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Zigarette am Lenkrad: Die Drogenbeauftragte erinnert an das Gesundheitsrisiko für mitreisende Minderjährige.
Zigarette am Lenkrad: Die Drogenbeauftragte erinnert an das Gesundheitsrisiko für mitreisende Minderjährige.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vorstoß der Drogenbeauftragten: CSU-Politikerin fordert Rauchverbot im Auto

Welche Gefahr droht Kindern durch das Passivrauchen im Auto? Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung spricht sich für ein Einschränkung des Tabakkonsums für fahrende Eltern aus - nach dem Vorbild Großbritanniens.

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler fordert ein Rauchverbot in Autos, wenn Minderjährige mitfahren. "Ich würde die Prüfung eines solchen Verbots innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes sehr begrüßen", sagte sie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Mortler verwies auf das Vorbild Großbritannien. Dort tritt ab Oktober eine entsprechende Regelung in Kraft. "Oft wird ja argumentiert, man greife zu tief in die Freiheitsrechte der Eltern ein", sagte die CSU-Politikerin. "Hier geht es aber darum, dass Kinder dauerhaft geschädigt werden, weil die Rauchkonzentration im Auto um ein Vielfaches höher ist als im Freien."

3300 Tote durch Passivrauchen

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Eine ihrer Vorgängerinnen, Sabine Bätzing, hatte vor Jahren scharfe Kritik auf sich gezogen, als sie ein solches Rauchverbot in Autos vorgeschlagen hatte. Im europäischen Ausland zeichnet sich dagegen ein Meinungsumschwung ab. In Frankreich zum Beispiel hatte sich die Nationalversammlung erst im Frühjahr für ein Rauchverbot in Autos im Beisein Minderjähriger ausgesprochen.

Der Tabakkonsum und seine Folgen sind nach Informationen der Bundesregierung das "Größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland". Jährlich sterben demnach allein in der Bundesrepublik etwa 110.000 Menschen an den direkten Auswirkungen des Rauchens. Zusätzlich, so heißt es, ist von etwa 3300 Todesfällen durch Passivrauchen auszugehen.

Cannabis für Schwerkranke

Auch beim Alkohol-Konsum seien Eltern oft ein schlechtes Vorbild, betonte Mortler. "Hier ist noch viel Aufklärung nötig." Laut einer Studie sei es jeder zweiten Schwangeren nicht bewusst, wie schädlich Alkohol für das Ungeborene ist. "Wir haben daher Leitlinien für alle Berufsgruppen entwickelt, die mit Schwangeren zu tun haben, um die Information und Anwendung in der Praxis zu verbessern", sagte die Drogenbeauftragte.

Eine Legalisierung von Cannabis, wie sie zuletzt mehrere Politiker forderten, lehnte Mortler dagegen strikt ab. "Man kann die Tür leicht öffnen, aber nur schwer wieder schließen", sagte sie der Zeitung. Viele Mediziner hielten Cannabis für "alles andere als ungefährlich". Es gebe aber Pläne, schwer kranken Menschen vermehrt Cannabis-Produkte als Medizin zur Verfügung zu stellen.

Werbe-Schranken für Alkohol und Tabak

Als Maßnahme zur Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen hatte Bundesdrogenbeauftragte Mortler erst vergangene Woche strengere Regeln bei der Werbung für Tabakwaren und dem Verkauf von Alkohol gefordert. "Ab 2016 soll es schrittweise außer an den Verkaufsstellen keine Tabakwerbung mehr geben", hatte Mortler der "Rheinischen Post" erklärt. Neben Plakat-Außenwerbung solle auch keine Kinowerbung für Tabakwaren mehr erlaubt sein.

Deutschland sei neben Bulgarien das letzte EU-Land, das diese Regelung nicht umgesetzt habe, obwohl eine Tabakrahmen-Konvention seit vielen Jahren bestehe. Ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr könne Jugendliche von übermäßigem Konsum abhalten. "Ich würde eine Verkaufssperre unbedingt befürworten", sagte Mortler.

In Baden-Württemberg habe sich diese Regelung bewährt. Sowohl Polizei als auch Rettungsdienste würden einen positiven Effekt bestätigen. Grundsätzlich fordere sie ein "gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit Alkohol". Besonders Kinder seien von den Folgen des Alkoholkonsums betroffen: Es gebe 2,6 Millionen Kinder, die in einer suchtbelasteten Familie lebten. "Das ist nicht hinnehmbar", sagte die CSU-Politikerin.

Quelle: n-tv.de

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