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Die Hinrichtung von Scheich Nimr nehmen die Iraner den Saudis besonders übel.
Die Hinrichtung von Scheich Nimr nehmen die Iraner den Saudis besonders übel.(Foto: REUTERS)

Religion, Macht, Herrschaft: Deshalb hassen sich Iran und Saudi-Arabien

Von Nora Schareika

Innerhalb weniger Tage spitzt sich der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran dramatisch zu. Die religiösen Gründe dafür sind aber vorgeschoben. Es geht um viel mehr.

Als gäbe es im Nahen Osten nicht schon genug Kriege und Konflikte, hat nun auch noch die Feindschaft zwischen Saudi-Arabien und dem Iran eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Am vergangenen Wochenende richteten saudische Henker 47 Menschen hin, darunter ein schiitischer Geistlicher. Iraner versuchten daraufhin die saudische Botschaft in Brand zu setzen, die saudische Regierung wies daraufhin iranische Diplomaten aus. Die Rivalität der beiden Regionalmächte hat eine lange Geschichte.

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Historisch ist der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten im Streit um die Nachfolge des Propheten Mohammed begründet. Die beiden Konfessionen entwickelten sich unterschiedlich und pflegen heute ihre jeweils eigenen religiösen Riten. Die Basis des Glaubens ist jedoch gleich; deshalb pilgern auch jährlich Hunderttausende Iraner zu den Heiligen Stätten Mekka und Medina in Saudi-Arabien. Insgesamt dominiert die sunnitische Ausrichtung: Etwa 85 Prozent der Muslime sind Sunniten. Auch innerhalb der Sunniten gibt es aber Unterschiede.

Heute spielen die Glaubensunterschiede an sich eher für religiöse Extremisten auf beiden Seiten eine Rolle. Sie sind aber willkommener Vorwand für politische Machtspiele und zur Aufwiegelung. Das ist mit ein Grund, warum der Irak nie zur Ruhe kam, warum der Bürgerkrieg in Syrien immer verzwickter wird und warum Saudi-Arabien eine blutige Militärintervention im Jemen startete. Die Führung des Königreichs gibt trotz aktueller innerer und wirtschaftlicher Krise keine Ruhe.

Geopolitik bestimmt das Handeln

Der religiös begründete Wettstreit hat eine starke politisch-militärische Komponente. Das hat Folgen für die ganze Region. Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran liegt zwar in dem Glaubensunterschied begründet, ist aber verbunden mit den jeweiligen eher weltlich hergeleiteten Machtansprüchen der beiden Regionalmächte. Beide Staaten verfügen über bedeutende Ölvorkommen. Die Region um den Persischen Golf ist geostrategisch von immenser Bedeutung. Wer dort das Sagen hat, hat Macht.

Die Perser beherrschten einst ein riesiges Reich vom Nahen Osten bis Mittelasien, bis sie ab dem 7. Jahrhundert von den Arabern islamisiert wurden. In dieser Tradition sieht sich auch Iran. Die Perser legten im Gegensatz zu anderen eroberten Völkern der heutigen islamischen Welt nie ihre Kultur und Sprache ab.

Erst in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die Rivalität aber so verschärft, dass sie in die heutige explosive Situation führte. Jeder Anlass kann nun die Stimmung verschlechtern. Bei einer Massenpanik bei der Pilgerfahrt im September kamen Hunderte Iraner ums Leben. Im Iran waren sich viele sicher, dass dies kein Zufall gewesen sein könne.

Während der Iran lange Zeit durch die Sanktionen und die internationale Ächtung wegen seines Atomprogramms wenig handlungsfähig war, befindet sich die Führung in Teheran seit dem historischen Atomdeal im Aufwind. Bei den Saudis dagegen läuft es gar nicht rund. Das ist eine Erklärung für die jüngste, mutwillig herbeigeführte Eskalation, die mehr auf das Konto Saudi-Arabiens geht als auf das des Iran.

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Quelle: n-tv.de

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