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Politik

Die Gründung des Staates Israel: Die Vorgeschichte

 
Die Gründung des Staates Israel: Die Vorgeschichte

Seit 1517 herrschen die Osmanen über Palästina. Das Land ist nur spärlich besiedelt, hauptsächlich von Arabern. Eine Verwaltungseinheit "Palästina" gibt es nicht; der Landstrich gehört zur Provinz Syrien.

Die jüdische Einwanderung nach Palästina - die "Alija" - beginnt 1882 mit der Ankunft russischer Juden. Bis 1903 kommen zwanzig- bis dreißigtausend Juden nach Palästina. Während der zweiten "Alija" von 1904 bis 1914 sind es bereits 35.000 bis 40.000 Einwanderer.

Die Einwanderung nach Palästina läuft also bereits, als Theodor Herzl 1896 das Buch "Der Judenstaat" veröffentlicht. "In Russland werden Judendörfer gebrandschatzt, in Rumänien erschlägt man ein paar Menschen, in Deutschland prügelt man sie gelegentlich durch, ...

... in Österreich terrorisieren die Antisemiten das ganze öffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in Paris knöpft sich die sogenannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles schließen sich gegen die Juden ab. Die Nuancen sind zahllos."

Er hat Recht: Der Antisemitismus wird immer aggressiver. Zwar haben die Juden seit 1871 in allen deutschen Ländern das vollständige Bürgerrecht. Doch an ihrer sozialen Lage ändert das nur wenig.

"Der Judenstaat" ist naturgemäß stark vom Nationalismus des 19. Jahrhunderts beeinflusst. Dennoch ist der nun entstehende Zionismus nicht einfach ein "jüdischer Nationalismus", sondern vor allem eine Reaktion auf den Antisemitismus in Europa.

Die Einwanderungswellen nach Palästina korrespondieren mit der Situation der Juden in Russland. Im Mai 1882 verbietet Zar Alexander III. den Juden die freie Berufswahl. Nach der Pogromwelle des Jahres 1881 sind diese "Knebelgesetze" der Auslöser der ersten "Alija".

1897 beruft Theodor Herzl den ersten Zionistenkongress ein. Der seither regelmäßig tagende Kongress fungiert als Dachorganisation der zionistischen Bewegung.

Als Sprache des Judenstaates schwebt Herzl keineswegs das Hebräische vor: "Wir werden auch drüben bleiben, was wir jetzt sind, so wie wir nie aufhören werden, unsere Vaterländer, aus denen wir verdrängt wurden, mit Wehmut zu lieben."

Herzl legt sich zunächst auch nicht auf ein Gebiet fest, in dem der Judenstaat gegründet werden soll. Er denkt sowohl an Palästina als auch an Argentinien (Bild). Nach der zweiten großen Pogromwelle in Russland 1903 schlägt Herzl vor, ...

... die Juden sollten sich bis zur Schaffung eines jüdischen Staates im britischen Ostafrika ansiedeln. Das "Uganda-Programm" geht auf den britischen Kolonialsekretär Joseph Chamberlain zurück.

Beim Zionistischen Kongress gibt es für das Vorhaben jedoch keine Mehrheit. Nur wenige Juden gehen nach Afrika (im Bild der Viktoria-Nil). 1905 wird der Plan offiziell fallen gelassen.

Unterdessen geht die Einwanderung nach Palästina weiter. Am 11. April 1909 wird der Grundstein für die Stadt Tel Aviv gelegt, der ersten modernen jüdischen Stadt. Heute leben knapp eine halbe Million Menschen in Tel Aviv.

Im Ersten Weltkrieg erobern die Briten Palästina. Die weitaus meisten Einwohner - sowohl die Angehörigen der arabischen Mehrheit als auch die meisten Juden - empfangen die Briten unter General Edmund Allenby als Befreier von der osmanischen Herrschaft.

