Politik
Da war er schon 21 Jahre alt: Christian Lindner zog im Mai 2000 als jüngster Abgeordneter in den Landtag von NRW ein.
Da war er schon 21 Jahre alt: Christian Lindner zog im Mai 2000 als jüngster Abgeordneter in den Landtag von NRW ein.(Foto: picture-alliance / dpa)
Donnerstag, 14. September 2017

So tickte Lindner mit 18 : Der Junge mit dem Aktenkoffer

Von Gudula Hörr

Das Streben nach Erfolg begann früh. Ein nun aufgetauchtes Video zeigt den Schüler Christian Lindner als Unternehmer im schwarzen Mercedes. Auch wenn die Haare noch voll sind, redet er wie heute als FDP-Chef: von Erfolg, Leistungsbereitschaft und "dornigen Chancen".

Lässig sitzt er am Steuer des schwarzen Mercedes, ein Handy am Ohr. Die blonden Haare sind hochgegelt, um den Hals baumelt eine schwarz-weiß gefleckte Kuhkrawatte: Es ist der 18-jährige Christian Lindner, Schüler des Wermelskirchener Gymnasiums und Jungunternehmer. Er redet von Konzepten, Kompetenz und Kunden – fast so wie heute, als Spitzenkandidat der FDP bei der Bundestagswahl.

Die Anlagen zum Posterboy, als den ihn heute so mancher verspottet, hatte er offenbar schon früh. Dies lässt zumindest ein alter Film erahnen, den Stern-TV aus den Archiven hervorgekramt und nun wieder veröffentlicht hat. Der dreiminütige Beitrag zeigt den Teenager mit schwarzem Aktenkoffer, wie er selbstbewusst sein Unternehmenskonzept darstellt. Er und sein Mitunternehmer Christoph sähen aus wie die Titelblattmodels vom Manager-Magazin, heißt es schon damals in der Anmoderation.

Und nicht nur das, zumindest Lindner redet auch so: "Wenn man im Gespräch überzeugt durch Leistung, gerade auch durch Kompetenz, die nicht akademisch domestiziert ist, dann sagt der Kunde: 'Wir haben den richtigen Fang gemacht.'" Viele hätten nicht das Selbstbewusstsein, einem Geschäftsführer, der Mitte 50 sei, zu sagen: "Das, was sie gemacht haben bisher, das sind überkommene Strukturen, die haben in der Vergangenheit Erfolg gesichert, können ihn in der Zukunft aber nicht mehr garantieren. Sie müssen umdenken."

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Schüler offensichtlich nicht. Während die meisten seiner Mitschüler wohl anderen Freizeitbeschäftigungen nachgehen, arbeitet er im Dachgeschoss seiner Großeltern. Das hat er zum Büro umfunktioniert, wo er telefoniert, am Computer sitzt und sich mit Büchern zur Existenzgründung befasst. Hier entwirft er offenbar Reden und Marketingkonzepte für kleinere Unternehmen.

Die Schule nur abgesessen

Die Schule selbst ist da nur ein störendes Moment, auch wenn die Mitschüler sich bereitwillig im Film als Kulisse darbieten. "Wenn man in der Schule sitzt und man sitzt seine Zeit ab, weiß, dass man telefonieren, den Kunden besuchen oder Arbeit erledigen müsste, dann kommt man sich so vor, als sei die Zeit durch den Schredder gelaufen."

So vielversprechend es damals aussah: Bekanntlich lief es mit Lindners Unternehmerkarriere in den folgenden Jahren dann nicht mehr ganz so rund. Mit 19 Jahren konnte er sich zwar schon einen eigenen Porsche kaufen, doch sein zweites Unternehmen scheiterte. Die Firma musste Insolvenz anmelden – was Lindner inzwischen in eine Erfolgsgeschichte umdeutet. In den sieben Monaten im gescheiterten Unternehmen habe er mehr gelernt als in seinen sieben Jahren als erfolgreicher Unternehmer, erzählt er heute gerne.

Doch dafür hat es mit einer anderen Karriere geklappt: Mit 21 Jahren zog er für die Liberalen in den Landtag von Nordrhein-Westfalen, inzwischen ist er FDP-Chef und wohl einer der Gründe, warum die bisher vor Kurzem noch totgeglaubte Partei wiederauferstanden ist. Schon in dem Video hält er mit seiner politischen Meinung nicht hinter dem Berg. Seit er 14 Jahre alt sei, sei die FDP seine politische Heimat, erzählt er. Und er sagt Sätze, die er auch jetzt noch bei jedem Wahlkampfauftritt von sich geben könnte: "Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt. Unsere Maxime: Ran an die Arbeit, Arbeit bewältigen, Probleme sind nur dornige Chancen."

Kein Wunder, dass Lindner nun das Video zupass kommt. "Danke, 'sterntv'", twittert er nach dessen Veröffentlichung. "Das war 1997 Gründerkultur 1.0." Wobei er allerdings nicht erklärt, wie der junge Lindner zu dem Wahlkampfslogan des FDP-Chefs passt: "Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer."

Quelle: n-tv.de

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