UN-Klimachef geht in die WirtschaftDe Boer wirft hin
UN-Klimachef Yvo de Boer kündigt überraschend seinen Rücktritt an. Er wolle eine "neue Herausforderung" in der Wirtschaft annehmen. Der Niederländer steht dem UN-Klimasekretariat seit September 2006 vor. Sein Abgang wird nicht nur von Bravo-Rufen begleitet.
Rund zwei Monate nach dem Weltklimagipfel in Kopenhagen hat UN-Klimachef Yvo de Boer seinen Rücktritt angekündigt. De Boer werde sein Amt zum 1. Juli niederlegen und danach für die Unternehmensberatung KPMG arbeiten, teilte das UN-Klimasekretariat in Bonn mit. Die Hilfsorganisation Oxfam lobte die Leistung des Niederländers beim Klimaschutz, während die Grünen eine schnelle Entscheidung über die Nachfolge forderten.
"Es war eine schwierige Entscheidung", erklärte De Boer. "Aber ich denke, die Zeit ist reif für eine neue Herausforderung". Er bedauerte erneut, dass auf der Klimakonferenz in Kopenhagen kein rechtsverbindliches Abkommen zur Verringerung der Treibhausgase erreicht worden sei. Dennoch gebe es inzwischen ein "überwältigendes" politisches Bekenntnis zum Klimaschutz, erklärte der Niederländer. Dies verlange neue Partnerschaften mit der Wirtschaft. Als Berater werde er sich bei KPMG weiter für Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark machen.
Beim Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember war keine Einigung auf konkreten Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes zustande gekommen. Die Absichtserklärung, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, wird von den meisten Experten als unzureichend kritisiert. Eigentlich hätte ein neues Klimaabkommen das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen sollen.
Nicht nur Bravo-Rufe für De Boer
Das 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll kam unter Vermittlung des UN-Klimasekretariats zustande und ist das bisher einzige Klimaabkommen von internationaler Tragweite. Der 1954 in Wien geborene de Boer stand seit September 2006 an der Spitze des UN-Klimasekretariats, das seinen Sitz in Bonn hat.
Die Amtszeit De Boers als UN-Klimachef werde als besondere Phase in Erinnerung bleiben, erklärte die britische Hilfsorganisation Oxfam. Das Problem des Klimawandels sei heute nicht mehr nur eines von vielen Umweltthemen, sondern habe bei politischen Führern weltweit inzwischen höchste Priorität.
Der klimapolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Hermann Ott, kritisierte eine mangelnde Vorbereitung und Organisation der Kopenhagener Klimakonferenz unter der Leitung De Boers. Nun müsse schnell ein Nachfolger gefunden werde, damit der internationale Prozess zur Bekämpfung des Klimawandels weiterlaufe. Die nächste Klimakonferenz ist Ende des Jahres in Mexiko.