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Dienstag, 29. August 2017

"Zu viele Sturzgeburten": Darum sagt ein Wahlkämpfer der SPD ab

Frank Stauss hat als Kampagnenmanager bereits Gerhard Schröder unterstützt. Dieses Jahr hält der engagierte Sozialdemokrat sich raus. Warum, erklärt er im Gespräch mit Louis Klamroth.

Er sei schon letztes Jahr gefragt worden, habe aber schon damals abgesagt, antwortet der Wahlkampfmanager Frank Stauss in der Sendung "Klamroths Konter" auf die Frage, warum er dieses Jahr nicht an der Wahlkampagne der SPD beteiligt ist. "Ich halte überhaupt nichts von Ad-hoc-Wechseln in der Politik. Die SPD hat ja dreimal in den letzten drei Wahlen Sturzgeburten bei der Kanzlerkandidatur hingelegt und es hat sich immer wieder gerächt."

Im Laufe seiner Karriere betreute Stauss schon 25 Wahlkampagnen; jüngst verhalf er der SPD-Politikerin Malu Dreyer ins Amt der Ministerpräsidentin. Überhaupt hat der 52-Jährige eine enge politische Verbindung zur SPD: Seit 1982 das konstruktive Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt ausgesprochen wurde, sei er Parteimitglied, erzählt er. "Das war so der Punkt, wo ich gesagt habe: 'Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen'", erklärt Stauss. "Das war so der letzte Impuls, wo ich gesagt habe: 'So, jetzt musst du dich engagieren.'"

Schon früher, mit 13 Jahren, machte Stauss erste Wahlkampferfahrungen. Als er mit seinem Vater im Auto unterwegs war, hielt er einen Helmut-Schmidt-Aufkleber von innen gegen das Fenster des Wagens. "Da kamen Leute vorbeigefahren, die haben Lichthupe gemacht oder die haben gewunken", erinnert er sich. Das fand er so gut, dass er weitermachen wollte. "Politisch gedacht habe ich irgendwie schon immer, aber auch immer in Wahlwerbung."

n-tv zeigt "Klamroths Konter" mit Frank Stauss am Dienstag um 23.30 Uhr und am Mittwoch und 17.30 Uhr.

Heute steht ihm ein Team an Helfern zur Verfügung, mit dem er die Wahlkampagnen angeht. Und das früher, als es der Wähler tatsächlich mitbekommt. "Wenn es für die meisten Menschen losgeht, wenn die Plakate kommen, ist die Arbeit nicht ganz zu Ende, aber es ist schon das Ende des Wahlkampfes." In den letzten Jahren sei es so, dass seine Agentur immer früher an Bord geholt worden wäre, mittlerweile sogar mit Vorlaufzeiten von einem oder zwei Jahren.

Außer seinen Anfängen und der grundsätzlichen Arbeit des Kampagnenmanagers bespricht Stauss auch, was Politiker richtig und vor allem falsch machen können. Peer Steinbrücks Mittelfinger zum Beispiel sei "übertrieben". "Steinbrück ist ja eigentlich gerade dafür geliebt worden, dass er anders ist, dass er auch mal anders spricht. Es war am Ende eine Serie von kleinen Fehlern in der Kampagne, die er begangen hat, die aber in der Summe den Wahlkampf aus dem Tritt haben kommen lassen."

Für Klaus Wowereits Outing "Ich bin schwul - und das ist gut so" könne Stauss, der selbst homosexuell ist, nichts. Er sei erst ein paar Wochen später engagiert worden. "Da ist mir auch erst einmal das Herz in die Hose gefallen. Dass ein Politiker, quasi auch schon ein angehender Ministerpräsident, so einen Satz sagt." Er selbst hätte Wowereit wahrscheinlich nicht dazu geraten. Aber im Nachhinein sei es goldrichtig gewesen.

Ein Thema sind natürlich die bevorstehende Bundestagswahl und die Kampagnen der Spitzenparteien CDU und SPD. Er spricht unter anderem darüber, dass die Sozialdemokraten den Werbespot der Konkurrenz persiflieren. Stauss war etwas Ähnliches während der Schröder-Kampagne vor zwölf Jahren passiert, als ihm und seinem Team das Skript des CDU-Spots mit Angela Merkel zugespielt wurde. Aber: "So originell ist der CDU-Spot jetzt auch nicht, dass man ihn nicht innerhalb von fünf Sekunden nacherzählt hätte", findet der Werbemanager. Und dass die für ihre Provokationen bekannte Werbeagentur Jung von Matt einen sehr ruhigen, "bräsigen Wahlkampf" macht, "ist ja passend zur Strategie der CDU 'Jetzt nur nicht die Pferde wechseln, alles läuft, ganz ruhig bleiben. Die Welt ist böse, aber wir haben Angela'".

Bei der Frage, was am anstrengendsten an seiner Arbeit sei - der Schlafmangel, das schlechte Essen oder die Kandidaten -, nimmt Stauss die ungenannte vierte Option. "Die Wähler. Die sind unheimlich anstrengend und unberechenbar."

Quelle: n-tv.de

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