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Wegweiser auf Hallig Gröde. Mit neun Wahlberechtigten ist die Hallig im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer der kleinste deutsche Wahlbezirk bei der Bundestagswahl am nächsten Sonntag.
Wegweiser auf Hallig Gröde. Mit neun Wahlberechtigten ist die Hallig im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer der kleinste deutsche Wahlbezirk bei der Bundestagswahl am nächsten Sonntag.(Foto: dpa)

Kampf um jede Stimme: Das Pfeifen im Walde zwischen den Wahlen

Von Gudula Hörr

Tage nach einer Wahl sind Tage des großen Theaters. Auch und gerade, wenn das Wahlergebnis für die Parteien ein Desaster war. Nun verbreiten die Verlierer von der Bayernwahl Optimismus - zumal die nächste Wahl am Sonntag ansteht und das Ergebnis völlig offen ist.

Nicht, dass das Ergebnis der SPD mit 20,6 Prozent bei der Bayern-Wahl richtig fulminant gewesen wäre. Dennoch bemühen sich die Sozialdemokraten am Tag danach um Zuversicht. "Wir haben die Trendwende geschafft, dass es wieder aufwärts geht", verkündete der bayerische Spitzenkandidaten Christian Ude etwas großspurig. Zwar sei der Zuwachs geringer ausgefallen als erhofft. "Aber ohne Zuwachs in Bayern lässt sich auch auf Bundesebene kein Zuwachs erreichen." Die Trendwende freue ihn sehr, "und wir hoffen, dass der Ball dann aufgenommen wird".

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Zumindest SPD-Chef Sigmar Gabriel nahm den Ball auf und rührte ebenfalls kräftig die Optimismus-Trommel. Bestärkt sehen kann er sich da vor allem durch einen Umstand: Das schlechte Abschneiden der FDP, auf das er auch am kommenden Sonntag hofft. "Wäre die FDP nicht im Bundestag, steigen die Chancen deutlich für Peer Steinbrück, Kanzler zu werden", sagte Gabriel beim Empfang Udes in Berlin. "Wir werden in den letzen Tagen alle unsere Kräfte mobilisieren." Die Wahl werde entschieden über die Wahlbeteiligung, bei 70 Prozent Beteiligung bleibe Angela Merkel Kanzlerin, bei 75 Prozent werde Steinbrück Regierungschef.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles interpretiert den Wahlausgang in Bayern vor allem als regionale Besonderheit. "Bayern ist Bayern. Wir haben wesentlich größere Potenziale, sowohl die Grünen als auch die SPD, auf der Bundesebene insgesamt", sagte Nahles bei n-tv. Eigentlich müsse sich die FDP Sorgen machen. "Da ist es ganz klar erst mal mit der FDP schlecht gelaufen und Schwarz-Gelb hat keine Mehrheit mehr."

Rösler wirbt um Zweitstimmen

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FDP-Chef Philip Rösler versucht gerade das weit von sich zu weisen. Die Situation im Bund sei nicht mit Bayern zu vergleichen, bügelt er Bedenken ab. Schließlich tickten die Uhren in Bayern anders. Damit dennoch die Wahl am nächsten Sonntag kein Desaster für die Liberalen wird, wirbt Rösler unumwunden um Stimmen aus dem Unions-Lager. "Die Zweitstimme für die FDP ist wichtig für die Fortsetzung dieser erfolgreichen Politik", so Rösler bei n-tv.

Zugleich grenzt sich Rösler deutlich von der Union ab. "Wir haben eine klare andere gesellschaftspolitische Auffassung als eine konservative Union. Wir stehen für Weltoffenheit, für Toleranz".

Union gegen Schützenhilfe

Ein kleiner Trost für die Liberalen kommt von der Union. Mehrere CDU-Präsidiumsmitglieder machten deutlich, dass sie fest mit einem Einzug der FDP in den Bundestag rechneten. "Ich bin seit gestern sicher, dass die FDP im nächsten Bundestag gut vertreten ist", sagte der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Armin Laschet. Gleichzeitig machte die CDU-Führung klar: Schützenhilfe für die FDP soll es nicht geben. "Jeder muss dafür sorgen, dass möglichst viele Stimmen zusammenkommen. Jede Partei wirbt für sich", sagte Hermann Gröhe, CDU-Generalsekretär. "Die Union hat keine Stimme zu verschenken. "

Dass noch einmal ordentlich gekämpft werden muss, stellte auch CSU-Chef Horst Seehofer heraus, der nach seinem Triumph vom Vortag eigentlich allen Grund zur Siegesgewissheit hätte. Er forderte von seiner Partei, nun alle Kraft in die letzten Tage des Wahlkampfs zur Bundestagswahl zu stecken. Die Wahl werde für die schwarz-gelbe Bundesregierung eine "sehr knappe Angelegenheit".

Zugleich lehnte auch er eine Leihstimmekampagne für die Liberalen ab. Die FDP müsse selbst ihre Stimmen holen und wieder stärker ihre eigene Anhängerschaft mobilisieren. "Es gibt ein nennenswertes Potenzial liberaler Wähler, das muss die FDP erschließen", mahnte der CSU-Chef.

Im Gegensatz zu den Liberalen kamen die Grünen zwar in bayerischen Landtag, doch verzeichneten auch sie leichte Verluste. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin ficht dies nicht an. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Schwarz-Gelb eine Mehrheit bekommt, die ist mit der Bayern-Wahl nicht größer, sondern kleiner geworden", sagte Trittin bei n-tv. Dennoch ist auch ihm klar: "Wir müssen in dieser Woche einen drauflegen und wir müssen am kommenden Sonntag besser werden", so der grüne Spitzenkandidat, der gerade auch noch wegen der Pädophilie-Debatte bei den Grünen unter Druck steht. "Es wird sehr, sehr knapp am kommenden Sonntag."

"Die Wahl ist noch überhaupt nicht gelaufen"

Darin sind sich also alle Parteien einig, das Rennen ist noch offen. "Die Wahl ist noch überhaupt nicht gelaufen", bestätigt auch Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer. Bayern sei natürlich etwas, was durchaus noch die Stimmung im Lande beeinflussen könne. "Sie war aber auch keine Testwahl, die sich jetzt in irgendeiner Weise auf die Bundestagswahl übertragen ließe. Deswegen kommt es jetzt ganz, ganz stark auf die nächsten Tage an, wer es am besten fertigbekommt, die eigenen Leute zu mobilisieren."

Quelle: n-tv.de

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