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Obama dankt seinem Team in Chicago: Der emotionale Leader

Von Sebastian Schöbel

Es war der letzte Wahlkampf seines Lebens. Und der härteste. Barack Obama darf weitere vier Jahre im Weißen Haus regieren, und möglich gemacht hat das vor allem ein unermüdliches Team von Kampagnenhelfern. Bei denen bedankt sich Obama nun – und vergießt zum Abschied Tränen.

Die Einführung hätte sich Jim Messina eigentlich sparen können. Aber sie können halt einfach nicht genug davon bekommen: "Ladies and gentlemen, der wiedergewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama." Die Menge tobt, als ein sichtlich erschöpfter Commander-in-Chief ans Mikrofon tritt. Was folgt, ist keine flammende Ansprache, kein Triumphgeheul, keine Sieger-Rhetorik. Stattdessen wird es sehr persönlich.

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"Ich versuche mir vorzustellen, wie ich war, als ich in eurem Alter war", beginnt Obama die Dankesrede im Hauptquartier seiner Kampagne. Damals war er 25, als er nach Chicago zog. "Ich hatte nur eine vage Vorstellung davon, etwas zu verbessern. Ich wusste aber nicht, wie". Damals habe es keine Präsidentschaftskampagne gegeben, der er sich hätte anschließen können. Es waren die 80er Jahre, Reagan war populär. Also ging der junge Demokrat in die Armenviertel der Stadt und begann, Menschen in ihren Nachbarschaften zu organisieren. Bildungschancen für Kinder, eine bessere Versorgung für Kranke, die bis dahin auf überfüllte Notaufnahmen angewiesen waren. Kurzum: Einen Sinn für das eigene Leben finden. "Ich hatte keine Ahnung von dem, was ich da tat."

Tränen und eine Aufgabe

Der Raum ist totenstill, der Präsident spricht leise, ist kaum zu verstehen. Nur gelegentlich klicken Fotoapparate. Die Arbeit in den Vierteln hätten ihn mehr verändert als er die Zustände dort, sagt Obama. Die Erfahrungen damals habe er bis ins Weiße Haus getragen.

"Ihr seid so viel besser als ich", fügt er hinzu. Intelligenter, besser organisiert, effektiver: Jedem seiner Kampagnenhelfer stehe eine große Karriere bevor. "Was ihr geschafft habt, beweist", sagt Obama, "dass meine Arbeit wichtig ist". Und dann bricht seine Stimme plötzlich ab. "Und das macht mich stolz. Ihr macht mich stolz". Eine Träne läuft ihm das Gesicht hinunter, und zum ersten Mal klatschen seine Zuhörer. Ein bisschen für sich selbst, aber vor allem für ihren emotionalen Anführer. "Was ihr erreicht habt, wird in die Geschichte eingehen", sagt er nach einer kleinen Pause. "Was wir in den nächsten vier Jahren erreichen werden, wird alt aussehen im Vergleich zu dem, was ihr schaffen werdet."

Ein Dank – und eine Ansage an die Post-Obama-Generation hat begonnen. Fast scheint es so, als ob der 44. Präsident in diesem Moment schon an seine Rente denkt. An Auftritte, die er mit dann vollständig ergrautem Haar als "Elder Statesman" halten wird.

"Danke, Leute", sagt er zum Schluss leise. Dreht sich um und geht. Noch einmal wischt er sich eine Träne weg. Obama nimmt kein Bad in der Menge, macht keine Erinnerungsfotos mit begeisterten Fans. Zurück an die Arbeit, soll das wohl heißen.

Quelle: n-tv.de

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