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Politik

(Foto: REUTERS)

Montag, 09. November 2009

20 Jahre Mauerfall: Die Welt feiert in Berlin

Deutschland und die Welt feiern den 20. Jahrestag des Mauerfalls als Zeitenwende der Weltpolitik und Verpflichtung für die Zukunft. Zehntausende Menschen und Staatsgäste aus rund 30 Ländern erleben das "Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor. Höhepunkt der Feiern ist der Fall einer symbolischen Mauer aus rund 1000 riesigen Dominosteinen.

Köhler empfängt seine Gäste im Schloss Bellevue.
(Foto: REUTERS)

Bundespräsident Horst Köhler würdigte den 9. November 1989 bei den Feiern in Berlin als Wunder. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem der "glücklichsten Momente" ihres Lebens und rief dazu auf, die Freiheit immer wieder neu zu verteidigen.

Bei der bewegenden Feier erinnerten Gäste aus aller Welt an die Zeitenwende vor 20 Jahren. Die Kanzlerin sieht den Mauerfall als Verpflichtung für das 21. Jahrhundert. "Freiheit entsteht nicht von selbst. Freiheit muss erkämpft werden", sagte Merkel. "Wir haben es in der Hand, auch die Grenzen unserer Zeit zu überwinden." Merkel sprach von der "Erfüllung eines Traums" und einer "wahrhaft glücklichen Stunde der Deutschen". Sie dankte den Nachbarn in Mittel- und Osteuropa, aber auch den USA, Frankreich und Großbritannien. Merkel erinnerte auch an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 und sprach vom "dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte"

Kompetenzen abgeben

Merkel fordert Aufteilung der Kompetenzen.
(Foto: dpa)

Merkel rief zu einem Zusammenwachsen der Welt durch internationale Institutionen auf. "Es wird so sein, dass ein friedliches Zusammenleben nur mit einer globalen Ordnung in vielerlei Hinsicht möglich ist", sagte sie in Berlin. Dies sei eine der Lehren aus dem Ende des Kalten Krieges und der in Ost und West aufgespaltenen bipolaren Welt. Es stelle sich die Frage, ob die Nationalstaaten Kompetenzen an multinationale Organisationen abgeben müssten, sagte Merkel. Die Europäische Union sei ein Beispiel für erfolgreiche internationale Zusammenarbeit. "Unserem amerikanischen Partner fällt es natürlich sehr viel schwerer, einfach mal ein paar Kompetenzen an den IWF oder welche internationale Organisation auch immer abzugeben."

Kopenhagen als Nagelprobe

Greenpeace-Aktion in der Bornholmer Straße.
(Foto: dpa)

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen wird nach Merkels Worten eine Probe für die Bereitschaft sein, sich zur Lösung globaler Probleme zu verpflichten. "Deshalb kommt der Konferenz in Kopenhagen in wenigen Wochen eine große Bedeutung zu." Globale Fragen wie den Kampf gegen die Erderwärmung könnten auch nicht die USA und Europa alleine lösen: "Wir brauchen China, wir brauchen Indien, wir brauchen die Schwellenländern."

Neuen Morgen im Dunkel der Geschichte

Grußbotschaft des US-Präsidenten.
(Foto: AP)

Die Staatsgäste dankten den Deutschen für die friedliche Revolution. US-Präsident Barack Obama forderte per Video, den Geist der Freiheit wachzuhalten: "Lassen Sie uns das Licht der Freiheit auch in den dunkelsten Nächten der Tyrannei aufrecht erhalten. Glauben wir an die Freiheit." US-Außenministerin Hillary Clinton sprach von einem neuen Morgen im Dunkel der Geschichte für die Welt.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nannte den 9. November 1989 eine Verantwortung für Freundschaft, Brüderlichkeit und Solidarität.

Von der Furcht zur Freude

Russlands Präsident Dmitri Medwedew bezeichnete die damalige Rolle der Sowjetunion als "durchaus entscheidend". "Wir alle hoffen, dass die Konfrontation eine Sache der Vergangenheit ist." Der britische Premier Gordon Brown lobte, Berlins Mut habe die Welt verändert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mahnte, weltweit die Mauern aus Stein und in den Köpfen zu bringen. Bei dem Lied "Berliner Luft" gesungen von Placido Domingo war die Stimmung der Gäste fast ausgelassen.

