Mittwoch, 13. August 2008
"Absolutes Desaster" droht: Charles verteufelt Gentechnik
Ungeachtet steigender Lebensmittelpreise hat der britische Thronfolger Prinz Charles eindringlich vor der weiteren Entwicklung gentechnisch veränderter Nahrung gewarnt. Dadurch drohe "das größte Umwelt-Desaster aller Zeiten", sagte der 59-Jährige in einem Interview. Multinationale Konzerne, die solche scheinbar preisgünstigeren Agrarprodukte erzeugen, betrieben "ein gigantisches Experiment mit der Natur und der ganzen Menschheit, das völlig schiefgegangen ist".
Eine Abhängigkeit der Verbraucher von "gigantischen" Agrarkonzernen könne in einem "absoluten Desaster" enden, warnte Prinz Charles in der Zeitung "Daily Telegraph". Das wäre "der klassische Weg, um sicherzustellen, dass es in der Zukunft keine Nahrungsmittel mehr gibt." Britische Medien äußerten Verwunderung über die Schärfe der Äußerungen. "Selbst für einen Prinzen, der sich seit langem für die ökologische Landwirtschaft engagiert und die Gentechnik kritisiert, sind dies fast zu extreme Äußerungen", kommentierte der Sender BBC.
Kritik an Regierung
Charles lege sich damit nicht nur mit der Biotechnik-Industrie, sondern auch mit der Regierung an, meinte die Zeitung "The Guardian". Die britischen Behörden haben seit dem Jahr 2000 bereits grünes Licht für 54 Gentechnik-Experimente gegeben. Bei dem jüngsten Versuch testet der Konzern BASF im Norden Englands eine genetisch modifizierte Kartoffelsorte, die gegen Pilzerkrankungen wie Mehltau resistent sein soll.
"Wir haben stets gesagt, dass die Debatte über die künftige Rolle gentechnisch modifizierter Pflanzen wichtig ist, und wir begrüßen alle Meinungsäußerungen", sagte eine Sprecherin des Londoner Ministeriums für Umwelt, Nahrung und ländliche Angelegenheiten zur Kritik des Prinzen. "Die Sicherheit wird bei diesem Thema stets die höchste Priorität haben."
Kleinbauern bedroht
Zum ersten Mal hatte Prinz Charles seine Abneigung gegen die Biotechnik bereits 1998 deutlich gemacht, als er warnte, dass "genetische Modifizierungen die Menschheit in die Bereiche von Möglichkeiten bringen, die Gott und allein Gott vorbehalten sind". In seiner jüngsten Kritik verwies er auch darauf, dass die großangelegte Produktion von Gentechnik-Pflanzen dazu führen könne, dass "Millionen kleiner Bauern überall auf der Welt von ihrem Land vertrieben werden".
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