Politik
(Foto: REUTERS)

Alkohol und Politik: Dein Drink verrät dich

Von Issio Ehrich

Wer mildes Bier trinkt, wählt konservativ. Wer auf Wodka setzt, kann sich nicht entscheiden. Eine Kommunikationsagentur hat den Zusammenhang zwischen Lieblingsdrink und politischer Präferenz untersucht.

Der FDP-Politiker Rainer Brüderle lallte wiederholt bei öffentlichen Auftritten. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder konnte bis heute die Gerüchte nicht entkräften, 2005 mit ein paar Promille zu viel im Blut vor Millionen Fernsehzuschauern aufgetreten zu sein. Kein Verbandstreffen, kein parlamentarischer Abend, kein Richtfest kommt ohne Drinks aus. Alkohol und Politik gehören einfach zusammen.

Die Kommunikationsagentur NRPP erklärt den Zusammenhang von Alkoholkonsum und politischen Präferenzen in einer Grafik. Sie heißt: "Die Politik des Bieres".
Die Kommunikationsagentur NRPP erklärt den Zusammenhang von Alkoholkonsum und politischen Präferenzen in einer Grafik. Sie heißt: "Die Politik des Bieres".(Foto: National Media Research Planning and Placement)

Und offensichtlich gehören auch bestimmte Alkoholika und ein bestimmtes politisches Bewusstsein zusammen. Das zeigt eine Forschungs- und Kommunikationsagentur aus den USA. National Media Research, Planning and Placement (NMRPP) hat das Trinkverhalten und die Wahlentscheidung von mehr als 200.000 US-Amerikanern verglichen. Es gilt das Motto: Zeig mir, was du trinkst - und ich sage dir, wen du wählst.

Wer zu milden Bieren wie Miller Lite oder Coors Light greift, wählt mit großer Wahrscheinlichkeit die Republikaner. Wer dagegen auf herbere Biere wie Budweiser oder gar den Gerstensaft einer lokalen Brauerei, auf sogenannte Microbrews, setzt, entscheidet sich vornehmlich für die Demokraten. Während Whiskey eher ein Drink für die Konservativen ist, sind es Cognac und Brandy eindeutig für die Linksliberalen. Wein wiederum trinken die Anhänger beider Parteien. Die Rebsorte macht allerdings einen entscheidenden Unterschied: Sauvignon Blanc ist eindeutig die Traube der Demokraten, Merlot dagegen die der Republikaner. Weitaus weniger differenziert sind Wodka- und Rumtrinker. Sie sind politisch eher unentschlossen.

Die Ergebnisse der Studie liefern reichlich Stoff, um manch ein Stereotyp zu bedienen. In den USA ist Miller Lite ein Klassiker für den Football-Abend auf der Couch. Die Microbrews finden sich dagegen wie selbstverständlich im Urban Dictionary, einer Art Hipster-Lexikon im World Wide Web.

Weintrinker sind politisch besonders aktiv

NMRPP untersuchte auch den Zusammenhang zwischen alkoholischem Getränk und politischer Aktivität der US-Bürger. Wer Wein trinkt, geht deutlich häufiger wählen als jemand, dem ein Bier lieber ist. Biertrinkern, denen es egal ist, welche Marke sie trinken, ist auch egal, was in der Politik passiert.

Selbstredend lassen sich die Ergebnisse der Studie nicht einfach auf Deutschland übertragen. Erstens weil das politische System nicht so dualistisch ist wie in den USA. Im deutschen Bundestag sitzen schließlich vier Parteien, deren Profile sich nur bedingt mit denen von Demokraten und Republikanern vergleichen lassen. CDU/CSU müsste man wohl dem republikanischen Block, SPD, Grüne und Linke dem demokratischen zuordnen. Zum anderen ist vor allem die Bierkultur in Deutschland anders. Die unter Republikanern beliebten Light-Biere, die auch weniger Alkohol enthalten, spielen in der Bundesrepublik praktisch keine Rolle. Am ehesten lässt sich hier ein Vergleich zwischen den milderen bayerischen Weizenbieren sowie dem ebenfalls milden Kölsch und den kräftigen nordischen Produkten wie Jever und Astra herstellen.

Vielleicht ist es aber auch ein Segen, dass es eine vergleichbare Studie für Deutschland noch nicht gibt. Das Wissen um die Korrelation zwischen favorisierten Drinks und politischer Haltung dürfte die Entscheidung, welches Getränk man zur nächsten Party oder bei der nächsten Einladung zum Essen mitbringt, doch erheblich erschweren.

Quelle: n-tv.de

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