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Geht für seinen Bruder voran: George W. Bush.
Geht für seinen Bruder voran: George W. Bush.(Foto: AP)

George W. Bush ist zurück: Der große Bruder soll Jeb Flügel verleihen

Zu steif, zu langweilig, zu liberal - ein chancenloser Verlierer. Das Urteil über Jeb Bush war längst gefällt. Nun setzt der Ex-Gouverneur von Florida auf seinen großen Bruder, den Ex-Präsidenten George W. Der gibt gleich bei seinem ersten Auftritt Gas.

Es war ein denkbar schlechter Start. John Ellis Bush alias Jeb wirkte oft, als wäre er lieber ganz woanders – nur nicht im US-Präsidentschaftsrennen. Linkisch kam Floridas Ex-Gouverneur rüber, als fühle er sich unwohl in seiner Haut. Selten transportierte seine Stimme Eifer oder Empörung. Das Ausrufezeichen hinter dem Namen Jeb im Wahlkampflogo wirkte beinahe lächerlich, denn von Begeisterung war bei Jeb Bush nun wirklich nichts zu spüren

Kein Wunder also, dass viele Medien und Analysten den 63-Jährigen schon vor Monaten für gescheitert erklärten. Verfrühte Schwanengesänge? Seit seinem schlechten Abschneiden bei der ersten Vorwahl in Iowa Anfang Februar hat sich Jeb Bush bei Wahlkampfauftritten zunehmend gesteigert. Er zeigte mehr Energie, punktete in den TV-Debatten der Republikaner – nicht zuletzt dank aggressiverer Attacken auf Spitzenreiter Donald Trump.

George und Jeb betreten die Bühne
George und Jeb betreten die Bühne(Foto: dpa)

Bei der jüngsten Kandidatenkür in New Hampshire verfehlte Jeb knapp den dritten Platz. Es war eine Art vorläufige Rettungsleine. Aber sie reicht nicht viel weiter als bis zur Vorwahl am nächsten Samstag in South Carolina. Da muss Jeb Bush es unbedingt in die Top drei schaffen. Und so setzt Bush nun auf die Hilfe eines Mannes, dessen Erbe seine Kampagne bisher vielleicht eher erschwert hat: seinen Bruder George W.  – der Ex-Präsident und Initiator des Irak-Krieges

"Eine starke und ruhige Hand"

George W. hat sich in den sieben Jahren seit dem Auszug aus dem Weißen Haus aus der aktuellen Politik herausgehalten. In Jebs Wahlkampf trat er bis zum Montagabend nur in einem TV-Spot auf. Nun standen in South Carolina die Geschwister umjubelt Seite an Seite, äußerte sich George W. stolz über seinen "großen kleinen Bruder", der mit seiner Erfahrung und seinem Charakter klar das beste Zeug zum Präsidenten habe.

"Er wird eine starke und ruhige Hand haben, wenn er mit dem Unerwarteten konfrontiert wird", sagte George W. Niemand brauche jemanden im Weißen Haus, der lediglich die Wut und die Frustration der US-Bürger auf Washington widerspiegele, sagte Bush unter Anspielung auf Trump. Angefeuert davon gab Jeb Bush die wohl bisher beste Rede seines Wahlkampfes. Aber ist es zu spät für Jeb?

Als er im Juni 2015 antrat, galt er als Favorit. Dann kam der Populist Trump, und alles wurde anders. Eine starke Strömung gegen das politische Establishment katapultierte den Multimilliardär an die Spitze des republikanischen Bewerberfeldes, später gefolgt vom erzkonservativen Ted Cruz, der für viele Wähler ebenfalls für "etwas anderes" steht.

Der Name bringt keinen Erfolg, aber Geld

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Jeb Bush hatte nie einen Job in Washington. Aber sein Familienname macht ihn zum Teil der "alten Garde". Irgendwie versuchte er sich von dieser Verbindung abzukoppeln, etwa indem er in seinem Logo nur seinen Vornamen benutzte. "Mein Gott, ich bin ein erwachsener Mensch. Ich bin mein eigener Mann", sagte er mehr als einmal. Aber das half ihm im in den Umfragen nicht, brachte ihm aber dafür viele Spender.

Und eigentlich ist er ja auch stolz auf seinen Vater und Bruder. Dieser Zwiespalt zeigte sich in seiner anfänglichen Herumeierei in Sachen Irak-Krieg. Jetzt, nachdem sich seine vorsichtige Distanz zur Familie nicht ausgezahlt hat, macht Bush die Kehrtwende. Sein Bruder soll zur Wunderwaffe werden. Der Gedanke dahinter ist klar. South Carolina ist "Bush Country". Dieser Staat brachte vor 15 Jahren den Wahlkampf von George W. aus einem Tief, der Ex-Präsident ist hier weiterhin überaus beliebt.

Aber ob das seinem Bruder ein ausreichend gutes Ergebnis garantiert, ist nicht sicher. Und dann kommt Anfang März der Super Tuesday mit seinen zahlreichen Vorwahlen auf einen Schlag. Da könnte sein Nachname wieder zum Mühlstein werden. Jeb könnte erfahren, dass jene, die eine Alternative zu den Extremen Trump und Cruz suchen, deshalb noch lange keinen dritten Bush im Weißen Haus wollen.

Wer zuletzt lacht...

Hinzu kommt, dass sich Bush gern als moderater Republikaner mit konservativen Prinzipien charakterisiert hat. Das ist vielen Republikanern zu liberal. Er ist strikt gegen Abtreibung, Homoehen, Steuererhöhungen und schärfere Waffengesetze, und er will im Fall eines Sieges Obamacare, die Gesundheitsreform, rückgängig machen. In seiner Zeit als Gouverneur (1999 bis 2007) wandte er sich auch gegen Quotenregeln zugunsten von Minderheiten bei der Zulassung etwa zu Hochschulen.

Aber im Bildungsbereich hat er sich für zentralisierte Standard-Lernziele eingesetzt - ein rotes Tuch für viele Konservative. Schlimmer noch: Im Streit um die Einwanderungsgesetze liegt Bush eher auf der Linie der Demokraten. Er will den illegalen Einwanderern langfristig ein Bleiberecht ermöglichen. Das ist ein krasser Gegensatz vor allem zu Trump, der gar meint, dass Mexiko seine Kriminellen über die Grenze schickt. Bush titulierte er als "Verlierer", "strohdoof" und "energielos". Aber abgerechnet wird zum Schluss, da kann George W. ein Lied von singen.

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Quelle: n-tv.de

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