Kein Kuss von AhmadinedschadChamenei zieht die Hand weg

Irans geistlicher Führer Ayatollah Chamenei hat die Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad offiziell bestätigt. Nur wenige Stunden danach protestieren wieder tausende Iraner gegen Ahmadinedschad.
Der Kuss ging ins Leere: Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bei der feierlichen Bestätigung seiner Wiederwahl vergeblich versucht, dem geistlichen Führer Ayatollah Ali Chamenei die Hand zu küssen. Fernsehbilder zeigten, wie Chamenei einen Schritt nach hinten ging, als Ahmadinedschad sich zum Handkuss vorbeugte. Einen Kuss des alten und neuen Staatschefs auf seine Schulter ließ Chamenei hingegen lächelnd zu.
Der Handkuss gilt im Iran als eine der höchsten Bekundungen von Respekt. Vor vier Jahren hatte Ahmadinedschad Chamenei nach seinem Wahlsieg die linke Hand geküsst, das Foto wurde auf den Titelseiten mehrerer Zeitungen gedruckt.
Vereidigung am Mittwoch
Ahmadinedschad soll an diesem Mittwoch vereidigt werden. Er muss dann laut Verfassung binnen zwei Wochen sein neues Kabinett vorstellen. Der Vorsitzende des Expertenrates und Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani hatte - zusammen mit prominenten Oppositionellen wie dem unterlegenen Kandidaten Mir Hussein Mussawi und Ex-Präsident Mohammed Chatami - die Bestätigungszeremonie boykottiert.
Nur wenige Stunden nach der offiziellen Bestätigung des Wahlergebnisses protestierten wieder tausende Iraner gegen Ahmadinedschad. Die Demonstranten versammelten sich an einem Platz am Rande des Zentrums von Teheran. Nach Angaben von Augenzeugen versuchten Sicherheitskräfte, die Protestierenden auseinanderzutreiben.
Nach der Wahl vom 12. Juni war es wochenlang zu Massenprotesten gekommen, bei denen nach offiziellen Angaben mehr als 20 Menschen ums Leben kamen und Hunderte festgenommen wurden. Seit Samstag stehen 100 Demonstranten vor Gericht.
USA erwägen neue Sanktionen
Die US-Regierung erwägt einem Bericht der "New York Times" zufolge neue, schmerzhafte Sanktionen gegen den Iran, sollte die Führung das Angebot von Präsident Barack Obama zu Verhandlungen über das iranische Atomprogramm weiter ablehnen. Das Weiße Haus spreche derzeit mit den Verbündeten vor allem in Europa sowie Kongressmitgliedern über die Möglichkeiten drastischer Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, berichtete die angesehene Zeitung. Zu den Maßnahmen könnte demnach gehören, den Iran von den Importen von Benzin und anderen aufbereiteten Ölprodukten abzuschneiden.
Auf dem G8-Gipfel im Juli in L'Aquila hatten die westlichen Industriestaaten und Russland Iran eine Frist bis September gesetzt, um auf das Angebot zu neuen Gesprächen im Atomstreit zu reagieren. Im US-Senat könne Obama bereits mit 71 der 100 Senatorenstimmen für verschärfte Sanktionen rechnen, heißt es. Greifen könnten verschärfte internationale Sanktionen, die vom UN-Sicherheitsrat beschlossen werden müssen, nur mit der Einwilligung Russlands und Chinas.