 
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Der Bundespräsident bezeichnete den Mauerfall als "Epochenwende zu Freiheit und Demokratie". "Die Mauer war ein Bauwerk der Furcht. Am 9. November vor 20 Jahren wurde sie zu einem Ort der Freude", sagte Köhler am Montag bei einem Staatsempfang im Schloss Bellevue. "Die Welt sah anders aus danach." Er dankte dem früheren US-Präsidenten George Bush senior, dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und dem damaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU). Es sei aber wohl auch glückliche Fügung gewesen.

Köhler erinnerte auch an die Verfolgung jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten. "Der 9. November 1938 und der 9. November 1989 sind miteinander verbunden."

Zehntausende feierten in Berlin

Die Mauer fällt erneut.
(Foto: AP)

In der Berliner Mitte fielen entlang des früheren Mauerverlaufs am Brandenbuerg Tor symbolisch Dominosteine. Merkel durchschritt zuvor mit den Staatsgästen das Brandenburger Tor. Am Nachmittag hatte sie mit Gorbatschow, dem früheren Gewerkschafter und polnischen Staatspräsidenten Lech Walesa, ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern sowie Wowereit die Bornholmer Brücke überquert. Der einstige Grenz-Kontrollpunkt war am Abend des 9. November 1989 der erste, über den Menschen aus Ost-Berlin in den Westen strömten.

In vielen Bundesländern vor allem entlang der einstigen deutsch- deutschen Grenze erinnerten die Menschen an den Mauerfall. Im einst getrennten Dorf Mödlareuth rief Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Bilder der Freude ins Gedächtnis. Zuvor sprach er von einem Triumph der Freiheit.

Freude weltweit

(Foto: REUTERS)

Auch andere Länder erinnerten an den Mauerfall. In London schmolz symbolisch eine Mauer aus Eis. Paris feierte mit einem Spektakel am Place de la Concorde. In Warschau stürzten Jugendliche bei einer Kunstaktion eine Kunststoffmauer um. In Rom wurde mit einem Mauerteil auf der Spanischen Treppe gefeiert.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte den Deutschen. "Wir schulden es all jenen, die so hart um ihre Grundrechte und ihre Freiheit gerungen haben, dass wir diesen Kampf nie vergessen", teilte seine Sprecherin mit. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hob das klare Bekenntnis seines Landes zur Deutschen Einheit schon in der Wendezeit vor zwanzig Jahren hervor. Walesa stellte die Verdienste von Gorbatschow beim Umbruch in Europa und beim Mauerfall infrage.

Kohl war nicht dabei

Alt-Kanzler Helmut Kohl nahm an den Feiern nicht teil. Bei einer Feier der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Mauerfall vor gut einer Woche wurde deutlich, dass Kohl noch an den Folgen eines Sturzes leidet. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte vor einer Verklärung Kohls als Kanzler der Einheit. Die CDU reagierte empört.

Die 1961 errichtete Berliner Mauer riegelte den Osten und Westen der Stadt mehr als 28 Jahre lang ab und war Symbol der 40 Jahre währenden deutschen Teilung. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski hatte am Abend des 9. November 1989 überraschend die Öffnung der DDR-Grenzen verkündet.

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Symbolischer Mauerfall
Berlin und die Welt feiern
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Merkels Rede zum Mauerfall
"Ein Feiertag für ganz Europa"
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ppo/AFP/dpa/rts

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Kommentare
Mauerspecht sagt:
09.11.09 10:10

Genörgel und Gemecker, was anderes fällt vielen nicht ein zum Mauerfall. Wir wollen mehr Geld!, Mehr Geld für Autobahnen, Autobahnringe, Autobahnbrücken! Dahinter steckt Angst vor dem Abstieg, Neid auf die anderen. Typisch Westler - immer nur am Jammern!


