Politik
Keine deutsche Übersetzungen: Die Beschriftungen der Ausstellungsstücke sind ausschließlich auf Englisch, Hebräisch und Arabisch gehalten.
Keine deutsche Übersetzungen: Die Beschriftungen der Ausstellungsstücke sind ausschließlich auf Englisch, Hebräisch und Arabisch gehalten.

"Ereignis mit Nachwirkungen": Der Kaiser kommt

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Eine neue Ausstellung über den Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Heiligen Land eröffnet in Israel, am geschichtsträchtigen Jaffator, seine Pforten. Die Aussteller setzen in der Jerusalemer Zitadelle, neben Führungen zu historischen Stätten und einem riesigen preußischen Wappen, vor allem auf die modernen Medien.

Eines der wenigen "wirklichen" Ausstellungsstücke: ein preußisches Wappen aus der Kaiserzeit.
Eines der wenigen "wirklichen" Ausstellungsstücke: ein preußisches Wappen aus der Kaiserzeit.

"Der Kaiser kommt" heißt eine neue Ausstellung in der Jerusalemer Zitadelle am Jaffator, wo schon König Herodes, die Moslems, Kreuzfahrer und die Osmanen ihre Soldaten stationiert haben, um die Heilige Stadt zu kontrollieren. In der Nähe hat auch Pontius Pilatus Hof gehalten.

Schilder mit einem Abbild des Kaisers Wilhelm II. hoch zu Roß in Kreuzfahreruniform weisen zu einem Gewölbe aus der Zeit der Kreuzfahrer, dessen Decke mit schwarz-weiß-roten Flaggen geschmückt ist, Deutschlands Farben bis 1945.

Auswirkungen bis heute

Der Besuch des deutschen Kaisers im Heiligen Land 1898 war ein historisches Ereignis mit Nachwirkungen bis heute, sagt die Kuratorin Ruth Peled. "Deshalb haben wir nicht auf ein rundes Datum gewartet, sondern anderthalb Jahre lang die Schau vorbereitet, als wir uns der Bedeutung bewusst geworden waren." Zuvor hatte PR-Verantwortliche des Zitadellen-Museums, Caroline Shapiro, auf den von Herodes errichteten Phasael-Turm geladen, dem höchsten Punkt der Altstadt Jerusalems.

Vor hier aus sind die beiden wichtigsten Wahrzeichen der Stadt zu sehen, die graue Kuppel über dem Grab Jesu und des vergoldeten Felsendoms. Doch dazwischen stehen zahlreiche deutsche Wahrzeichen, die Kaiser Wilhelm II hinterlassen hat: das gewaltige Augusta Victoria Hospiz mitsamt Kirche auf dem Ölberg, der spitze Turm der lutherischen Erlöserkirche neben der Grabeskirche und die massive Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg. Ihr Glockenturm wirkt wie ein Portrait des Kaisers mit Spitzhelm, der bei nächtlicher Beleuchtung grimmig auf Westjerusalem blickt.

Virtuelle Zeitreise

Der schwarz-weiß-rote Deckenschmuck und ein riesiges preußisches Wappen sind die einzigen "wirklichen" Ausstellungsstücke. Denn der Besucher nimmt virtuell am Kaiserbesuch mit historischen Fotos und deutscher Marschmusik teil. Die alten Schwarzweiß-Bilder von der Landung per Schiff in Haifa und vom feierlichen Einzug in Jerusalem mit altmodisch gekleideten Menschen der Epoche werden elektronisch auf Bildschirme an den Wänden geworfen. "Wir hatten das Konzept, den Kaiserbesuch anhand der damaligen Medien zu beschreiben", erklärt Peled. Tatsächlich sind die Bilder alte Pressephotos. Auf eine Litfassäule wurden zudem Kopien alter Zeitungsausschnitte auf Hebräisch, Französisch und Englisch geklebt, wobei die britische und französische Presse den deutschen Kaiser mit gehässigen Karikaturen verhöhnten, während die Juden in den alten hebräischen Zeitungen dem Kaiser zujubelten.

In der Ausstellung werden historische Fotos mit moderner Technik an die Wände projiziert.
In der Ausstellung werden historische Fotos mit moderner Technik an die Wände projiziert.

Die Beschriftungen in der Ausstellung sind ausschließlich auf Englisch, Hebräisch und Arabisch gehalten, wie im Zitadellen-Museum üblich. "Deutsch spricht hier doch kaum jemand", sagte Peled zu der Frage, wieso denn bei einer derart "deutschen" Ausstellung nicht auch deutsche Erklärungen hinzugefügt wurden.

Der Besuch des deutschen Kaisers war nicht nur Symbol eines kaum bekannten deutschen Imperialismus. Für die Staatsvisite mussten Kutschen und Pferde aus Deutschland importiert werden. Die Kaiserliche Delegation kampierte in Jerusalem in 75 Zelten. Zu Ehren des Kaisers wurden mehrere Siegestore errichtet. Der türkische Sultan ließ eine Erdrampe am Jaffator räumen, damit der Kaiser hoch zu Ross einreiten könne. Und damit der aufgewirbelte Staub auf der Jaffa-Street nicht in den Augen der Besucher brenne, wurde aus Jaffo neuer Straßenbelag nach Jerusalem gebracht.

Berühmte Fälschung

Bei dem Besuch kam es auch zu einer historischen Begegnung des Gründers des Zionismus, Theodor Herzl, mit dem Kaiser. Doch der beauftragte Fotograf David Wolfson war so aufgeregt, dass aus der Dokumentation nichts wurde. Kein Problem. Er produzierte eine Fälschung, indem er Bilder des Kaisers und Herzls mit dem Tropenhelm in der Hand per "Photoshop" übereinanderlegte. Diese klassische Fälschung ist seitdem in jedem israelischen Geschichtsbuch wiedergegeben.

Anstelle eines Katalogs erhalten die Besucher eine "Zeitung" mit historischen Bildern und Anekdoten. Die Ausstellung wird zudem begleitet mit geführten Rundgängen zu Stätten, die der Kaiser in Jerusalem besucht hat.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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