Missbrauch-HotlineDrei Tage, 13.000 Anrufe
Große Resonanz auf die Hotline der katholischen Kirche für Missbrauchsopfer: Dort melden sich weit mehr Menschen als erwartet. Bislang konnten erst etwa 18 Prozent der Anfragen beantwortet werden. Die Zahlen zeigten "die Dimension des Problems", sagte ein Bistumssprecher.
Bei der Hotline der katholischen Kirche für Missbrauchsopfer melden sich weit mehr Menschen als von den Organisatoren erwartet: Vor der Osterpause seien von Dienstag bis Donnerstag vergangener Woche 13.293 Anrufversuche von 2670 Anschlüssen registriert worden, sagte ein Sprecher des Bistums Trier. Die Berater hätten 394 Telefongespräche geführt und in 91 weiteren Fällen online beraten. "Mit einer derart großen Resonanz hatten wir nicht gerechnet", sagte der Sprecher Stephan Kronenburg.
Nach seinen Angaben konnten die Berater bislang erst etwa 18 Prozent der Anfragen beantworten. Anrufer, die nicht sofort durchkommen, können ihre Nummer für einen Rückruf hinterlassen.
Fälle aus den 60er oder 70er Jahren
In erster Linie meldeten sich Opfer oder Angehörige von Opfern bei der Hotline (Tel.: 0800 - 120 1000). "Das Angebot wird im Wesentlichen von denen wahrgenommen, für die es gedacht ist." Wie sich die Anrufe inhaltlich aufteilten, sei schwer zu sagen, meinte Kronenburg. Es sei aber auffallend, dass nicht nur das Thema Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter eine Rolle spiele, sondern auch das Thema Misshandlung. "Aber da sind die Grenzen ja fließend." Wenn etwa ein Schüler mit einem Stock auf das nackte Gesäß geschlagen worden sei, stelle sich auch die Frage, wo der sexuelle Missbrauch beginne. Im Wesentlichen würden Fälle aus den 60er oder 70er Jahren geschildert.
Betreut wird das am Dienstag vergangener Woche im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz gestartete Angebot von der Lebensberatung des Bistums Trier, die dafür geschulte Berater und Therapeuten einsetzt. Der Bistumssprecher wies auch darauf hin, dass es schon länger eine gesonderte Hotline für ehemalige Heimkinder gibt (Tel.: 01804 - 100 400).
Die Zahlen zeigten "die Dimension des Problems", sagte der Sprecher. Andererseits sei positiv zu bemerken, dass das Angebot überhaupt angenommen werde. In den kommenden zwei bis drei Wochen werde sich nun zeigen, ob die Zahlen auf dem bisherigen Niveau blieben und man möglicherweise mehr Berater einsetzen müsse.