Sonntag, 29. März 2009
Afghanistan-Einsatz: "Die Europäer müssen mehr tun"
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat wenige Tage vor dem Gipfel der Allianz in Straßburg und Baden-Baden ein stärkeres Engagement der Europäer in Afghanistan gefordert. "Es geht nicht, dass nur die Amerikaner aufstocken", sagte de Hoop Scheffer der "Bild am Sonntag". "Auch die Europäer müssen mehr tun, sei es im zivilen oder im militärischen Bereich." Deutschland habe vorerst seinen Anteil beigetragen. Er hoffe, dass andere Länder folgen. Einen Einsatz der Bundeswehr im besonders umkämpften Süden Afghanistans erwartet der scheidende Generalsekretär nicht.
Ein Ende des Afghanistan-Einsatzes ist für de Hoop Scheffer noch nicht absehbar. "In der vorhersehbaren Zukunft werden wir in Afghanistan bleiben", sagte er. Nicht um militärisch zu siegen, sondern um den Wiederaufbau zu begleiten. Die NATO müsse zumindest so lange bleiben, bis Afghanistan eine funktionierende Armee und Polizei habe. "Aber die Truppen werden keine 50 Jahre bleiben und keine 20 Jahre."
Der Staatsminister im Bundesaußenministerium, Gernot Erler, hatte am Samstag eine Aufstockung der deutschen Afghanistan-Truppen zur Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte nicht ausgeschlossen. Deutschland ist mit derzeit rund 3800 Soldaten drittgrößter Truppensteller in Afghanistan. Zudem hat die Bundesregierung bereits die Entsendung 600 weiterer Soldaten zugesagt, die die Präsidentenwahl absichern und die schnelle Eingreiftruppe in Kundus verstärken sollen.
US-Präsident Barack Obama hatte am Freitag seine neue Afghanistan-Strategie vorgestellt. Sie setzt im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban und Al-Kaida-Islamisten unter anderem auf eine Truppenaufstockung, verstärkte internationale Zusammenarbeit und den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte. Dafür will Obama auch beim NATO-Gipfel am 3. und 4. April werben.
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