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Die Netzbetreiber rechneten mit 20 Milliarden Investitionskosten.
Die Netzbetreiber rechneten mit 20 Milliarden Investitionskosten.(Foto: dpa)

Netzagentur dampft Leitungspläne ein: Drei Stromautobahnen reichen

Die Zahlen liegen auf dem Tisch, jetzt können Bund und Länder loslegen. Laut Bundesnetzagentur sind für die Energiewende sehr viel weniger Stromleitungen nötig, als bisher gedacht. Die Pläne der Netzbetreiber werden kräftig gestutzt.

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Das erste Konzept für den Ausbau des Stromnetzes steht: Laut Bundesnetzagentur sind vorerst nur drei statt vier Stromautobahnen mit einer Gesamtlänge von 2800 Kilometern nötig, um die Energiewende bis 2022 zu schaffen. Präsident Joche n Homann übergab Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) den Entwurf für den ersten nationalen Netzentwicklungsplan, der als zentraler Baustein für das Mammutprojekt gilt.

Die Netzagentur hat die Pläne der vier Übertragungsnetzbetreiber darin deutlich zusammengestrichen. So seien aus heutiger Sicht nur 2800 statt 3800 Kilometer neue Stromautobahnen erforderlich, um den Atomausstieg bis 2022 zu bewältigen, sagte Homann.

Unter anderem stellten die Experten den Bau der rund 300 Kilometer lange Stromautobahn von Wehrendorf in Niedersachsen nach Urberach in Hessen zurück. Zudem hält es die Behörde zunächst nur für notwendig, 2900 statt 4400 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so zu optimieren, dass sie fit werden für die schwankende Ökostromeinspeisung.

Minister ist zufrieden

Rösler sprach von einem "Meilenstein" für den Umbau der Energieversorgung. "Nun besteht Klarheit darüber, welche Projekte im Übertragungsnetz realisiert werden." Noch in diesem Jahr will die Regierung einen Entwurf für das Bundesbedarfsplangesetz auf den Weg bringen, um auf dieser Grundlage mit den Planungs- und Genehmigungsverfahren nach dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz zu beginnen.

"Im Ergebnis bestätigen wir heute nur die Netzausbauvorhaben, die nach strengen Kriterien auch unter veränderten energiewirtschaftlichen Bedingungen unverzichtbar sind", sagte Homann. Das bedeute, dass in den nächsten Jahren durchaus weitere Projekte hinzukommen könnten - vor allem, wenn sich die Bundesregierung mit den Ländern auf einen nationalen Ausbauplan verständigt habe. Insgesamt werden Kosten von 20 Milliarden Euro veranschlagt.

Radikal eingedampft

Neben der Stromautobahn von Niedersachsen nach Hessen hat die Netzagentur auch die Pläne zum Ausbau des Wechselstromnetzes um mehrere hundert Kilometer zusammengestrichen. Andere Trassen wiederum wurden umgeplant, von den 74 Maßnahmen, die die Netzbetreiber für notwendig halten, wurden nur 51 bestätigt.

Kanzlerin Angela Merkel habe sich Anfang November beim Energiegipfel mit den Ländern darauf verständigt, bis zum Sommer 2013 eine abgestimmte Strategie vorzulegen, sagte Homann. Diesem Zeitplan habe man nun Rechnung getragen.

In den vergangenen Wochen hatten die Bürger zum zweiten Mal die Gelegenheit gehabt, ihre Meinung zu den Plänen zu äußern. Rund 3300 Stellungnahmen sind in die Planung eingeflossen. Mindestens alle drei Jahre soll die Bundesregierung einen neuen Entwurf vorgelegt bekommen, der immer wieder aktualisiert wird.

Quelle: n-tv.de

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