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Riexinger mit Syriza-Chef Alexis Tsipras.
Riexinger mit Syriza-Chef Alexis Tsipras.(Foto: AP)

Athen, die verlorene Rede und Hakenkreuz-Fahnen: Das hätte Riexinger gesagt

Von Christian Rothenberg

Während sich die Kanzlerin mit der griechischen Regierung trifft, läuft ein anderer deutscher Politiker mit den wütenden Demonstranten mit: Linken-Chef Riexinger. Anders als geplant tritt er jedoch nicht ans Rednerpult. Was Riexinger sagen wollte, ist jetzt bekannt. Am Ende hat sein Auftritt einen faden Beigeschmack.

Sie tragen Hakenkreuz-Fahnen und halten Bilder hoch, die Angela Merkel in Wehrmachts-Uniform zeigen. In Athen gehen am Dienstag Tausende auf die Straße und protestieren gegen den Besuch der deutschen Bundeskanzlerin. Unter ihnen ist auch Bernd Riexinger. Der Linken-Chef hat sich gemeinsam mit Politikern der griechischen Linken unter die Demonstranten gemischt. Riexinger, der später sagen wird, er habe für den deutschen Steuerzahler demonstriert, hat einen Zettel in der Tasche. Doch die Rede, die er vorbereitet hat, wird er nie halten. Sie wird abgesagt. Es gibt noch nicht mal eine Rednerbühne in Athen.

Bilderserie

Die Griechenland-Reise des Linken-Chefs hatte in einem Kinderkrankenhaus begonnen. Seine Eindrücke von diesem Besuch wollte er auch später den wütenden Demonstranten schildern. Riexinger, dessen Rede inzwischen veröffentlich wurde, ist beeindruckt vom Arbeitsethos der Pfleger und Ärzte. Hochmotiviert sorgten sie für das Wohl ihrer Patienten. Und das, obwohl ihr Lohn um 40 Prozent gekürzt worden sei. Obwohl sie plötzlich viel mehr arbeiten müssen, weil 800 Kollegen entlassen wurden.

Riexinger wollte auch von dem Kinderpsychologen erzählen, der ihm von den gehäuften Selbstmordversuchen berichtete. Von einem kaputtgekürzten Gesundheitswesen, in dem die Menschen krank werden müssten. Von einem System, das keine organisatorische Nachhilfe aus Deutschland brauche, sondern eine Lösung für seine Unterfinanzierung. "Ich habe heute das Programm absolviert, das Merkel hätte absolvieren sollen", hätte Riexinger in seiner Rede zu den wütenden Demonstranten gesagt. "Ich nehme ihr nicht ab, dass ihr Herz blutet, wenn sie die Leiden der Menschen in Griechenland sieht. Ich frage mich jeden Tag mehr, wo sie ihr Herz eigentlich gelassen hat."

"Ich bin dort, wo Frau Merkel sein sollte"

Riexingers nicht gehaltene Rede ist eine Anklageschrift an die Kanzlerin. Merkel hätte sich aus seiner Sicht den verzweifelten Menschen stellen müssen. All den Rentnern, den Jugendlichen, den Menschen ohne Perspektive. Aber von all dieser Wut und Verzweiflung habe sie gar nichts sehen wollen. Stattdessen habe die deutsche Kanzlerin es vorgezogen, sich hinter vielen Reihen von Polizisten und Barrieren mit einer Handvoll Beamten, Ministern und Managern zu treffen. "Ich bin dort, wo Frau Merkel sein sollte, auf dem Athener Syntagma Platz. Ich bin hier, um ein Zeichen der Verständigung zu setzen", wollte Riexinger sagen und die Soldiarität beschwören. Gegen Merkel und ihre Freunde, die Banker, Spekulanten, Großaktionäre, Millionäre und Milliardäre.

Mehr Protest wagen, dazu hätte Riexinger die wütenden Menschen in Athen wohl gerne aufgefordert. Merkel, Papandreou und Samaras hätten den Karren in den Dreck gefahren. "Unser Geld im europäischen Bankensumpf versenkt", so nennt es der Linken-Chef. "Der Weg aus dem Schlamassel, wir werden ihn gehen, zusammen!" Damit wollte Riexinger seine Rede eigentlich beschließen. Aber daraus wird nichts, denn der Zettel bleibt ja in der Tasche.

Riexingers Bühne

Aber auch ohne Rede erregt Riexingers Athen-Besuch viel Aufmerksamkeit. Vor allem Unionspolitiker kritisieren, dass er sich unter die Demonstranten gemischt hat. Er verschärfe die Lage vor Ort. Nutze die anti-deutschen Proteste als Bühne, um Politik gegen die Interessen des eigenen Landes zu machen. So lauten die Vorwürfe. Die Kanzlerin hat hingegen offensichtlich nichts gegen Riexingers Demo-Teilnahme einzuwenden. Das Demonstrationsrecht ist uns sehr wichtig", sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Wie und wo Riexinger dieses Recht wahrnehme, sei seine Sache.

Gregor Gysi verteidigt - wenig überraschend - seinen Parteigenossen. Aber so richtig glücklich ist der Linksfraktionschef auch nicht, zumindest mit dem Umfeld von Riexingers Auftritt. Er verurteilte das Zeigen von Nazi-Symbolen durch andere Demo-Teilnehmer. "Sie passen weder zu Frau Merkel noch zu dieser Bundesregierung."

Quelle: n-tv.de

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