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Clinton vergnügt, Bush kapituliert, Cruz unzufrieden - die Ergebnisse bei den Vorwahlen in Nevada und South Carolina waren nicht für jeden der Präsidentschaftsbewerber erfreulich.
Clinton vergnügt, Bush kapituliert, Cruz unzufrieden - die Ergebnisse bei den Vorwahlen in Nevada und South Carolina waren nicht für jeden der Präsidentschaftsbewerber erfreulich.(Foto: n-tv.de / Reuters)

Rennen um das Weiße Haus: Clinton lacht wieder - Cruz und Bush nicht

Von Christian Rothenberg

Eine Spielkarte hilft Hillary Clinton in Nevada. Bei den Republikanern freut sich Donald Trump über ein ungeschriebenes Gesetz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Vorwahlen in Nevada und South Carolina.

Was war die größte Überraschung?

Die große Überraschung hatte sich in der Woche schon angekündigt. Bernie Sanders kam Hillary Clinton auf den letzten Metern vor den Neuwahlen in Nevada gefährlich nah. Bis vor einigen Wochen hatte alles auf einen lockeren Sieg für Clinton hingedeutet. Am Ende triumphierte Clinton nur knapp mit 52,7 Prozent, Sanders holte 47,2 Prozent. Im Norden Nevadas schnitt Sanders vielfach sogar besser ab. Insgesamt stimmten 84 Prozent der Unter-30-Jährigen für ihn. In mehreren Bezirken gab es sogar Stimmengleichheit. In diesem Fall entscheiden bei den Wahlversammlungen der Demokraten in Nevada Spielkarten. Im Bezirk Pahrump schlug Clintons Kreuz-Ass die Herz-Sechs von Sanders.

Was bedeutet das Ergebnis für die Favoriten?

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Die dritte Vorwahl – Demokraten in Nevada, Republikaner in South Carolina – ist die erste, bei der sich die großen Favoriten durchsetzen konnten. Donald Trump holte nach New Hampshire den zweiten Sieg in Folge – mit großem Vorsprung (32,5 Prozent) vor seinen Mitbewerbern Marco Rubio (22,5) und Ted Cruz (22,3). Trump holt damit alle 44 Delegiertenstimmen. Auch Hillary Clinton dürfte erleichtert sein. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse präsentierte sie sich vor ihren Anhängern quietschvergnügt. "An alle meine Unterstützer da draußen - einige mögen an uns gezweifelt haben, aber wir haben nie aneinander gezweifelt", twitterte die frühere Außenministerin. Nach dem Pflichtsieg in Nevada kann Clinton wieder zuversichtlicher auf die kommenden Wochen schauen. Umfragen sehen sie fast in allen der zwölf Staaten vorn, in denen am 1. März, dem sogenannten "Super Tuesday", Vorwahlen stattfinden. Doch landesweite Umfragen zeigen, dass es zwischen Clinton und Sanders knapper werden dürfte, als noch vor kurzem angenommen. Der US-Sender Fox News veröffentlichte vor einigen Tagen die erste Umfrage, in der Sanders sogar vorne liegt. Andere Meinungsforscher sehen Clinton nur noch knapp in Front. Noch im Januar hatte sie bis zu 20 Prozentpunkte Vorsprung auf ihren Rivalen gehabt.

Wer war der große Verlierer?

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Eindeutig Jeb Bush, denn nun ist sein Scheitern endgültig besiegelt. Der 63-Jährige stieg nach seinem mageren Abschneiden in South Carolina (7,7 Prozent) aus dem Rennen aus und erklärte seine Kampagne für beendet. Für den früheren Gouverneur von Florida, der lange als Favorit galt, und seine Familie, die immerhin zweimal einen US-Präsidenten stellte, ist das eine herbe Schlappe.  "Ich bin stolz auf die Kampagne, die wir geführt haben, um unser Land zu vereinigen", sagte Bush sichtlich angeschlagen in seiner Rückzugsrede. Aber auch ein anderer Bewerber der Republikaner dürfte nach der dritten Vorwahl wenig glücklich sein. Ted Cruz, der als Liebling der konservativen Evangelikalen gilt, wurde nur Dritter. In South Carolina, in dem sich drei Viertel der Republikaner als Evangelikale oder wieder geborene Christen bezeichnen, dürfte sich Cruz deutlich mehr erhofft haben. Bitter für ihn: Bei evangelikalen Wählern holte Trump 31 Prozent und er nur 27. Als wäre das nicht genug: Vor einigen Tagen ging beim Gericht in Cook County in Chicago eine Klage ein. Diese soll klären: Darf der 45-Jährige, der im kanadischen Calgary geboren ist, überhaupt für das US-Präsidentenamt kandidieren? Eine Vorlage für Trump und Rubio – und schlecht für Cruz. Derweil rechnet kaum jemand damit, dass John Kasich (7,7 Prozent in South Carolina) und Ben Carson (7,2 Prozent) noch ernsthafte Chancen haben, im Sommer das begehrte Ticket der Grand Old Party zu erhalten.

Wer war der große Gewinner?

Bei den Republikanern ist das neben Donald Trump auch Marco Rubio. Der 44-Jährige profitiert allein schon von der Schwäche seines Konkurrenten Cruz. Nach dessen Sieg in Iowa, macht Rubio diesem den zweiten Platz zunehmend streitig. Viel spricht dafür, dass der Senator von Florida sogar an Cruz vorbeiziehen könnte. So dürfte Rubio am stärksten vom Ausscheiden des gemäßigten Bush profitieren und auf einige Unterstützung aus dessen Lager zählen können. Symbolträchtig: Kurz vor der Wahl erklärte Nikki Haley, die prominente Gouverneurin von South Carolina, ihre Unterstützung für Rubio.

Was für eine Bedeutung haben Nevada und South Carolina?

In beiden Staaten mussten die Bewerber erstmals verstärkt um hispanische und afroamerikanische Wähler buhlen. Eine hohe Zustimmung in diesen Wählergruppen gilt als Voraussetzung für eine Kandidatur. Bei den Republikanern gibt es ein ungeschriebenes Gesetz für South Carolina: Seit 1980 wurden sechs der sieben Gewinner bei den Vorwahlen am Ende auch Präsidentschaftskandidat, dreien gelang sogar der Sprung ins Weiße Haus.

Wie geht es jetzt weiter?

In den nächsten zehn Tagen könnte bei beiden Parteien zumindest schon eine Vorentscheidung fallen. Am Dienstag (23.) wählen die Republikaner in Nevada, am Samstag (27.) die Demokraten in South Carolina. Am "Super Tuesday" (1. März) wird gleich in einem Dutzend Bundesstaaten gewählt. Bei den Demokraten geht es um 1199 Delegiertenstimmen, bei den Republikanern um 685.

Wann fällt die endgültige Entscheidung?

Bei den Republikanern benötigt man 1237, bei den Demokraten sogar 2382 Delegierte für den Gesamtsieg und eine Kandidatur. Wie weit der Weg noch ist, zeigt der aktuelle Stand: Trump und Clinton kommen jeweils erst auf 67 Delegiertenstimmen. Im Juli finden die Wahlparteitage von Republikanern und Demokraten statt, bei denen die Delegierten aus den Bundesstaaten ihre Kandidaten benennen. Die eigentliche Wahl findet am 8. November statt.

Quelle: n-tv.de

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