"Für die Wärter sind das nur Tiere": Das System Guantánamo
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Abendstimmung in Guantnamo.Bild 1 von 80 Noch weht die US-Flagge über dem US-Gefangenenlager, doch die Auflösung des Gefängnisses ist nur noch eine Frage der Zeit.Bild 2 von 80 Das Team des künftigen US-Präsidenten Barack Obama bereitet die Schließung des Lagers vor.Bild 3 von 80 Mit einer Auflösung käme die Regierung Obama den weltweiten Kritikern entgegen.Bild 4 von 80 Als "Gulag unserer Zeit" bezeichnet Amnesty International das Lager auf kubanischem Boden, das nach US-Definition als exterritoriales Gebiet nicht zum amerikanischen Hoheitsgebiet gehört.Bild 5 von 80 Anwälte und Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem "rechtsfreien Ort".Bild 6 von 80 Generalsekretär Ban Ki Moon forderte immer wieder, das Gefangenenlager zu schließen.Bild 7 von 80 Die US-Regierung unter Präsident Georg W. Bush focht dies nicht an.Bild 8 von 80 "Die Vereinigten Staaten sind der weltweiten Abschaffung der Folter verpflichtet, und wir gehen in diesem Kampf mit gutem Beispiel voran", so US-Präsident Bush im Juni 2003.Bild 9 von 80 Im Gegensatz zu "notorischen Menschenrechtsverletzern", die seit langem versuchten, ihre Verstöße vor den Augen der Welt zu verstecken und internationalen Menschenrechtsbeobachtern den Zugang verweigerten, ...Bild 10 von 80 ... würden die USA der Welt zeigen, wo es langgeht.Bild 11 von 80 Seit dem 11. Januar 2002 zeigen dies die USA in Guantnamo besonders deutlich.Bild 12 von 80 Seit diesem Tag existiert das US-Gefangenenlager für die "feindlichen Kombattanten".Bild 13 von 80 Noch immer sitzen rund 250 Gefangene in dem Lager ein. Nur rund 20 von ihnen wurden überhaupt je angeklagt.Bild 14 von 80 Ihr Alltag entzieht sich einem normalen Vorstellungsvermögen.Bild 15 von 80 Tagelange Verhöre, Schlafentzug, Beschallung durch laute Musik, Nahrungsentzug - ...Bild 16 von 80 .... dies sind nur einige der Methoden, mit denen die Gefangenen gefügig gemacht werden sollen.Bild 17 von 80 "Ab und zu bekamen alle Gefangenen irgendwelche Spritzen", berichtet der ehemalige Gefangene Ruahl Ahmed der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).Bild 18 von 80 "Wenn man sich dagegen wehrte, stürmten fünf Typen mit Helmen, kugelsicheren Westen, Schilden und schwarzen Knie- und Ellenbogenschonern in deine Zelle, sprühten dir Pfefferspray ins Gesicht und schlugen dich zusammen ...Bild 19 von 80 Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft sie in meine Zelle kamen."Bild 20 von 80 Nachdem er sich einmal über das Essen beschwert habe, sei er in Isolationshaft gesteckt worden, ...Bild 21 von 80 ... in einen Raum, dessen Decke, Seiten und Boden komplett aus Metall waren.Bild 22 von 80 "Wenn man bei den Verhören kooperierte, kam man wieder zu den anderen Gefangenen. Man musste nur irgendetwas sagen, was sie hören wollten", so Ahmed weiter.Bild 23 von 80 Im Dezember 2002 genehmigte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die uneingeschränkte Anwendung von Befragungstechniken.Bild 24 von 80 Diese umfassen das Überstülpen von Kapuzen, Entkleiden, Minimierung bzw. Entzug von Sinnesreizen, Verharren in schmerzhaften Körperhaltungen und den Einsatz von Hunden zur Erzeugung von Angst.Bild 25 von 80 Wenig später hob er die Pauschalgenehmigung wieder auf. Genehmigungen für den Einsatz derartiger Techniken müssen nun im Einzelfall untersucht werden.Bild 26 von 80 Im März 2003 genehmigt Rumsfeld Befragungstechniken wie Isolierung, Verschärfung der Haftbedigungen durch extreme Hitze oder Kälte und Schlafentzug.Bild 27 von 80 Weitere Techniken können von Fall zu Fall beantragt werden.Bild 28 von 80 Amnesty International verweist auf den Fall von Mohamed al-Qahtani. Dieser wurde