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Biografin Paula Broadwell.
Biografin Paula Broadwell.(Foto: AP)

Liebhaberin des CIA-Chefs war Sicherheitsrisiko: Petraeus betrog Frau mit Biografin

Er galt als möglicher Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers in Obamas Kabinett. Jetzt tritt CIA-Chef Petraeus wegen einer Affäre mit seiner Biografin zurück. Das FBI deckte sie auf - vermutlich weil die Behörde die Liebhaberin für ein Sicherheitsrisiko hielt.

Der Rücktritt des Chefs des US-Geheimdienstes CIA, David Petraeus, erfolgte womöglich nicht nur aus persönlichen Gründen. Zunächst hieß es lediglich, er gebe sein Amt wegen einer außerehelichen Beziehung auf. Doch laut Medienberichten deckte das FBI die Affäre auf, weil die Behörde seine Liebhaberin für ein Sicherheitsrisiko hielt.

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Danach hieß es, die Bundespolizei habe vor einigen Monaten das private E-Mail-Konto von Petraeus überprüft, da es Hinweise darauf gegeben habe, dass sich jemand unberechtigten Zugang verschaffen wollte. Dabei sind die Ermittler auf Beweise über die außereheliche Affäre des Ex-Militärs mit seiner Biografin Paula Broadwell und auf "andere Sicherheitsbedenken" gestoßen, so ein Bericht der "New York Times".

Der Fernsehsender NBC und andere US-Medien berichteten, die Bundespolizei ermittele nun gegen die Autorin wegen des Versuchs, Petraeus' E-Mails mit vertraulichen Informationen zu lesen. Broadwell hat in der Biographie "All In" viele Details über Petraeus veröffentlicht.

Die Affäre begann nach Informationen des "Wall Steet Journal", nachdem Petraeus im August 2011 aus der Armee ausgeschieden war. Sie sei seit einigen Monaten wieder vorbei. Broadwell, die verheiratet und Mutter von zwei Kindern ist, habe während ihrer Recherche für das Buch über Petraeus viel Zeit mit ihm verbracht. Sie war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ihre Homepage im Internet wurde schon am Freitag abgeschaltet. Ein politischer Hintergrund für den Rücktritt wurde zunächst ausgeschlossen.

Obama nimmt Rücktritt an

Petraeus hatte Präsident Barack Obama am Donnerstag seinen Rücktrittswunsch mitgeteilt. An seine Mitarbeiter schrieb er: "Nach mehr als 37 Jahren Ehe habe ich ein äußerst schlechtes Urteilsvermögen an den Tag gelegt, indem ich eine außereheliche Beziehung einging. Ein derartiges Verhalten ist inakzeptabel, sowohl als Ehemann als auch als Führer einer Organisation wie der unseren." Präsident Obama nahm den Rücktritt an und dankte dem früheren Oberbefehlshaber in Afghanistan und im Irak für seine "außerordentlichen Dienste".

Eine Schlüsselfigur: Petraeus war seit September 2011 CIA-Chef. Zuvor war er Oberkommandierender der internationalen Truppen in Afghanistan.
Eine Schlüsselfigur: Petraeus war seit September 2011 CIA-Chef. Zuvor war er Oberkommandierender der internationalen Truppen in Afghanistan.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Obama erklärte, Petraeus sei einer der "herausragenden Generäle" seiner Generation gewesen. Als CIA-Direktor habe der 60-Jährige seinen jahrzehntelangen Dienst für die USA mit "intellektueller Präzision, Hingabe und Patriotismus" fortgesetzt, lobte der Präsident. Petraeus habe "unser Land sicherer und stärker" gemacht.

"Meine Gedanken und Gebete sind bei Dave und Holly Petraeus, die durch ihre eigene Arbeit so viel für die Familien unseres Militärs gemacht hat", erklärte Obama. "Ich wünsche ihnen nur das Beste in dieser schwierige Zeit." Nach dem Rücktritt wird die CIA den Angaben zufolge übergangsweise von Petraeus' Stellvertreter Michael Morell geführt.

Als möglicher Nachfolger komme Obamas Antiterrorberater John Brennan in Frage, sagte der ehemalige CIA-Beamte Bruce Riedel von der Denkfabrik Brookings Institution der Nachrichtenagentur AFP. Dieser sei reich an Erfahrungen und genieße das Vertrauen des Präsidenten. Brennan sei bereits in der Vergangenheit für den Posten des CIA-Direktors genannt worden, sagte Riedel.

Petraeus stand politisch unter Beschuss

Der Rücktritt erfolgte inmitten von Kritik an Petraeus' Reaktion auf einen tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Benghasi, bei dem unter anderem der US-Botschafter ums Leben kam. Nach dem Anschlag am 11. September hatte die CIA Präsident Obama angeblich unzutreffend über die Hintergründe des Attentats informiert. Der Anschlag, bei dem der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden waren, war später zum Wahlkampfthema geworden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney warf Obama Fehleinschätzung und Irreführung vor.

Nach dem Anschlag hatte die CIA Obama tagelang versichert, die Attacke sei aus einer spontanen Protestaktion erwachsen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich aber um einen geplanten Terroranschlag von islamischen Extremisten am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. CIA-Kreise hatten sich damit gerechtfertigt, dass ihre Angaben zum damaligen Zeitpunkt dem Kenntnisstand entsprachen. Petraeus sollte in der kommenden Woche vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen.

Noch am 18. September läutete Petraeus gemeinsam mit seiner Frau Holly die Glocke zur Eröffnung der NYSE.
Noch am 18. September läutete Petraeus gemeinsam mit seiner Frau Holly die Glocke zur Eröffnung der NYSE.(Foto: REUTERS)

Petraeus war im September 2011 als CIA-Chef auf Leon Panetta gefolgt, der an die Spitze des Verteidigungsministeriums wechselte. Zuvor hatte der General als Oberbefehlshaber der internationalen und US-Truppen in Afghanistan gedient. Vor der Aufgabe am Hindukusch hatte Petraeus den US-Einsatz im Irak geführt.

Der Chef des Nationalen Geheimdienstes (DNI), James Clapper, sagte, Petraeus' Rücktritt sei der "Verlust eines unserer am meisten respektierten Staatsdiener". Der Senator John McCain, der Petraeus' Strategie einer Truppenaufstockung im Irak massiv unterstützt hatte, sagte, der General werde in einer Reihe mit den "größten amerikanischen Militärhelden" stehen.

Sündenbock für Bengasi

Die Geheimdienst-Expertin der Demokraten, Dianne Feinstein, politische Hintergründe ausgeschlossen. Der Streit um fehlerhafte CIA-Informationen über die Ermordung des US-Botschafters in der libyschen Stadt Bengasi habe damit nichts zu tun, sagte die Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses. Petraeus hatte eine außereheliche Beziehung als Grund für seinen Rücktritt genannt, den der in dieser Woche wiedergewählte Präsident Barack Obama am Freitag annahm.

"Die Leute werden sagen, dass er (Petraeus) ein Sündenbock für Bengasi ist. Aber das ist absolut falsch", sagte Feinstein nach Angaben des Senders CNN. "Nach allem was ich weiß, war es ein unerhörter persönlicher Fehltritt."

Quelle: n-tv.de

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