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Mohammed Merah: Einsatzkräfte erschießen den 23-Jährigen nach einem heftigen Feuergefecht.
Mohammed Merah: Einsatzkräfte erschießen den 23-Jährigen nach einem heftigen Feuergefecht.(Foto: dpa)

Mohammed Merah stirbt durch Kopfschuss: Islamisten bekennen sich zu Attentat

Der Serienmörder von Toulouse ist tot. Scharfschützen erschießen den 23-jährigen Mohammed Merah. Nach seinem Tod bekennt sich eine Al-Kaida-nahe Organisation zu den Attentaten und fordert Frankreich auf, seine "muslim-feindliche Politik" zu beenden. Die französische Rechte wirft dem Präsidenten derweil vor, die islamistische Gefahr zu unterschätzen.

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Nach dem Tod des mutmaßlichen Serienattentäters von Toulouse hat sich eine dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Organisation zu den Anschlägen in Frankreich bekannt. Die Gruppe namens Dschund al-Chilafah ("Die Soldaten des Kalifats") forderte Frankreich in einer im Internet veröffentlichten Botschaft auf, seine "feindliche" Politik gegenüber Muslimen aufzugeben.

Die islamistische Gruppe, die sich in der Vergangenheit zu Anschlägen in Afghanistan und Kasachstan bekannt hatte, stellte ihre Botschaft auf die Website Shamekh, die normalerweise Al-Kaida-Bekennerschreiben veröffentlicht. Darin nannte sie "Jusuf al-Firansi" (Jussuf, der Franzose) als Täter eines Angriffs am Montag, mit dem die Pfeiler "zionistischen Kreuzrittertums" erschüttert worden seien.

Am Montag hatte der Serientäter Mohammed Merah eine jüdische Schule in Toulouse angriffen und drei Kinder und einen Religionslehrer erschossen. Ob Merah mit "Jussuf" identisch ist, ging laut dem US-Unternehmen SITE, das auf die Auswertung islamistischer Websites spezialisiert ist, aus der Botschaft nicht hervor.

Scharfschützen töten Merah

Über 30 Stunden belagerten die Scharfschützen die Wohnung des Attentäters.
Über 30 Stunden belagerten die Scharfschützen die Wohnung des Attentäters.(Foto: dpa)

In Toulouse war zuvor der Wer ist der Täter von Toulouse? von der Polizei getötet worden. Der 23-Jährige hatte sich selbst zu Attentaten mit sieben Toten bekannt. Ein Scharfschütze der französischen Polizei schoss Merah bei seinem Sprung aus dem Fenster in den Kopf. Der Mann war bereits tot, als er am Boden aufschlug. Der zuständige leitende Staatsanwalt Molins sagte, es habe sich um einen Akt legitimer Selbstverteidigung gehandelt. Bei dem fünfminütigen Schusswechsel, bei dem 300 Patronen abgefeuert wurden, wurde auch ein Polizist verletzt. Zwei weitere erlitten einen Schock. Der Attentäter selbst schoss etwa 30 mal  beim Sturm auf seine Wohnung. "Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor ein Feuer von einer derartigen Intensität erlebt hat", sagte der französische Innenminister Claude Guéant.

Wie Guéant weiter mitteilte, kam Merah aus dem Badezimmer, in dem er sich versteckt hielt, und schoss  "mit äußerster Gewalttätigkeit" sofort auf die Einsatzkräfte. Nach einer mehrminütigen Schießerei sprang er dann aus dem Fenster, wobei er mit mit der Waffe in der Hand weiter feuerte. "Er wurde tot auf dem Boden gefunden", sagte Guéant.

Die Elitepolizisten waren kurz vor elf Uhr in die Wohnung von Merah eingedrungen und hatten sich dort langsam vorgetastet. Guéant hatte angeordnet, den 23-Jährigen möglichst lebend zu fassen, um ihn vor Gericht zu stellen.

Die Ermittler gaben derweil bekannt, dass der Serienmörder alle seine Bluttaten offenbar gefilmt hat. Die Aufnahmen seien erschreckend deutlich, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer habe er erklärt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte Dich." Polizisten habe er erklärt: "Wenn ich sterbe, gehe ich ins Paradies - wenn ihr sterbt, Pech für euch!".

Französische Rechte greift Regierung an

Soldaten tragen den Sarg eines von Merah getöteten Fallschirmjägers.
Soldaten tragen den Sarg eines von Merah getöteten Fallschirmjägers.(Foto: AP)

Präsident Sarkozy steigt in der Gunst sagte in einer Fernsehrede, dass alle Versuche, Merah lebend zu fassen, gescheitert seien. "Es hat bereits zu viele Tote gegeben", so Sarkozy. Frankreich habe entschlossen gehandelt und seine Einheit bewahrt. Rachegedanken oder Wut seine jetzt nicht hilfreich, betonte Sarkozy.