Für die Zionisten bringt das Ende der osmanischen Herrschaft eine Wende: In der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 akzeptieren die Briten das Recht des jüdischen Volkes, in Palästina eine "nationale Heimstätte" zu gründen. (Im Bild Außenminister Arthur James Balfour)

Allerdings hatten die Briten nur wenige Jahre zuvor auch den Arabern die Unabhängigkeit versprochen. Entsprechend - wenn auch vage - hatte sich 1915 der britische Hochkommissar in Ägypten in einem Schreiben an Hussein Ibn Ali, den Scherif von Mekka, geäußert.

Die arabische Nationalbewegung ist nicht so gut organisiert wie die Zionisten. Eine Symbolfigur des arabischen Nationalismus ist Prinz Faisal, Husseins Sohn. Faisal und Zionistenführer Chaim Weizmann treffen sich 1918 in Akaba am Roten Meer.

Weizmann steht an der Spitze der zionistischen Bewegung. Es gelingt ihm, die Engländer davon zu überzeugen, ein Bündnis mit den Zionisten könne den Ausgang des Ersten Weltkriegs beeinflussen.

"Premierminister Lloyd George und Außenminister Balfour hielten Weizmann ... für den Kopf einer geheimnisvollen, weltumspannenden Macht, die im Hintergrund die Fäden zog", schreibt der israelische Historiker Tom Segev.

In Paris unterzeichnen Faisal (Bild) und Weizmann ein Abkommen, in dem Faisal sein Einverständnis zur Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina erklärt - sofern er ein arabisches Königreich erhält. Faisal wird erst König von Syrien, dann des Irak.

Weizmann, später der erste Präsident Israels, reist als Chef der Zionistischen Kommission nach Palästina. Die Kommission versucht, das jüdische Leben in Palästina zu organisieren. Die Briten gestehen ihr diverse Rechte zu, darunter die Kontrolle der jüdischen Schulen. Dort findet der Unterricht nun auf Hebräisch statt.

Von den Arabern werden die jüdischen Einwanderer zunehmend feindlich empfangen. 1920 kommt es zu ersten Übergriffen von Arabern auf Juden in Jerusalem. Fünf Juden und vier Araber werden getötet, viele Menschen verletzt.

Als Reaktion auf die Unruhen wird eine jüdische Verteidigungsorganisation gegründet, die Haganah (Bild). Noch immer tun die Briten so, als könne es einen Ausgleich zwischen Juden und Arabern geben. Realistisch ist das nicht.

"Jeder erkennt das Problem in den Beziehungen zwischen den Juden und den Arabern. Aber nicht jeder erkennt, dass dieses Problem keine Lösung hat. Es gibt keine Lösung!", hatte David Ben Gurion, später der erste Premierminister Israels, bereits 1919 erklärt.

1922 überträgt der Völkerbund den Briten das Mandat für Palästina und beauftragt sie, in Palästina einen jüdischen Staat zu errichten. Die Briten teilen das Land in zwei Verwaltungseinheiten: Juden dürfen sich nur noch westlich des Jordan ansiedeln.

Im östlichen Teil - "Transjordanien", dem späteren Jordanien - installieren die Briten die Haschemiten-Dynastie, die das Land bis heute regiert.

In den 1920er Jahren kommen knapp 100.000 Juden ins Land. Damit verdoppelt sich die jüdische Gemeinschaft in Palästina. Die Machtergreifung der Nazis beschleunigt diesen Prozess noch einmal.

Die Gewaltausbrüche verschlechtern das Verhältnis zwischen Juden und Engländern. Die Zionisten werfen der Mandatsmacht vor, "Pogrome" zu dulden. Die Araber ihrerseits sehen die Briten als Feinde, da diese die Einwanderung von Juden fördern statt unterbinden.

Beide Seiten richten ihre Gewalt nicht mehr nur gegeneinander, sondern zunehmend auch gegen die Briten. Im April 1936 beginnt in Jaffa ein arabischer Aufstand, der sich rasch ausbreitet und bis 1939 andauert.

