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Ein Touristenführer im Swattal, einer malerischen Region im Norden Pakistans.
Ein Touristenführer im Swattal, einer malerischen Region im Norden Pakistans.(Foto: REUTERS)

Rückzugsgebiet der Taliban: De Maizière besucht das Swattal

Nach seinem Besuch in Afghanistan und der pakistanischen Hauptstadt reist der Verteidigungsminister weiter nach Norden – in ein Gebiet, das teilweise von Taliban kontrolliert wird. Bis vor wenigen Jahren herrschte dort die Scharia, Steinigungen waren üblich.

Thomas de Maizière mit der pakistanischen Außenministerin Hina Rabbani Khar.
Thomas de Maizière mit der pakistanischen Außenministerin Hina Rabbani Khar.(Foto: dapd)

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière ist von Islamabad aus zum nordpakistanischen Swattal geflogen. Der zuvor geheim gehaltene Besuch führt in ein Gebiet, das zeitweise von Taliban und anderen islamistischen Gruppen kontrolliert wurde, bis diese im Jahr 2009 vom pakistanischen Militär verdrängt wurden. Am Morgen traf de Maizière zudem in Islamabad Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar.

Die Einladung zu dem Besuch des Swattals mit einem pakistanischen Militärhubschrauber wertete de Maizière vor seinem Abflug als "eine große Geste des pakistanischen Militärs". Der Minister will unter anderem ein Reintegrationsprojekt besuchen, bei dem frühere islamistische Kämpfer einen Handwerksberuf erlernen.

Die Taliban und ihre Verbündeten hatten im Swattal ähnlich wie früher in Afghanistan ein strenges islamistisches Regime errichtet. Menschen, die sich nicht an die Vorschriften hielten, wurden gesteinigt. Erst, als sie mit einem Marsch auf die hundert Kilometer entfernte Hauptstadt Islamabad drohten, griff das pakistanische Militär mit einer groß angelegten Operation ein und drängte die Islamisten in heftigen Gefechten zurück. Seitdem besuchte kein deutscher Minister mehr die Region.

Schlüsselrolle für Afghanistan

Doch auch heute noch bieten die zerklüfteten Gebirgslandschaften im Norden Pakistans einen Rückzugsraum für Taliban, die von dort aus auch ihre Gesinnungsgenossen in Afghanistan mit Nachschub und Ausrüstung versorgen. Das Swattal ist nur rund 80 Kilometer von der Grenze entfernt. Auch wegen der Lage in seinen unruhigen Nordgebieten spielt Pakistan eine Schlüsselrolle für eine friedliche Lösung in Afghanistan.

Im vergangenen Jahr sorgte das Swattal wegen des Schicksals der damals 15-jährigen Schülerin Malala Yousafzai für Schlagzeilen. Das Mädchen hatte sich in einem Blog für Mädchenrechte in ihrer Heimat eingesetzt und Gräueltaten der Taliban angeprangert. Sie wurde in ihrem Schulbus von Taliban überfallen und lebensgefährlich verletzt. Später flog man sie zur Behandlung nach Großbritannien aus.

De Maizière war am Mittwoch in Pakistan eingetroffen. Er kam aus Afghanistan, wo er deutsche Soldaten in Masar-i-Scharif und in dem Stützpunkt OP North besucht hatte. Außerdem hatte der Minister politische Gespräche in der Hauptstadt Kabul geführt.

Quelle: n-tv.de

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