Freitag, 09. April 2010
Der Geist der Freiberuflichkeit: CSU will Flexibilität für Ärzte
Immer mehr Politiker bringen immer mehr Ideen an den Tag, um die Versorgung mit Ärzten auf dem Land zu verbessern. Jetzt fordern CSU-Vertreter sogar die Aufhebung der Zulassungssperren für überversorgte Gebiete. Die Beschränkungen widersprächen dem Geist der Freiberuflichkeit.
Damit Landärzte nach einem erfolglosen Versuch wieder in die Stadt zurück können, müssen die Zulassungssperren für Ballungszentren aufgehoben werden.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die CSU fordert in der Debatte um den Ärztemangel die Aufhebung der für einige Regionen geltenden Zulassungssperren für Kassenärzte. Die 1992 eingeführten Beschränkungen für überversorgte Gebiete, etwa Großstädte, hätten sich nicht bewährt, sagte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Johannes Singhammer (CSU), der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Sie widersprächen dem Geist der Freiberuflichkeit und behinderten die Flexibilität der Ärzte. So mancher Arzt würde es mit einer Praxis auf dem Land versuchen, wenn er wüsste, dass er bei einem Scheitern dort auch wieder wegkäme, sagte Singhammer.
In einem Positionspapier, über das die "Financial Times Deutschland" berichtete, fordern Singhammer und sein CSU-Kollege Max Straubinger, auch das nichtärztliche Fachpersonal wie Krankenschwestern bei der künftigen Versorgungsplanung zu berücksichtigen. Darüber hinaus fordern sie die Gründung von Praxen durch die zuständige kassenärztliche Vereinigung (KV) in unterversorgten Regionen, die dort dann Ärzte anstellen.
Versorgungszentren mit Zweigstellen
Um die Versorgung mit Ärzten auf dem Land zu verbessern, sei zudem eine Änderung des Zulassungsverfahrens für Kassenärzte notwendig. Studenten, die sich für eine Hausarzttätigkeit verpflichten, sollten mit Stipendien und Patenschaften gefördert werden. Medizinische Versorgungszentren könnten gezwungen werden, unterversorgte Gebiete über Zweigstellen mit zu betreuen, sagte Singhammer der "FAZ".
Vor wenigen Tagen hatte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ein Maßnahmenpaket angekündigt, um mehr Ärzte auf das Land zu locken - etwa durch eine Lockerung bei der Zulassung zum Studium.
Der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) forderte in der "FTD" einen Ärzte-Pakt von Bund und Ländern. "Wir brauchen dauerhaft zehn Prozent mehr Medizin-Studienplätze", sagte Pinkwart. Das wären 1000 Studienplätze mehr. Pinkwart kündigte eine entsprechende Initiative für den Bildungsgipfel im Juni an.
dpa
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