Zwischen 1929 und 1939 werden mehr als 10.000 Anschläge registriert, bei denen mehr als 1.000 Araber, 400 Juden und 150 Briten ums Leben kommen. Spätestens der arabische Aufstand zeigt den Briten, dass ein arabisch-jüdischer Staat undenkbar ist.

Die Mandatsregierung bekämpft den Aufstand mit drakonischen Maßnahmen: Absperrungen, Razzien, Folter und Hinrichtungen.

Angesichts des drohenden Kriegs in Europa vollziehen die Briten in ihrem Verhältnis zu den Arabern einen Kurswechsel. Um diese von einem Bündnis mit Nazideutschland abzuhalten, will das Empire ihnen Entgegenkommen demonstrieren.

Im Mai 1939 verkündet Großbritannien in einem "Weißbuch", dass in Palästina innerhalb der nächsten zehn Jahre ein unabhängiger binationaler Staat entstehen soll. Zugleich wird der Verkauf von arabischem Grundbesitz an Juden beschränkt.

Das "Weißbuch" beschränkt auch die jüdische Einwanderung nach Palästina. Bis Kriegsende kommen dennoch 20.000 Juden illegal ins Land; 40.000 können auf legalem Weg einreisen. Viele Flüchtlinge werden abgefangen und auf Zypern interniert (Bild).

Die Zionisten setzen darauf, dass das Weißbuch keinen Bestand hat. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erklärt David Ben Gurion, die Zionisten müssten das Weißbuch bekämpfen, als gäbe es keinen Krieg, und die britische Armee unterstützen, als gäbe es kein Weißbuch.

In Palästina melden sich im Laufe des Kriegs rund 30.000 Juden freiwillig zur britischen Armee und dienen in einer eigenen Brigade. Die jüdischen Untergrundkämpfer stellen ihre Anschläge gegen die Briten weitgehend ein.

Teile der arabischen Nationalbewegung sehen die Deutschen als Verbündete. Der Mufti von Jerusalem reist 1941 nach Berlin, wo er von Hitler empfangen wird. Später ist Hadsch Amin al-Hussaini am Aufbau einer muslimischen SS-Division auf dem Balkan beteiligt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärft sich der jüdisch-britische Gegensatz in Palästina. Die Briten fordern die Entwaffnung der jüdischen Milizen.

Daraufhin beginnt ein Aufstand der jüdischen Kampfgruppen Haganah, Irgun und Lechi. Ab September 1945 greifen jüdische Milizen militärische Ziele der Briten an.

Die britische Armee, die in Palästina rund 100.000 Soldaten stationiert hat, reagiert mit Militärschlägen gegen die Untergrundbewegungen. Das Bild zeigt den King George Square in Jerusalem im Juni 1946, nachdem eine Ausgangssperre verhängt wurde.

Vor allem die Haganah forciert parallel zum Kampf die Einwanderung nach Israel. Dieses Bild vom 5. Juni 1945 zeigt Juden aus dem Konzentrationslager Buchenwald auf dem Weimarer Bahnhof. Sie sind auf dem Weg nach Palästina.

Die Briten versuchen, die Einwanderung zu bremsen. Immer wieder schicken sie Flüchtlinge in Auffanglager nach Zypern. Das Bild zeigt Juden auf einem Schiff im Hafen von Famagusta (Zypern). Sie hatten Palästina bereits erreicht.

Gegen die restriktive Einwanderungspolitik der Briten gibt es immer wieder Proteste, wie hier im August 1946 in Haifa.

Am 14. April legt die "Theodor Herzl" als 30. Flüchtlingsschiff in Haifa an. Auf dem Plakat steht auf Englisch: "Die Deutschen haben unsere Familien und unser Zuhause zerstört - Zerstört nicht unsere Hoffnungen".

