Politik

Flucht aus Taj MahalDeutscher kommt ums Leben

27.11.2008, 19:45 Uhr

Bei der Serie von Terrorangriffen in Bombay kommt auch ein Deutscher ums Leben. Der Münchner Unternehmer Ralph Burkei stirbt bei einem Fluchtversuch aus dem Hotel Taj Mahal; seine Lebensgefährtin überlebt schwerverletzt.

Bei der Serie von Terrorangriffen in der indischen Metropole Bombay ist auch ein Deutscher ums Leben gekommen. Der Münchner Medienunternehmer Ralph Burkei starb bei dem Anschlag auf das Hotel Taj Mahal, teilte seine Firma Camp TV mit.

Burkei, der frühere Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten 1860 München und ehemaliger Schatzmeister der Münchner CSU, starb bei einem Fluchtversuch aus dem Hotel. "Der Ralph wollte über die Hotel-Fassade flüchten und ist dann abgestürzt", sagte sein Mitgesellschafter Ralph Piller der Münchner "Abendzeitung".

Auf dem Vordach liegend habe er noch einen Freund in München angerufen und ihm gesagt: "Ich habe mir alle Knochen gebrochen. Wenn mir jetzt keiner hilft, dann schaffe ich es nicht mehr." Burkei sei dann auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Burkei befand sich mit seiner Lebensgefährtin auf einer Urlaubsreise in Bombay. Seine Freundin überlebte den missglückten Fluchtversuch schwerverletzt. Sie soll wahrscheinlich in den nächsten Tagen nach Deutschland zurückkommen.

Maler Norbert Bisky unverletzt

Der deutsche Maler Norbert Bisky hat die Anschläge in Bombay unverletzt überlebt. Der Sohn von Linken-Chef Lothar Bisky hielt sich wegen einer Ausstellung in der Stadt auf, war zum Zeitpunkt der Überfälle aber in einem nicht betroffenen Viertel.

Dem Terror entkommen konnte auch eine Gruppe von EU-Parlamentariern.

Unübersichtliche Lage

Das Auswärtige Amt teilte mit, dass weitere Deutsche verletzt seien. Die Lage sei "nach wie vor unübersichtlich", sagte eine Sprecherin. "Wir müssen davon ausgehen, dass weitere Deutsche betroffen sind." Von den Anschlägen betroffene Deutsche würden vor Ort von Mitarbeitern des Generalkonsulats betreut. Das Generalkonsulat sei personell verstärkt worden. Im Auswärtigen Amt und im Generalkonsulat seien Krisenstäbe eingerichtet worden, die sich im Kontakt mit den indischen Behörden "mit Hochdruck um Aufklärung der Lage" bemühen würden.

Entsetzte Augenzeugen

Augenzeugen aus aller Herren Länder berichteten grausige Details aus der Nacht des Terrors. Ein deutscher Tourist aus der Nähe von Stuttgart beobachtete beispielsweise, wie schwer bewaffnete Terroristen "mit riesigen Gewehren und umgeschlungenen Patronengürteln" durch die Straße stürmten. "Sie haben auf alles geschossen, was ihnen untergekommen ist", berichtete der Mann dem Sender You FM. "Es war wie im Film."

"Es gab jede Menge Schüsse und Explosionen", berichtete der Mann weiter. Mehrere Menschen hätten tief geschockt in seinem Hotel Zuflucht gesucht. "Wir haben uns alle geduckt und das Licht ausgemacht", sagte der Augenzeuge. Hotelgäste hätten sich gegenseitig Mobiltelefone zur Verfügung gestellt, um die Angehörigen zu informieren.

Ein weiterer Deutscher berichtete, dass nach den Explosionen in einer Etage des Taj-Mahal-Hotels Feuer ausgebrochen sei. Er habe sich über die Nottreppe des Hotels in Sicherheit bringen können. Alles sei voller Rauch gewesen, berichtete er. Helfer hätten Schwerverletzte aus dem Hotel getragen.

Ein britischer Hotelgast sagte dem indischen Fernsehen, die Attentäter hätten gezielt nach Gästen mit britischem oder US-Pass gesucht. Er selbst sei entkommen, ohne seine Nationalität preiszugeben. "Die Terroristen waren etwa 20 bis 25 Jahre alt. Sie trugen Jeans und T-Shirts und gaben sich sehr aggressiv", sagte er.

Eine indische Architektin erlebte den Anschlag auf das Taj-Mahal- Hotel aus einem nahe gelegenen Caf mit. "Wir haben eine Reihe von Schüssen gehört, es klang wie Feuerwerk", sagte die 33-jährige Perena Motwane. "Es wurde immer lauter, wie Explosionen", sagte sie. Dann sei ein Mann in einem blutigen T-Shirt gelaufen gekommen und habe um Hilfe geschrien. Ein junges Paar habe sich aus einem Caf gerettet, in dem ein Terrorist um sich geschossen habe. "Sie sagten, dort sei überall Blut gewesen", berichtete Motwane.

Eine australische Schauspielerin hatte sich im Taj-Mahal-Hotel mit sechs anderen Gästen in den Toiletten eingeschlossen, als in der Lobby die Schießerei ausgebrochen war. "Es war schrecklich, da ist auf den Fluren auf die Leute geschossen worden, vor den Waschräumen lag eine Leiche", berichtete die 28-jährige Brooke Satchwell. Sie selbst sei in einen kleinen Schrank gekrochen. Der 23-jährige Australier David Coker erlebte mit, wie die Attentäter in einem Caf mit Schnellfeuergewehren wahllos um sich schossen. "Das war ein Amoklauf", sagte er.

Ausländer verbarrikadieren sich

Aus Angst vor weiteren Anschlägen verbarrikadierten sich am Donnerstag zahlreiche Ausländer im benachbarten Hotel Taj President. Die Zufahrt sei mit Hotelfahrzeugen versperrt und der Lobby-Eingang mit Sofas zugestellt, sagte der in Bombay tätige Anwalt Lars Meyer. Zahlreiche bewaffnete Sicherheitsleute mit schusssicheren Westen bewachten das Hotel. "Die Lage ist weiterhin sehr angespannt. Viele fürchten, dass es am Abend weitergeht", sagte Meyer. Zahlreiche Menschen aus anderen Hotels hätten dort Zuflucht gesucht. "Viele hatten Blutspritzer am Körper und standen unter Schock", sagte Meyer.