Die Regierung werde nun Lehren ziehen. Künftig werde jeder, der im Internet zu Hass aufrufe, bestraft. "Jede Person, die regelmäßig im Internet Webseiten besucht, die den Terrorismus predigen, die zu Hass und Gewalt aufrufen, wird bestraft", sagte Sarkozy. Zudem müsse untersucht werden, ob und wie in Gefängnissen radikales fundamentalistisches Gedankengut verbreitet werde.

Die französischen Rechtsextremisten werfen der Regierung unterdessen vor, ganze Stadtviertel radikalen Islamisten zu überlassen. Die Gefahr werde unterschätzt, sagte die Chefin des Front National, Marine Le Pen, am Donnerstag im Hörfunksender France Info. Sie kritisierte, dass die Bildung fundamentalistischer Netze in manchen Vierteln toleriert werde, nur um den sozialen Frieden nicht zu gefährden. "Die Regierung hat Angst", sagte Le Pen. Sie liegt Umfragen zufolge einen Monat vor der Präsidentenwahl hinter dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und dessen sozialistischem Herausforderer Francois Hollande.   

Merah verschanzte sich stundenlang

Mit der Erstürmung der Wohnung ging ein mehr als 32-stündiger Nervenkrieg zu Ende. Seit Mittwochmorgen hatte sich Merah in einer Wohnung in Toulouse verschanzt gehalten. Mehrere Versuche, die Wohnung zu stürmen, waren gescheitert: Der schwer bewaffnete Mann schoss Mittwoch früh durch die Tür auf die Polizisten und verletzte zwei von ihnen leicht.

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Am Mittwochabend hatten sich bereits die Zeichen verdichtet, dass Merah trotz mehrerer Ankündigungen nicht aufgeben würde. Er kündigte an, so viele Menschen wie möglich mit in den Tod zu reißen. Daraufhin schaltete die Polizei in dem Stadtviertel, in dem er sich verschanzt hatte, komplett den Strom ab und zog weitere Kräfte zusammen.

Der Franzose algerischer Abstammung bekannte sich zu den drei Angriffen, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet wurden, darunter drei jüdische Kinder. Außerdem erklärte er, dass er für Mittwoch noch weitere Anschläge geplant hätte. Offenbar wollte er einen weiteren Soldaten sowie zwei Polizisten töten.

Merah bezeichnete sich selbst als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida. In Gesprächen mit den Sicherheitskräfte zeigte er keine Reue, vielmehr bedauerte er, dass er nicht noch mehr Menschen habe töten können. Seine Attentate glorifiziere er mit den Worten, er habe "Frankreich in die Knie gezwungen".

Kaltblütige Morde

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Der hatte am 11. März zum ersten Mal zugeschlagen: In Toulouse erschoss er auf offener Straße einen Fallschirmjäger in Zivil. Wenige Tage später tötete er im nahegelegenen Montauban zwei weitere Fallschirmjäger. Wieder in Toulouse tötete er am Montag bei einem Angriff auf eine jüdische Schule Opfer von Toulouse beerdigt . Guéant sagte später, der Mann habe die jüdische Schule nach eigenen Angaben nur angegriffen, weil er keinen weiteren Soldaten zum Töten "gefunden" habe.

Staatsanwalt Molins bestätigte, dass Merah zweimal in Afghanistan und in Pakistan war, dass er aber "ein untypisches Profil salafistischer Selbstradikalisierung" aufweise. Er sei mit eigenen Mitteln und nicht über die bekannten Netzwerke nach Afghanistan gekommen. Der Mann habe auch behauptet, von Al-Kaida in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet worden zu sein.

Wegen seiner Reisen nach Afghanistan und Pakistan war Merah im November 2011 in Toulouse vom französischen Inlandsgeheimdienst befragt worden. Er sprach aber von einer touristischen Reise und untermauerte dies mit Fotos. Auch Merahs Mutter stand seit Längerem wegen ihrer Nähe zu Sicherheitsbehörden sind besorgt unter Beobachtung. Sie und die beiden Schwestern und Brüder Merahs wurden am Mittwoch festgenommen. Ein Bruder sympathisiert nach Angaben des französischen Innenministers ebenfalls mit den extremistischen Salafisten.

Immer mehr Einzeltäter

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Der Nahost-Experte "Gibt Tendenz zum Einzeltäter" vor einer "besorgniserregenden Entwicklung" hin zu terroristischen Einzeltätern. Dies erschwere die Arbeit der Ermittler, da es zunächst keine Indizien für die Polizei gebe. Lüders betont, dass das Verhältnis vieler Einwanderer zu Frankreich gestört sei. Die Einwanderer "haben sozial so gut wie gar keine Aufstiegschancen". Gerade der mit hunderttausenden Toten wirke immer noch nach. Ob Merah tatsächlich in Verbindung zu Al-Kaida steht, hält Lüders allerdings für zweifelhaft.

Quelle: n-tv.de

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