Spektakulär ist der Fall des Flüchtlingsschiffs "Exodus". Mit mehr als 4.000 Passagieren an Bord wird das Schiff im Juli 1947 von der britischen Marine vor Haifa aufgebracht.

Auf drei Gefangenenschiffen werden die Flüchtlinge zurück nach Frankreich geschickt. Da die weitaus meisten Juden nicht von Bord gehen wollen, lässt die britische Regierung sie - ausgerechnet! - nach Deutschland bringen.

Am 8. September kommen die drei Schiffe in Hamburg an. Die Passagiere werden mit Gewalt an Land gebracht und in den Lagern Pöppendorf und Am Stau nahe Lübeck interniert.

Doch die britische Regierung kann diesen Kurs nicht durchhalten. Die Flüchtlinge werden freigelassen.

Als Reaktion auf die Verhaftung von rund 3.000 Juden zündet der Irgun des späteren Premiers Menachem Begin im Juni 1946 eine Bombe im King David Hotel in Jerusalem, einem Hauptquartier der Mandatsregierung. 90 Menschen kommen ums Leben.

Die Briten sitzen in Palästina zwischen zwei Stühlen. Am liebsten würden sie ihr Völkerbundsmandat zurückgeben oder an die USA weiterreichen.

"Die Menschen haben die ganze Angelegenheit satt", sagt der britische Hochkommissar in Jerusalem.

Bereits 1937 hatten die Briten einen Plan veröffentlicht, demzufolge Galiläa und ein Küstenstreifen jüdisch werden sollten. Das übrige Gebiet sollte Arabern vorbehalten bleiben. (Das Bild von 1941 zeigt den Aufbau des Kibbuz Negba. Außerhalb des Zauns stehen Araber.)

Mit dem Plan der Peel-Kommission sollte ein "nicht beizulegender Konflikt ... zwischen zwei nationalen Gemeinschaften innerhalb der engen Grenzen eines kleinen Landes" gelöst werden. Der Plan scheitert an der Ablehnung der Araber.

Zehn Jahre später beschließt die Regierung in London, das Mandat den Vereinten Nationen zu übergeben. Am 29. November 1947 stimmt die UN-Generalversammlung mit Zweidrittelmehrheit für den Teilungsplan. Großbritannien selbst enthält sich.

Die Probleme liegen auf der Hand: Innerhalb des jüdischen Territoriums leben mehr als eine halbe Million Araber, zehntausende Juden leben auf Territorium, das den Arabern zugedacht war.

Die jüdische Bevölkerung - hier in Tel Aviv - feiert den Beschluss, ...

... die Araber lehnen ihn ab.

Laut UN soll Jerusalem unter internationale Verwaltung gestellt werden. Das Bild zeigt die Princess Mary Avenue (heute Jaffa Street) am 19. Mai 1948, wenige Tage nach Gründung des Staates Israel und Beginn des ersten arabisch-israelischen Krieges.

Schwere Kämpfe brechen bereits wenige Wochen nach dem UN-Beschluss 1947 aus.

An Siedlungsgrenzen (hier im August 1947 nahe Haifa-Tel Aviv) fliehen sowohl Araber ...

... als auch Juden. Das Bild vom 11. Dezember 1947 zeigt ein Camp, das ebenfalls für Bewohner von Tel Aviv-Jaffa eingerichtet wurde.

Bereits vor der offiziellen Proklamation des Staates Israel und vor dem offiziellen Ausbruch des ersten arabisch-israelischen Kriegs beginnt ein blutiger Krieg zwischen Juden und Arabern. Auch Soldaten aus arabischen Staaten greifen in den Konflikt ein.

Die Briten ziehen dennoch ab, sie überlassen das Land seinem Schicksal.

Am 14. Mai 1948 um Mitternacht endet die britische Mandatszeit in Palästina. Unter einem Porträt von Theodor Herzl verliest David Ben Gurion die Unabhängigkeitserklärung. (Text: Hubertus Volmer)

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