Peter sagt:
09.11.09 10:13

Natürlich sind wir kein geeintes Volk - wir sind Bayern und Baden-Württemberger, Hessen und Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburger. Oder Kölner und Berliner, oder Kreuz- und Prenzlberger. Immer diese Unterschiede!


clarissa sagt:
09.11.09 11:19

Peter sagt: 09.11.09 10:13Natürlich sind wir kein geeintes Volk -
Danke schön lieber Peter, denn ich bin Niedersächsin seit 20 Jahren in Hessen - soll ich hier mal in's Detail gehen, wie man da behandelt wird? Da sind "Fischkopf" für die "dämlichen Norddeutschen" oder "Ossi" geradezu liebevoll".
Ebensowenig werden tiefe Freunschaften zwischen Bayern und Hamburgern die Ausnahme bleiben -
w a r u m a u c h n i c h t`?
Solange wir e i n e BRD in Europa sind sollte
doch jeder seine Liebe zu seiner Heimat behalten!


Dagmar Weitz sagt:
09.11.09 16:53

Hallo Zusammen,

ich bin froh, dass diese Mauer weg ist. Was mich aber am meisten stört ist die Tatsache, dass einige Menschen immer noch nicht aus der DDR-Vergangenheit gelernt haben. Oder wie soll ich mir sonst den Zulauf zur Linken erklären. Fragt eigentlich mal jemand, wo all die Stasi-Leute abgeblieben sind? Gregor Gysi war meines Wissens schon 1967 Mitglied der SED. Und trotzdem wird von ihm Politik gemacht, auch wenn die Linken jetzt noch nichts zu sagen haben. Aber dieser Tag wird kommen. Darüber sollten sich die Menschen in Ost und West mal Gedanken machen.


DJ sagt:
09.11.09 17:06

Solidaritätszuschlag abschaffen !

Nach 20 jahre, das reicht !!


Arseny Melamed sagt:
09.11.09 17:06

Denkt auch an die Kristallnacht wenn ihr Wagner heute abend hört.


Steinhardt sagt:
09.11.09 23:40

@Dagmar Weitz
Wenn Du Dir den Zulauf zur Linken nicht erklären kannst, dann läufst Du womöglich mit geschlossenen Augen durch diese Welt, oder brauchst eine Menge Nachhilfeunterricht in Geschichte und Politikwissenschaft.
Gut, wenn es eine linke Opposition gibt, und das hat nicht unbedingt etwas mit der ehemaligen DDR zu tun.


matze sagt:
10.11.09 06:20

@Peter: stimmt nicht ganz, du solltest noch erwähnen, dass wir zudem noch Niederrheiner, Mittelrheiner und Westfahlen sind, dann passt es!!!


Thomas sagt:
09.11.09 23:40

Schade, dass in den Köpfen immernoch das Klischee von Wessis und Ossis verankert ist. Eigentlich sollte die jetzige heranwachsende Generation nichtmehr in Schubladen denken, aber wenn es so anerzogen wird ...
Die meisten Leute aus den neuen Bundesländern haben die Welt bereist und waren schon im Westen - sind also teilweise weltgewandter als manch Zurückgebliebener, der die Wende noch nicht verdaut hat


EiskalterEngel sagt:
09.11.09 23:40

Obwohl ich den Mauerfall mit fünf Jahren nicht wirklich aktiv erlebt habe, rühren mich die Bilder, die man heute von damals im Fernsehen sieht, doch sehr!


Thomas sagt:
09.11.09 23:40

Wir sind ein Volk!!! Schade, dass es nicht alle so sehen.Die Unterteilungen sind doch kinderkram. (bin aus dem Westen und albere auch mal mit meinen Freunden aus dem Osten rum)


michael sagt:
10.11.09 06:20

Warum sind die deutschen ,damit meine ich alle,wiklich nur am meckern ueber fast alles ,warum koennen sie nicht einfach sich ueber etwas freuen.Ob es nun der Norden Sueden Westen oder der Osten war ,als die Mauer stand wollten beide seiten sie nicht nun steht sie nicht mehr und die einen meckern auf die anderen.????
Verkerte Welt oder ????


Jürgen sagt:
10.11.09 06:21

Genug gefeiert! Regiert und bringt unser Land wieder auf Vordermann. Es fällt schon schwer, der Koalition Vertrauen zu geben, bei deren Hickhack.
ICH WILL Klarheit, keine Feiern, ARBEITET endlich !!


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