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Die Verstrickungen der US-Generäle: CIA-Skandal und kein Ende

Der Sexskandal um Ex-CIA-Chef Petraeus weitet sich aus. Nun steht auch Petraeus' Nachfolger in Afghanistan, Vier-Sterne-General Allen, wegen "unangemessenen Verhaltens" unter Druck. Allen sollte eigentlich 2013 die Nato-Streitkräfte in Europa übernehmen. Das FBI filzt auch das Haus von Petraeus' Ex-Geliebter Broadwell.

Welche Rolle spielt Kelley in der ganzen Affäre?
Welche Rolle spielt Kelley in der ganzen Affäre?(Foto: REUTERS)

Kaum wiedergewählt, steht US-Präsident Obama vor einem Haufen Probleme. Ausgerechnet seine obersten Militärs sorgen für Ärger. Erst tritt der Kriegsheld und CIA-Chef David Petraeus zurück, nun gerät auch der US-Kommandeur in Afghanistan, General John Allen, in den Fokus von Ermittlern. Allen habe möglicherweise "unangemessene" E-Mails an Jill Kelley, eine Freundin von Petraeus und dessen Frau, geschickt, sagte ein Mitarbeiter des Pentagons. Der Inlandsgeheimdienst FBI untersuche derzeit rund 30.000 Seiten an Korrespondenz zwischen Allen und Kelley.

Kelley hatte ungewollt eine Affäre zwischen Petraeus und dessen Biografin Paula Broadwell ans Licht gebracht. So hatte sie über Droh-Mails geklagt, die offenbar von Broadwell versandt worden waren. Bei den Nachforschungen des FBI kamen Textnachrichten zwischen Broadwell und Petraeus ans Licht, zu denen die beiden befragt wurden. Der Pentagon-Mitarbeiter sagte, es sei sehr wahrscheinlich, dass die nun gefundenen E-Mails von Allen etwas mit dem Fall zu tun hätten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte unterdessen, er habe den Fall an die interne Ermittlungsabteilung des Pentagons weitergegeben.

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Die Kommunikation zwischen Allen und Kelley begann offenbar im Jahr 2010. Der Vier-Sterne-General Allen, der im kommenden Jahr die Nato-Streitkräfte in Europa übernehmen soll, bestreitet laut Zeitungsberichten jegliches Fehlverhalten. Seine Nominierung zum neuen Nato-Oberkommandeur Europa solle dennoch verschoben werden, sagte Panetta in einer Mitteilung. Erst müssten die Vorwürfe geklärt werden. US-Präsident Obama habe dem zugestimmt.

Ehebruch als Verbrechen

Der US-Senat sollte in einer Anhörung an diesem Donnerstag Allen für das neue Amt bestätigen. Eigentlich sollte er den neuen Führungsposten Anfang des kommenden Jahres übernehmen. Bereits Mitte Oktober hatten die Nato-Verteidigungsminister Allan als Nachfolger von US-Admiral James Stavridis bestimmt. Isaf-Kommandeur werde Allen vorerst bleiben, sagte Panetta. Er bat aber darum, dass die Nominierung seines bereits bestimmten Nachfolgers, US-General Joseph Dunford, schnell voranschreite. Laut dem Kodex für die US-Streitkräfte gilt Ehebruch als Verbrechen, heißt es in der "Washington Post".

Die NATO nahm die mögliche Ausweitung der CIA-Affäre auf Allen zur Kenntnis. Das Bündnis kenne die Erklärung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta zu den Fall, sagte eine NATO-Sprecherin. Es gehe aber um eine in den USA eingeleitete Untersuchung.

Männer tragen Kisten mit Material aus dem Haus der Ex-Geliebten.
Männer tragen Kisten mit Material aus dem Haus der Ex-Geliebten.(Foto: AP)

Die 37-jährige Kelley kümmert sich ehrenamtlich um Verwundete auf einer Armee-Basis nahe ihrem Wohnort in Tampa. Sie erhielt offenbar auch private Fotos des FBI-Beamten, der die E-Mails von Broadwell untersuchen sollte. Auf den Bildern ist der Mann mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. Daraufhin sei dem Agenten der Fall entzogen worden, heißt es in US-Medien.

Broadwells Haus gefilzt

Unterdessen durchsuchten rund ein dutzend Beamte der US-Bundespolizei FBI das Wohnhaus von Broadwell. Die 40-jährige Broadwell lebt mit ihrer Familie in Charlotte im Bundesstaat North Carolina. Mehrere FBI-Beamte verließen mit Kartons das Haus der Frau. Im Haus selbst wurden Fotos gemacht. Offenbar suchten die Polizisten nach sensiblen Dokumenten.

