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Die PID wurde unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Nun geht es darum, wie die Praxis aussehen soll.
Die PID wurde unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Nun geht es darum, wie die Praxis aussehen soll.(Foto: picture alliance / dpa)

Bahr legt PID-Verordnung vor: CSU befürchtet Missbrauch

Kaum ist die Verordnung zu Gentests für Embryonen von Gesundheitsminister Bahr veröffentlicht, zieht sie Kritik auf sich. Sie bietet die Grundlage für ein Geschäft mit ungeborenem Leben - das befürchtet zumindest der CSU-Politiker Singhammer. Auch die Grünen zeigen sich besorgt.

Die geplante Rechtsverordnung für Gentests an Embryonen stößt auf Kritik. Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer beklagte unter anderem, dass der Verordnungsentwurf von Gesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP keine zahlenmäßige Beschränkung der PID-Zentren vorsehe. "Damit wächst das Risiko, dass daraus auch ein Geschäftsmodell entwickelt wird, was wir immer vermeiden wollten", sagte der CSU-Politiker.

Es war lange heftig umstritten, ob die PID eine medizinische Errungenschaft oder eine moralische Verfehlung ist.
Es war lange heftig umstritten, ob die PID eine medizinische Errungenschaft oder eine moralische Verfehlung ist.(Foto: picture alliance / dpa)

Nur in diesen Zentren soll die umstrittene Präimplantations-Diagnostik (PID) durchgeführt werden, bei der im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib auf mögliche Gendefekte untersucht werden.

Über den Antrag von Paaren auf einen entsprechenden Test sollen spezielle Ethikkommissionen entscheiden - doch deren vorgesehene Besetzung stößt ebenfalls auf Kritik. Der rechtspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Jerzy Montag, befürchtet Grundsatzdebatten in den Kommissionen, weil die vorgesehenen Vertreter von Patienten- und Behindertenorganisationen keine medizinischen Fachfragen beantworten könnten. Singhammer, der ohnehin zu den strikten PID-Gegnern zählt, kritisierte hingegen, dass in den Gremien keine Kirchenvertreter vorgeschrieben seien.

Verordnung könnte Anfang 2013 in Kraft treten

Bahr hätte die Rechtsverordnung am Mittwoch an die obersten Landesgesundheitsbehörden verschickt, berichtete die Berliner Tageszeitung "taz", der die Unterlagen nach eigenen Angaben vorliegen. Demnach muss es in PID-Zentren für Paare, die das Verfahren zur Bestimmung von Gendefekten wünschen, eine Beratung über medizinische, psychische und soziale Folgen geben. Zudem soll in jedem Zentrum jene spezielle Ethikkommission den Antrag des Paares bewerten.

Die Verordnung sieht laut "taz" keine "zahlenmäßige Beschränkung" der PID-Zentren in Deutschland vor. Allerdings müssten sie neben den medizintechnischen Voraussetzungen für die Gendiagnostik "insbesondere über Erfahrungen mit In-vitro-Fertilisation, Spermieninjektion, mit Embryonentransfer und mit Techniken zur Gewinnung von Zellen und deren Aufbereitung" verfügen.

Die obersten Landesgesundheitsbehörden sollen dem Bericht zufolge nun bis 17. August Stellung nehmen. Stimme der Bundesrat im Herbst zu, trete die Verordnung Anfang 2013 in Kraft.

Quelle: n-tv.de

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