Dienstag, 22. Juni 2010
Mit einer Burka verkleidet: Deutscher in Afghanistan gefasst
In der Islamisten-Hochburg Nord-Waziristan wird ein Deutscher festgenommen, der sich als Frau verkleidet hat. Aus Kreisen des pakistanischen Geheimdienstes heißt es, der Mann habe Kontakt zu Al-Kaida. Laut einem Magazinbericht handelt es sich um den Hamburger Rami M.Pakistanische Sicherheitskräfte haben in Nord-Waziristan einen mit einer Burka verkleideten Deutschen festgenommen. Wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Reuters sagte, wurde der Mann am Montag an einem Kontrollpunkt in der Grenzregion zu Afghanistan gefasst. Er sei mit zwei weiteren Männern und einem Kind unterwegs gewesen. Auch einer der anderen Männer habe einen Vollschleier getragen. Die Gruppe habe den Eindruck vermitteln wollen, dass sie eine Familie sei.
Unter diesen Burkas stecken weder Frauen noch Islamisten: Zwei Bundeswehrsoldaten stellen hier bei einer Übung die weiblichen Bewohner eines nachgebildeten afghanischen Dorfes dar.
(Foto: dpa)
Nach Geheimdienstangaben hat der Deutsche Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mann an mehreren Angriffen gegen die internationalen Truppen in Afghanistan beteiligt gewesen sei, sagte ein Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes, der anonym bleiben wollte.
Mann möglicherweise aus Hamburg
Nach einem Bericht des "Spiegel" handelt es sich bei dem Deutschen möglicherweise um den Hamburger Rami M. Deutsche Sicherheitsbehörden prüften derzeit entsprechende Informationen aus Pakistan, wie das Magazin mitteilte. Sie hielten diese aber für glaubwürdig. Der 25-jährige Deutsch-Syrer war demnach im März 2009 von Deutschland nach Pakistan gereist. Seitdem stufe ihn die Polizei als sogenannten Gefährder ein und warnte vor einer möglichen Bewaffnung.
Zeitgleich mit M. hätten sich damals mehrere seiner Bekannten abgesetzt, mutmaßlich ebenfalls mit dem Ziel, sich Aufständischen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet anzuschließen. Bereits vor seiner Abreise galt M. laut "Spiegel" den Sicherheitsbehörden als Kopf einer Hamburger Gruppe radikaler Islamisten. Inzwischen ermittle die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Deutscher wird verhört
Es sei möglich, dass der Deutsche auf dem Weg in seine Heimat war, sagte der pakistanische Geheimdienstmitarbeiter weiter. Bislang gebe es aber keine Erkenntnisse darüber, ob er dort Terroranschläge geplant habe. Den Angaben zufolge wird der etwa 30 Jahre alte Mann in Peshawar, der Hauptstadt der Nordwest-Grenzprovinz, verhört. Angaben zur Identität des Festgenommenen machten die Sicherheitsbehörden zunächst nicht.
Nord-Waziristan ist eine Hochburg der islamistischen Taliban und von Al-Kaida. Die USA drängen die pakistanische Regierung seit einiger Zeit dazu, dort eine Militäroffensive zu starten. Die pakistanische Armee hat dagegen erklärt, nicht über die notwendigen Ressourcen zu verfügen.
rts/dpa/AFP
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