Ende 2002 drei Monate lang in extremer Isolation gefangen gehalten.Bild 29 von 80 Mehrfach wurde er dazu gezwungen, Frauenunterwäsche zu tragen, und an einer Hundeleine durch den Raum geführt, wobei er eine Reihe von Hundekunststücken vollführen musste.Bild 30 von 80 Außerdem musste er mit einem männlichen Ermittler tanzen, während er auf dem Kopf ein Handtuch "wie eine Burka" tragen musste.Bild 31 von 80 Entkleiden und Leibesvisitationen in Anwesenheit weiblicher Ermittlerinnen gehören in Guantnamo offenbar ebenso zu den angewandten Methoden wie sexuelle Erniedrigung und Beleidigungen sexueller Natur gegen weibliche Familienmitglieder.Bild 32 von 80 Mohamed al-Qahatani wurden Kapuzen über den Kopf gezogen, er wurde lauten Geräuschen und extremer Hitze und Kälte ausgesetzt.Bild 33 von 80 Er musste über lange Zeiträume stehen und war gezwungen, in die Wäsche zu urinieren, weil die Ermittler ihn nicht zur Toilette gehen ließen.Bild 34 von 80 An 48 von 54 aufeinanderfolgenden Tagen wurde er verhört, 18 bis 20 Stunden am Tag. Während einer Scheinverschleppung wurden ihm Beruhigungsmittel gespritzt.Bild 35 von 80 Eine Militäruntersuchung ergab später, dass die Behandlung von Mahamed al-Qahtani zwar insgesamt "erniedrigend und missbräuchlich" war, ...Bild 36 von 80 ... aber "nicht das Niveau der verbotenen unmenschlichen Behandlung" erreicht habe.Bild 37 von 80 Auch der Bremer Türke Murat Kurnaz, der als "falscher Mann am falschen Ort" jahrelang unschuldig in Guantnamo einsaß, berichtete nach seiner Rückkehr nach Deutschland von schweren Misshandlungen.Bild 38 von 80 "Sie haben uns gefoltert mit der Kälte in den Isolationszellen oder mit der Luftlosigkeit, so dass ich öfter in Ohnmacht gefallen bin." Schlaf- und Essensentzug seien an der Tagesordnung gewesen.Bild 39 von 80 "Nach dem Gesetz im Lager durfte man sich nicht unterhalten mit den Nachbarn", so Kurnaz. Tat man es doch und es kam raus, sei man von speziellen Einsatzgruppen bestraft worden.Bild 40 von 80 Gruppen von etwa sieben Mann seien mit Plexiglasschilden und in kugelsicheren Westen in die Käfige gestürmt und hätten dort K.o.-Gas versprüht.Bild 41 von 80 "Sie schlagen zu, sie fesseln dich, dann lassen sie dich da circa zwölf Stunden liegen."Bild 42 von 80 Ein ehemaliger muslimischer Militärgeistlicher in Guantanamo, James Yee, berichtet: "Ich habe selber mit angesehen, wie der Koran entweiht wurde.Bild 43 von 80 Sie hielten ihn hoch und schüttelten die Seiten durch, weil sie dachten, sie fänden darin versteckte Messer. Danach warfen sie ihn in eine dreckige Zellenecke. Manchmal rissen sie auch Seiten heraus. ...Bild 44 von 80 Die Wächter versuchen ständig, die Gefangenen zu provozieren, ...Bild 45 von 80 ... sie sprechen sie an, während sie beten, denn ein Muslim darf nicht reden, während er betet ...Bild 46 von 80 ... Wenn die Häftlinge dann nicht antworten, werden sie zusammengeschlagen", so der Militärgeistliche.Bild 47 von 80 Viele der Soldaten in Guantnamo sind dabei offenbar schlecht ausgebildete Reservisten, denen vorher erzählt wurde, dass sie es mit den gefährlichsten Menschen der Welt zu tun hätten.Bild 48 von 80 "Menschen", so beschreibt es der englische Journalist David Rose, "denen man nicht einmal Zahnbürsten geben dürfte, weil sie damit die Augen der Wärter ausstechen würden. Und dann müssen sie feststellen, dass in den Zellen völlig verzweifelte Männer hocken."Bild 49 von 80 Die meisten US-Soldaten scheinen überzeugt von ihrer Arbeit. John Lonergan, Oberstleutnant der US-Armee, sagte der "SZ": "Einige der Gefangenen sind hochgefährliche Terroristen. Es ist ihr Job, Widerstand zu leisten und Zwischenfälle zu provozieren."Bild 50 von 80 Ansonsten zeigt sich Lonergan zufrieden: "Die Freizeitmöglichkeiten in Guantnamo sind exzellent. Nach