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Rüstungsexperten warnen: Die Militärmacht des Westens bröckelt

Seit Jahren rüstet Europa ab - ganz anders als Russland und China, die an militärischer Stärke gewinnen. Experten warnen: Wenn der Westen seine technische Überlegenheit verliert, könnte das im Ernstfall Folgen für die Handlungsfähigkeit der Nato haben.

Die technische Überlegenheit des Westens im Militärischen sinkt - stattdessen rüsten die asiatischen Länder und Russland immer mehr auf. Dies geht aus dem aktuellen Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) hervor. Demnach geben die asiatischen Länder, allen voran China, jährlich fast 90 Milliarden Euro mehr für die nationale Verteidigung aus als die europäischen Nato-Staaten. "Die militärtechnologische Überlegenheit des Westens erodiert", sagte IISS-Direktor John Chipman bei der Vorstellung des Berichts - und er warnte vor möglichen Folgen.

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In den vergangenen Jahren hätten die europäischen Staaten ihre Militärausgaben dem Bericht zufolge drastisch gesenkt. Gab es vor 15 Jahren noch 649 Armeebataillone in Europas Nato-Staaten, sind es derzeit nur noch 185. Großbritannien und Frankreich reduzierten zudem die Zahl ihrer Kampfjets - seit 1991 jeweils um mehr als die Hälfte. Nach Einschätzung von Chipman könnte sich das im Ernstfall rächen.

Denn mit dem militärischen Erstarken Russlands gehe auch die Frage einher, ob die Nato seine östlichen Mitgliedsländer noch verteidigen kann. Moskau hat seine Ausgaben fürs Militär im vergangenen Jahr noch einmal um einen zweistelligen Prozentsatz erhöht - eine Entwicklung, die das IISS mit Besorgnis verfolgt. "Die Garantie der Nato gegenüber den östlichen Mitgliedern basiert auf der Annahme, dass ihre Landesverteidigung schnell verstärkt werden kann", sagte er. "Doch Russland setzt militärische Ausrüstung ein, die den Zugang verhindern und die Einsätze im baltischen Raum behindern kann." Das stelle die gesamte Leistungsfähigkeit der Nato in Europa in Frage.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.(Foto: dpa)

Bereits im vergangenen Jahr hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die europäischen Mitgliedsländer für ihre Sparpolitik bei den Militärausgaben kritisiert. Während etwa die USA rund 4 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Verteidigung aufwendeten, bewege sich Europa "näher bei einem Prozent". "Das ist keine faire Lastenverteilung", mahnte Stoltenberg in der "Süddeutschen Zeitung". Beim Nato-Gipfel in Wales 2014 war festgelegt worden, die Ausgaben in allen Mitgliedsstaaten des Bündnisses innerhalb von zehn Jahren auf mindestens zwei Prozent des BIPs zu erhöhen. Auch Deutschland hatte zugestimmt - im aktuellen Haushaltsjahr 2016 liegt die Quote dennoch nur bei 1,17 Prozent.

Komplexere und unübersichtlichere Strukturen

China und Russland seien hingegen bei Entwicklung und dem Einsatz fortschrittlicher militärischer Fähigkeiten zunehmend aktiv. Beide Länder seien dabei, ihre militärischen Arsenale zu modernisieren, hieß es in dem Bericht weiter. Zudem könnten sich auch in der Golfregion nach der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran Veränderungen im militärischen Gleichgewicht ankündigen - und zwar dann, wenn sich Teheran zu einer Modernisierung seiner Waffensysteme entscheiden sollte.

Ein weiteres Risiko sei, dass komplexe militärische Technologien - etwa Marschflugkörper oder unbemannte Drohnen - in den vergangenen Jahren mehr Ländern zugänglich geworden seien. Komplizierte Rüstungstechnologie werde zunehmend im Privatsektor entwickelt und nicht länger in staatlich finanzierten Forschungseinheiten. Das führe auch dazu, dass es für Regierungen immer schwieriger werde, die Verbreitung dieser Technologien im Auge zu behalten.

Quelle: n-tv.de

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