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Politik

Lächeln, winken, menscheln: Die politische Ochsentour

 
Lächeln, winken, menscheln: Die politische Ochsentour

Politik ist ein verdammt schwerer Job. Hart ist das, aber ehrlich.

Kaum hat man die hierarchische Stufe des Ortsverbandes mit Marktplatz-Wahlstand und lustigen Luftballons in Richtung Macht übersprungen und...

...lässt andere unter der Achselhöhle blass aussehen, wiederholen sich...

...immer und immer wieder dieselben Rituale.

Irgendwo wird immer eine Autobahn, ein Einkaufscenter oder ein Schwimmbad eröffnet. Und immer gibt es ein Bändchen durchzuschneiden.

Endlose Ansprachen muss man überstehen.

Unendliche Tierliebe muss man demonstrieren.

Und ohne Ende um die Erdkugel fliegen muss man. Im Bordfernsehen: Jedesmal "James Bond - Goldfinger" oder "Notting Hill".

Permanent halten Journalisten ihre Mikros hin und erwarten Sätze wie...

..."Ja, ich trete zurück!"

Das Herz des Wählers zu gewinnen, das ist mühsam.

Ständig steht man vor irgendwelchen historischen Gebäuden auf Treppen herum,...

...immer und überall muss man winken (beachten Sie bitten den Mann links, wie sehr er sich darüber freut)...

...und permanent muss man die große weite Welt erklären, selbst wenn man in Kleinmaischeid im Kreis Neuwied an der B 413 steht.

Und wofür all die Arbeit? Was ist der Lohn, wenn man ganz oben ist?

Was kriegt man, nachdem man 2000 Mal einen Blumenstrauß angenommen,...

...sich 3000 Mal mit Kindern hat fotografieren lassen und...

...4000 Mal einen netten Reim in ein Poesie-Album geschrieben hat?

Alte Sprüche muss man sich anhören! "Sie reißen jetzt das Steuer herum", heißt es dann. Oder:...

..."Neue Besen kehren gut!" Langweilig!

Zugegeben: Es gibt ein paar nette Seiten am Politiker-Dasein.

Wirklich immer und überall...

...kann man...

...sich einen...

...zwitschern.

Schließlich gibt es einen Dienstwagen mit Fahrer, der einen nach Hause kutschiert.

Und manchmal gibt es auch erotische Momente.

Doch dafür muss man sich beschimpfen,...

...von Siebtklässlern belehren und...

...verspotten lassen. Zum Beispiel im Karneval. Das Beste ist, man...

...setzt auf die Strategie der Verbrüderung und...

...bützt sich durch die jecke Welt.

Eines der größten Politiker-Probleme bei dem Versuch, besonders menschlich und volksnah zu erscheinen:...

Ständig stellt einer beim Ortstermin...

...eine Torwand hin, an der man sich...

...blamieren oder die Füße brechen kann. Aber ohne Liebe zum Fußball landet man auf keinem deutschen Wahlzettel.

Aber wenn es denn passiert und es gibt irgendwie schlechte, nicht gerade image-fördernde Bilder, dann muss man für Ausgleich sorgen.

Man gibt sich sportlich.

Das zieht immer.

Hauptsache, man hat die Schnappatmung im Griff.

Man lobt das heimische Handwerk.

Man packt richtig zu.

Man gibt sich modebewusst,...

...traditionell und...

...wissbegierig. Interessant, so ein Viertakter mit Rapsöl-Einspritzung. Jaja. Soso. Hmm.

Also wirklich, eine tolle Info-Broschüre.

Schön, dass Ihr da seid.

Manchmal vergeht einem da das Lachen.

Vor allem, wenn man beim Bauerntag schon wieder eine Kuh melken oder...

...oder beim Biker-Treffen erneut die Basis glücklich machen muss. Purer Stress.

Für manche auch...

...eine ganz schöne Gratwanderung.

Schließlich sind viele Bilder nicht mehr zu löschen.

Wie dieses hier.

Oder dieses.

Das hier oder...

...jenes.

Ehrlich: Politik, das ist kein Couch-Besuch.

Nur ein bisschen die Ärmel hochkrempeln, das reicht nicht.

Und überall böse Fallen, über die man stolpern kann. (Alle Bilder: dpa / Text: Jochen Müter)

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