Freitag, 03. Oktober 2008
"Zusammenbruch programmiert": DDR schon 1982 am Ende
Das Ende der DDR war nach Ansicht von Experten durch ökonomische Umstände schon Mitte der 1980er Jahre programmiert. Bei einer Debatte auf dem Deutschen Historikertag in Dresden schilderten Wissenschaftler detailliert den zunehmenden Substanzverlust der Wirtschaft im Osten. Zwar seien die Auslandsschulden der DDR von rund acht Milliarden US-Dollar 1989 noch beherrschbar gewesen, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Andr Steiner vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Es habe aber keine Chance gegeben, das Problem bei mangelnder Konkurrenzfähigkeit von DDR-Produkten auf dem Weltmarkt dauerhaft zu lösen.
Steiner zufolge war die DDR schon 1982 nahezu zahlungsunfähig. Aus politischen Gründen habe das Land die Ausgaben für den Lebensstandard aber nicht einschränken wollen. Da auch Auslandsschulden zu begleichen waren, sei es schließlich zu einer Reduzierung der Investitionsausgaben gekommen. Nach Angaben des Mannheimer Universitätsprofessors Christoph Buchheim erschwerten internationale Entwicklungen die Lage. Die Sowjetunion habe Mitte der 1980er Jahre ihren Bruderstaaten nicht mehr im gleichen Umfang wie zuvor Öl und Rohstoffe liefern können. Ein Preisverfall bei Öl habe die dringend benötigten Devisen schrumpfen lassen.
Lügen und Arroganz
"Das System war international nicht wettbewerbsfähig", betonte der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Er schilderte genau wie der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin die Verhandlungen zur Wirtschafts- und Währungsunion. Die Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe beschrieb auch die Entwicklung der Oppositionellen in der DDR. Die DDR-Führung habe geglaubt, das Volk mit Lügen abspeisen zu können. "Die Arroganz der Macht verletzte die Würde der Menschen in der DDR tief und nachhaltig." Am Ende sei die Bevölkerung vor einem wirtschaftlichen und geistigen Bankrott des Systems geflohen.
Die Massenflucht der DDR-Bürger im Sommer 1989 war der Auslöser für die friedliche Revolution, lautete der Tenor in der fünfstündigen Debatte. Der frühere Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, hob die Gewaltlosigkeit der Demonstrationen hervor. "Das Volk legte erst die Angst ab, dann die Ohnmacht und wurde so zum mündigen Bürger", sagte Poppe.
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