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"Wenn das so weitergeht, sind am Ende alle Verlierer", warnt Norbert Röttgen die EU-Staaten.
"Wenn das so weitergeht, sind am Ende alle Verlierer", warnt Norbert Röttgen die EU-Staaten.(Foto: imago/Sven Simon)

Brüssel und die Folgen: "Deutschland kann sich nicht wegducken"

Flüchtlingskrise, Terrorgefahr: Die Europäische Union steckt in einer schwierigen Phase. Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, fordert deshalb Konsequenzen. Die Bundesrepublik müsse sich international stärker einmischen.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen fordert nach den Anschlägen in Brüssel mehr außenpolitisches Engagement Deutschlands. "Wir müssen uns noch stärker als bisher in internationale Konflikte einschalten und die Ursachen von Gewalt bekämpfen. Was in unserer Nachbarschaft geschieht, kann uns nicht egal sein", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses dem "Tagesspiegel".

Aus Röttgens Sicht könne man sich nur mit einer aktiveren Außenpolitik vor künftigen Bedrohungen schützen. "Die Mehrheit der Deutschen weiß: Wir können uns nicht wegducken. Ich glaube, das Verständnis wächst, dass kein Land alleine Sicherheit schaffen kann."

Als besten Beweis dafür sieht Röttgen die Flüchtlingskrise. Sie habe vielen Menschen vor Augen geführt, "dass wir uns nicht abschotten können von der Welt". Das Verhalten der Deutschen in der Flüchtlingskrise zeige die hohe Reife der Gesellschaft, so Röttgen. Die Mehrheit der Deutschen habe sich der neuen Herausforderung und der Not der Menschen gestellt und sei weiterhin bereit zu helfen.

Die Europäische Union steckt nach Röttgens Einschätzung aktuell in ihrer größten Krise seit dem Abschluss der Römischen Verträge 1957/1958. "Wir müssen alles tun, um unsere innere Krise zu überwinden, die uns kompromiss- und handlungsunfähig macht. Das wird nur gelingen, wenn wir wieder zur Solidarität zurückfinden." Als Ursache der schwierigen Lage sieht Röttgen die Dominanz staatlicher Egoismen. "Wir haben offensichtlich immer noch nicht den Ernst der Lage erkannt. Wir reagieren statt zu agieren, und das meist zu spät", sagt Röttgen. "Wenn das so weitergeht, sind am Ende alle Verlierer." Der größte Verlierer eines nicht funktionierenden Europas wäre Deutschland.

Röttgen sieht zurzeit drei spaltende Themen in Europa: Wirtschaft, Russland und die Flüchtlinge. "Für Frankreich und Italien hat die Wirtschaft Priorität, für Polen und die Balten die Bedrohung durch Russland und für Deutschland die Flüchtlingskrise. Deshalb müssen wir wieder zusammenkommen – und alle drei Probleme lösen."

Quelle: n-tv.de

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