Minister in Masar-i-ScharifDe Maizière setzt "Zeichen des guten Willens"

Verteidigungsminister de Maizière stattet den Truppen in Masar-i-Scharif einen Überraschungsbesuch ab. Die Visite kommt zu einem symbolisch wichtigen Zeitpunkt: Gerade haben die Afghanen die Sicherheitsverantwortung im Land selbst übernommen.
Gestern noch schwitzte Verteidigungsminister Thomas de Maizière auf dem Pariser Platz bei der Rede von US-Präsident Barack Obama, heute begibt er sich erneut in ein Gebiet, in dem hohe Temperaturen herrschen: Am frühen Morgen ist der CDU-Mann zu einem nicht angekündigten Truppenbesuch im afghanischen Masar-i-Scharif aufgebrochen. Auf dem Programm steht auch ein Treffen mit dem italienischen und dem afghanischen Amtskollegen Mario Mauro und Bismillah Mohammadi.
In Masar-i-Scharif sind die meisten der rund 4100 derzeit in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten stationiert. Dort befindet sich der Sitz des Regionalkommandos Nord der internationalen ISAF-Truppe, das seit Februar unter dem Befehl des deutschen Generalmajors Jörg Vollmer steht.
Der Besuch de Maizières folgt kurz auf die landesweite Übernahme der Sicherheitsverantwortung in Afghanistan durch heimische Polizei- und Armeekräfte. Bis Ende 2014 sollen die ISAF-Kampftruppen das Land verlassen. Auch danach sind aber noch internationale Ausbildungs- und Unterstützungsmissionen vorgesehen, an denen sich auch Deutschland beteiligen will.
Sein Besuch sei "ein Zeichen guten Willens, im Rahmen des Speichenmodells auch künftig Führungsverantwortung zu übernehmen", sagte de Maizière. Dieses Modell sieht vor, dass internationale Truppen nach 2014 noch in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie in einzelnen regionalen Zentren in unterschiedlichen Himmelsrichtungen stationiert werden sollen, darunter auch Masar-i-Scharif.
De Maizière nannte für ein solches künftiges deutsches Engagement allerdings erneut auch Bedingungen. So müsse es ein geschlossenes Nato-Konzept geben. Bislang wollen sich vor allem die USA noch nicht auf ihre künftige Truppenstärke festlegen. Zweite Bedingung sei eine verlässliche Vereinbarung mit der afghanischen Regierung über ein Truppenstatut. Die Gespräche darüber hat Karsai allerdings vorerst ausgesetzt, weil er sich bei Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban von den USA übergangen fühlte.