Politik
Einwohner von Petare geben ihre Stimme ab.
Einwohner von Petare geben ihre Stimme ab.(Foto: Manfred Bleskin)

Rechnung der Opposition geht nicht auf: Chávez' Linke siegt in Venezuela

Von Manfred Bleskin, Caracas

Die Ergebnisse der Gouverneurswahlen in Venezuela haben nicht nur regionale Bedeutung. Mit ihrem klaren Sieg in 20 der 23 Bundesstaaten schafft die Linke die Voraussetzungen für eine Weiterführung der "bolivarische Revolution". Die Rechnung der Opposition geht damit nicht auf - aber der Chávez-Herausforderer bleibt im Rennen.

Die Stimmabgabe wird elektronisch kontrolliert.
Die Stimmabgabe wird elektronisch kontrolliert.(Foto: Manfred Bleskin)

Als gegen 18.00 Uhr im Wahllokal 23 im "barrio" Petare die Wahlurnen geöffnet werden, knallte es nur kurze Zeit später auf den Straßen. Im ersten Augenblick denkt man an Freudenschüsse der Anhänger von Staatspräsident Hugo Chávez Frías. Doch es sind nur Feuerwerkskörper, für die die Einwohner der venezolanischen Hauptstadt eine besondere Vorliebe heben. Geknallt wird hier bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit. Der Grund dieses Mal: Der sozialistische Kandidat für den Posten des "swing state" Miranda, Elías Jaua, hatte in Petare den Kandidaten der bürgerlichen und rechten Opposition, Henrique Capriles Radonski, klar mit 60 Prozent auf die Plätze verwiesen. Beim vorhergehenden Urnengang hatte Capriles das Rennen hier für sich entschieden. Doch die Knallkörper wurden zu früh gezündet. Am Ende schafft es der 40-Jährige dann doch noch, sein Gouverneursamt in Miranda zu verteidigen.

Damit hat sich Capriles eine Basis geschaffen, die es ihm ermöglicht, sich  künftig weiter als Gegenspieler des schwer kranken Staatschefs zu  profilieren. Doch für den Moment spielt das keine Rolle. Die PSUV-Sozialisten von Chávez siegen in 19 der insgesamt 23 Bundesstaaten und jagen der Opposition zwei ihrer Hochburgen ab, darunter das erdölreiche Zulia. Die mit der PSUV verbündeten Kommunisten erobern einen Posten. Die Hoffnung der Opposition, die Krebserkrankung von Chávez würde sie stärken, ist damit nicht aufgegangen.

Chávez "ein Diktator"

Wie konnte es der Linken bei einer - allerdings nur etwas mehr als fünfzigprozentigen - Wahlbeteiligung gelingen, Stimmen hinzuzugewinnen? Eine ältere, gut situierte Dame im Stadtteil Chacoa erzählt, ihnen, den Gutbetuchten, sei es schon immer gut gegangen. Chávez habe endlich etwas für die Armen getan. Eine ärmliche Eisverkäuferin im Elendsviertel Napoleón Baute allerdings meint, es wäre immer noch nicht genug. Außerdem sei Chávez ein Diktator. Zweifellos neigt der Charismatiker zu einem selbst für lateinamerikanische Verhältnisse ungewöhnlichen Pathos; einem missliebigen Fernsehsender wurde die terrestrische Frequenz entzogen. Doch im Kabelnetz sendet die Station munter weiter. In den Wahllokalen wachen je ein Vertreter der Opposition und der "chavistas" in trauter Gemeinsamkeit, auf dass die Stimmabgabe korrekt verlaufe. Die vollautomatisierte Stimmabgabe und die Übermittlung des Ergebnisses per Funk an die Auswertungszentrale auf der Plaza Caracas lassen kaum Spielraum für Manipulation.

Als das Endergebnis für den Bundesstaat Miranda bekannt wird, knallt es wieder. Diesmal sind es die Capriles-Anhänger, die für den Fall des Ablebens von Chávez bei vorgezogenen Neuwahlen auf einen Sieg von Capriles hoffen. Aber Miranda ist nicht ganz Venezuela.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Manfred Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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