jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer zurück, bei der mehrere hundert Menschen qualvoll ertranken. Bereits kurz nach Beginn ihres Einsatzes am 5. Mai hatten die beiden deutschen Kriegsschiffe mehr als 400 Flüchtlinge aus Seenot gerettet.

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Quelle: n-tv.de

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