Dienstschluss habe ich mir immer sofort Short und T-Shirts angezogen.Bild 51 von 80 Dann kann man fischen gehen, tauchen oder zum Bowlen, an den Strand, ins Fitnessstudio oder ins Lyceum, das kostenlose Freiluftkino."Bild 52 von 80 Für die Gefangenen sieht Guantnamo anders aus. Kaum ein Häftling übersteht die Zeit dort ohne größeren Schaden.Bild 53 von 80 Nach Angaben des Psychiaters Daryl Matthews, der die psychiatrische Abteilung bewerten sollte, sind die meisten Gefangenen depressiv, leiden unter Persönlichkeitsstörungen und Angstanfällen.Bild 54 von 80 Der ehemalige Gefangene Nizar Sassi berichtete, wie er in Camp Delta selber fast wahnsinnig geworden wäre.Bild 55 von 80 "Mein Nachbar ist total durchgedreht, er hat sich nackt ausgezogen und mit seinen eigenen Exkrementen eingeschmiert. ...Bild 56 von 80 ... Camp Delta ist ein Ort, um Leute in den Wahnsinn zu treiben."Bild 57 von 80 Amnesty International berichtet von dutzenden Suizidversuchen -Bild 58 von 80 ... die die US-Behörden mit allen Mitteln zu verhindern suchen.Bild 59 von 80 Am 10. Juni 2006 musste die Lagerleitung bekannt geben:Bild 60 von 80 Drei Gefangene haben sich erhängt.Bild 61 von 80 Der Lagerkommandant, Konteradmiral Harry Harris, kommentierte dies mit den Worten: "Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem. ...Bild 62 von 80 ... Ich glaube, es war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt der asymmetrischen Kriegsführung gegen uns."Bild 63 von 80 Den Vorwurf mangelnder Aufmerksamkeit weist die Lagerleitung zurück. Die Selbstmörder hätten ihre Aktion listig verborgen.Bild 64 von 80 Eine leitende Mitarbeiterin des US-Außenministeriums tat die Todesfälle als "guten PR-Schachzug" ab.Bild 65 von 80 Der "PR-Schachzug" fand Nachahmer. Zwei weitere Häftlinge nahmen sich 2006 und 2007 ebenfalls in dem Lager das Leben.Bild 66 von 80 Eine Studie unter 500 Gefangenen ergab: Nur 5 Prozent wurden von US-amerikanischen Streit- und Sicherheitskräften gefangengenommen.Bild 67 von 80 Der Großteil der Gefangenen, 86 Prozent, wurde von Angehörigen der pakistanischen Sicherheitskräfte bzw. Angehörigen der Nord-Allianz in Afghanistan festgenommen und in US-Haft überstellt, oftmals gegen eine Belohnung von mehreren tausend US-Dollar.Bild 68 von 80 Mehr als ein Dutzend Inhaftierte waren bei ihrer Verhaftung noch keine 18 Jahre alt.Bild 69 von 80 Von den einst 775 Gefangenen, die seit dem 11. Januar 2002 in Gewahrsam gehalten wurden, ...Bild 70 von 80 ... sind inzwischen alle europäischen Gefangenen wieder auf freiem Fuß. Kurnaz war der letzte gefangene Europäer.Bild 71 von 80 Die übrigen Inhaftierten sprechen nach Angaben der Anwältin Gitanjali Guitierrez fast nur noch Arabisch, Urdu, Paschtu oder Farsi.Bild 72 von 80 "Die Wärter können jetzt gar nicht mehr mit den Gefangenen kommunizieren. ...Bild 73 von 80 ... Für die meisten sind das nur noch Tiere. Die Zustände im Lager werden schlimmer statt besser", sagte Guitierrez.Bild 74 von 80 Die Hoffnung für die Gefangenen ist nun Barack Obama.Bild 75 von 80 Der Demokrat hatte schon mehrfach die Schließung der Einrichtung in Aussicht gestellt.Bild 76 von 80 Etwa 80 der Gefangenen sollen dann vor ein Militärtribunal gestellt werden. Ungewiss ist das Schicksal der anderen.Bild 77 von 80 Amnesty International rief Deutschland und die anderen europäischen Staaten auf, im Falle einer Schließung Häftlinge von dort aufzunehmen.Bild 78 von 80 Dabei geht es nach Amnesty-Angaben um 50 Menschen, die bei einer Freilassung nicht in ihre Heimat zurückkehren können, weil ihnen dort Folter und andere Menschenrechtsverletzungen drohen.Bild 79 von 80 Auch nach einer Freilassung aus Guantnamo ist der Alptraum nicht beendet.Bild 80 von 80
"Für die Wärter sind das nur Tiere"Das System Guantánamo