Politik
Die Auflösungserklärung der RAF.
Die Auflösungserklärung der RAF.(Foto: dpa)

Fahndungsdruck steigt nach Raub: Der dritten RAF-Generation geht das Geld aus

Von Solveig Bach

Ein gescheiterter Raubversuch bringt die Sicherheitsbehörden auf die Spur von drei früheren RAF-Terroristen. Offenbar wird bei den in der Illegalität Lebenden das Geld knapp. Damit wächst die Chance, sie doch noch zur Verantwortung zu ziehen.

Als letzte Tat der RAF gilt der Anschlag auf die hessische Justizvollzugsanstalt Weiterstadt im März 1993. Fünf Männer und Frauen überfallen das Gebäude fünf Tage vor seiner Einweihung. Die zehn Wachmänner werden mit einem Transporter weggebracht, anschließend sprengen die Terroristen das Gebäude. Insgesamt entstehen 123 Millionen DM Schaden.

Video

Es werden DNA-Spuren sichergestellt. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass sie es mit der dritten Generation der RAF zu tun haben. Als erste Generation gilt die Gruppe um Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Nach deren Inhaftierung setzte die "zweite Generation" die Terrorserie fort. Danach formierte sich eine "dritte Generation", ohne, dass die Ermittler alle Mitglieder der neuen "Kommando-Ebene" genau benennen konnten. Man ging davon aus, dass es sich um 15 bis 20 Personen handeln müsste.

Auf das Konto dieser Gruppe sollen unter anderem mehrere Morde gehen: 1985 wurde der MTU-Vorstandschef Ernst Zimmermann ermordet, 1986 der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts, im gleichen Jahr der Bonner Spitzendiplomat Gerold von Braunmühl, 1989 der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen und schließlich 1991 der Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder. In allen Fällen wissen die Ermittler bis heute nicht, wer die Täter waren.

15 bis 20 Unbekannte?

Nur wenige Gesichter der dritten Generation sind bekannt. Birgit Hogefeld und Eva Haule wurden für ihre Taten zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Haule wurde 2007 auf Bewährung entlassen, Hogefeld 2011. Außerdem zählten zu der Gruppe wohl auch Wolfgang Grams, der 1993 auf dem Bahnhof von Bad Kleinen bei einer Aktion der GSG 9 ums Leben kam und Horst-Ludwig Meyer, der 1999 bei einer Polizeikontrolle in Wien erschossen wurde.

Die dritte Generation gilt als militärisch gut ausgebildet und technisch versiert. Trotzdem verkündet die RAF am 20. April 1998 das Ende ihres Projektes Stadtguerilla. Wer sich noch dazu rechnet, taucht unter. Doch wo blieben die Ex-RAF-Leute in diesen fast 20 Jahren? Haben sie das Land verlassen? Wovon leben sie?

Schon früher hat die RAF ihren Terror mit Raubüberfällen finanziert. Am 30. Juli 1999 überfallen drei Maskierte einen Geldtransporter in Duisburg-Rheinhausen. Sie benutzen zwei Fahrzeuge und Schnellfeuergewehre - und erbeuten etwa eine Million D-Mark. Die Täter hinterlassen DNA-Spuren und werden als Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg identifiziert, jene Täter, deren Material 1993 schon in Weiterstadt gefunden wurde.

Geldnot bei den Endfünfzigern

Die dritte Spur hinterlassen die drei, als sie im Juni 2015 erneut einen Raubüberfall begehen wollen. Wieder haben sie es auf einen Geldtransporter abgesehen, diesmal in Groß Mackenstedt, einem Ortsteil der Gemeinde Stuhr bei Bremen. Drei Maskierte schießen auf einen Geldtransporter, doch die Kugeln bleiben in einem Reifen und im Blech stecken. Verletzt wird niemand, es gelingt ihnen nicht, die Türen des Transporters zu öffnen. Schließlich flüchten sie ohne Beute. Doch sie hinterlassen offenbar Fingerabdrücke. Inzwischen bringt die Staatsanwaltschaft Verden sie noch mit einem weiteren Überfall auf einen Geldtransporter Ende 2015 in Wolfsburg in Verbindung. Gegen die drei Beschuldigten wurden Haftbefehle wegen des Verdachts des versuchten Mordes und des versuchten schweren Raubes erlassen.

Butz Peters, der mehrere Bücher über die RAF verfasst hat, vermutet, dass sich die Ex-Terroristen inzwischen wie normale Kriminelle verhalten. "Der Fall jetzt in Bremen deutet daraufhin, dass es sich um eine Beschaffungsaktion für die Altersversorgung handeln könnte", sagte er n-tv. Politische Motive dürften kaum noch eine Rolle spielen. "Die Mitglieder im Ruhestand müssen ja etwas tun, um weiterzuleben. Die konnten ja in der illegalen Zeit keiner normalen Arbeit nachgehen, nicht in die Rentenkassen einzahlen, keine Versicherung abschließen." Die Staatsanwaltschaft erklärte, es sei davon auszugehen, "dass die Tat allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte". Das Geld aus Duisburg scheint endgültig aufgebraucht. Für die Sicherheitsbehörden ergibt sich daraus die Chance, der letzten RAF-Terroristen doch noch habhaft zu werden.

Bisher halten sich Staatsanwaltschaft, LKA und Polizei noch bedeckt. Nur aus Sicherheitskreisen wurden die Namen Klette, Staub und Garweg bestätigt. Die drei Endfünfziger stehen noch immer mit Jugendbildern auf den Fahndungslisten des Bundeskriminalamtes. Das BKA warnt, dass die Gesuchten wahrscheinlich bewaffnet sind. RAF-Kenner Peters vermutet, dass die früheren RAF-Terroristen in Zugzwang geraten könnten. "Sie hatten keinen Erfolg, etwas müssen sie sich also einfallen lassen."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen