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Besonders CDU-Anhänger sind der Meinung, dass die Affäre um die Doktorarbeit der Bildungsministerin Schavan, Partei und Kanzlerin geschadet hat.
Besonders CDU-Anhänger sind der Meinung, dass die Affäre um die Doktorarbeit der Bildungsministerin Schavan, Partei und Kanzlerin geschadet hat.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 10. Februar 2013

Plagiatsaffäre um Annette Schavan: Deutsche sehen CDU geschädigt

Nach dem Rücktritt von Bildungsministerin Schavan zollen ihr Politiker aller Couleur Respekt. Die Koalition überschüttet sie mit Lob. Die schwarz-gelbe Bundesregierung sieht die Opposition allerdings durch die Plagiatsaffäre geschwächt - und auch die Mehrheit der Bundesbürger sieht Kanzlerin und Union beschädigt.

Der Rücktritt von Bildungsministerin Annette Schavan in der Plagiats-Affäre um ihre Doktorarbeit ist in ersten Reaktionen weitgehend als konsequent beurteilt worden. Politiker aller Parteien würdigten Schavans Arbeit der vergangenen Jahre und zollten ihr Respekt für die Entscheidung. Laut einer Umfrage sieht eine Mehrheit der Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Union dennoch durch die Affäre beschädigt.

62 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Emnid für die "Bild am Sonntag" befragten Bundesbürger sehen in der Plagiatsaffäre einen Nachteil für Union und Kanzlerin, nur 31 Prozent erkennen keinen Schaden. Bei den Anhängern von CDU/CSU fällt das Urteil noch deutlicher aus: Für mehr als zwei Drittel (68 Prozent) stellt die Doktortitel-Affäre einen Makel dar, für 28 Prozent nicht.

Schavans wiederholter Beteuerung, weder abgeschrieben noch getäuscht zu haben, schenkten die Befragten mehrheitlich keinen Glauben. 54 Prozent zeigten sich überzeugt, dass Schavan getäuscht hat. Lediglich 36 Prozent hielten die Unschuldsbeteuerungen für wahr.

"Tragischer Rücktritt"

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CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnete den Rücktritt als "bedauerlich und tragisch". Schavan sei "eine vorzügliche Ministerin auf diesem Feld" gewesen, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bedauerte ebenfalls, dass die CDU-Politikerin ihre Arbeit nicht fortsetzen könne. "Wir Liberale haben mit Annette Schavan in der Bildungspolitik hervorragend zusammengearbeitet und sind ihr dafür dankbar. Gemeinsam haben wir viel erreicht", betonte er. Viele Projekte blieben auf immer mit ihrem Namen verbunden.

Auch in der eigenen Partei wurde Schavans Arbeit gelobt. In der CDU sei die Rücktrittsentscheidung Schavans "mit großem Bedauern und Respekt" aufgenommen worden, erklärte Generalsekretär Hermann Gröhe. Schavan habe in einem entscheidenden Feld der Politik Maßstäbe gesetzt. Die designierte neue Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bedauerte ebenfalls den Rücktritt ihrer Parteifreundin. "Sie hat für die Bildung in Deutschland außerordentlich viel erreicht", sagte Wanka.

" Schavan hat das Richtige getan"

Die Opposition fand ebenfalls lobende Worte für die CDU-Politikerin, die wegen der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit aus dem Amt scheidet. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Schavan "eine hoch anständige und kompetente Kollegin, um die es mir außerordentlich leid tut", wie er der "Welt am Sonntag" sagte. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sprach von einem Akt politischer Konsequenz. Das "volle Vertrauen", das Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer langjährigen Vertrauten ausgesprochen hatte, habe nicht einmal vier Tage gehalten. "Für Frau Merkel hätte dieses Jahr nicht schlechter beginnen können", fügte Oppermann hinzu.

"Annette Schavan hat das Richtige getan", erklärte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Der Rückzug zeige aber auch: "Diese Bundesregierung ist am Ende. Zerstritten und schwach torkelt sie ihrem Ende entgegen." In einer Mitteilung von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hieß es: "Wir respektieren selbstverständlich diese Entscheidung und bedauern, dass die hervorragende und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der FDP-Bundestagsfraktion und mir persönlich keine Fortsetzung erfährt". Schavan habe den Forschungsstandort Deutschland gestärkt.

Die Grünen nahmen den Rücktritt laut Fraktionschef Jürgen Trittin "mit Respekt" zur Kenntnis. "Sie hätte ihr Amt als Bundesforschungsministerin nicht mehr glaubwürdig ausüben können." Schavans Nachfolgerin Johanna Wanka sei gerade wegen ihrer Position zu Studiengebühren in Niedersachsen abgewählt worden. "Offensichtlich ist Abgewähltsein eine hinreichende Voraussetzung, um ins Kabinett Merkel berufen zu werden."

Quelle: n-tv.de

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