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Petraeus war am Freitag als CIA-Chef zurückgetreten, nachdem bei FBI-Ermittlungen die außereheliche Affäre mit seiner Biografin aufgeflogen war. Die Bundespolizei hatte auch untersucht, ob die Beziehung ein Sicherheitsrisiko darstellte und Broadwell von geheimen CIA-Erkenntnissen wusste. Broadwell hat sich bislang nicht zu der Affäre geäußert. Nach Angaben der "Washington Post" hat sie inzwischen einen prominenten Anwalt, Robert F. Muse, engagiert.

Petraeus entsetzt über Droh-Mails

Laut Medienberichten war Petraeus entsetzt, als er von Droh-E-Mails seiner Geliebten an die Familienfreundin Kelley erfuhr. Nach einem Bericht der "Washington Post" forderte er Broadwell auf, Kelley in Ruhe zu lassen. Die Mails machten offenbar klar, dass Broadwell neidisch auf Kelley war und diese als Nebenbuhlerin empfand. Nach Angaben des Blattes beendete Petraeus dann die Affäre mit seiner Biografin vor rund vier Monaten.

Zusätzliche Brisanz gewann der Skandal, als ein Video eines Auftritts Broadwells an der Universität Denver ins Internet gestellt wurde, bei dem sie am 26. Oktober über Einzelheiten aus den Spannungen um die Besetzung des US-Konsulats im libyschen Bengasi sprach. CIA-Agenten hätten zwei libysche Milizionäre festgenommen, sagte Broadwell in der Video-Aufzeichnung. Petraeus sei darüber informiert.

David Petraeus muss seiner Frau Holly nun einiges erklären.
David Petraeus muss seiner Frau Holly nun einiges erklären.(Foto: AP)

Das CIA dementierte laut "Washington Post" ihre Darstellung. Vielleicht habe sich Broadwell auf frühere Angaben eines Fernsehsenders gestützt und sich wichtig machen wollen. Allerdings sei es auch möglich, dass Broadwell Geheiminformationen ausplauderte, die sie von einer CIA-Quelle erhalten habe. Die Auseinandersetzungen in Bengasi, bei denen am 11. September US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden waren, spielten im Präsidenten-Wahlkampf wiederholt eine Rolle.

Wütende Holly Petraeus

Ein früherer Petraeus-Sprecher, Steve Boylan, sagte unterdessen dem Sender ABC News, die betrogene Ehefrau Holly sei "zurzeit nicht gerade erfreut". Wütend sei noch eine Untertreibung, so habe Petraeus selbst in einem Gespräch mit ihm am Wochenende die Stimmung seiner Frau beschrieben. Die beiden sind seit mehr als 37 Jahren verheiratet. Nach Angaben der "Washington Post" wollte Petraeus offenbar nicht zurücktreten. Erst als klar wurde, dass seine Affäre öffentlich würde, beugte er sich dem Druck.

Petraeus sollte eigentlich vor einem Senatsausschuss zu den CIA-Erkenntnissen vor und nach dem Terrorangriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi aussagen. Die CIA hatte dem Weißen Haus nach der Attacke am 11. September tagelang gesagt, der Angriff - bei dem unter anderem der US-Botschafter in Libyen getötet wurde - sei aus einer spontanen Protestaktion gegen ein islamfeindliches Video erwachsen. Tatsächlich handelte es sich aber um einen geplanten Terrorangriff. Der Auswärtige Ausschuss fordertl von der CIA Aufklärung darüber, welche Erkenntnisse sie zu welchem Zeitpunkt hatte. An Petraeus' Stelle wird nun sein bisheriger Stellvertreter Michael George Morell befragt werden, der die CIA jetzt kommissarisch leitet.

Zunächst war spekuliert worden, Petraeus könne zurückgetreten sein, um einen Auftritt vor dem Ausschuss zu vermeiden. Das war aber von verschiedenen Seiten kategorisch bestritten worden. Dennoch erhält die Ausschuss-Sitzung nach dem Rücktritt des CIA-Chefs besondere Brisanz. Laut "Washington Post" fordern führende Kongress-Abgeordnete, dass Petraeus sich auch nach seinem Rücktritt im Ausschuss zum Angriff in Bengasi erklärt.

Quelle: n-tv.de

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