Politik
Video

Der Mann mit heller Jacke und Hut: Dritter Airport-Attentäter gefasst

Wichtiger Fahndungserfolg in Belgien: Bei der Suche nach flüchtigen Terrorverdächtigen geht Ermittlern einer der mutmaßlichen Terroristen vom Brüsseler Flughafen ins Netz. Die Staatsanwaltschaft bestätigt: Faycal C. sitzt in Haft.

Die belgischen Behörden haben einen der drei mutmaßlichen Attentäter vom Brüssel Flughafen Zaventem verhaftet. Bei dem in der Nacht auf Freitag festgenommenen Terrorverdächtigen namens  Faycal C. handele es sich um jenen Mann, der auf Bildern einer Überwachungskamera neben den beiden Selbstmordattentätern zu sehen ist, bestätigte die Brüsseler Staatsanwaltschaft.

Video

C. ist bisher der einzige mutmaßliche Terrorist der Brüsseler Anschlägen, der identifiziert und lebend gefasst werden konnte. Von seiner Vernehmung erhoffen sich Fahnder neue Hinweise auf das Ausmaß der islamistischen Terrorzelle, die für die Attentate mit 31 Toten und knapp 300 Verletzten verantwortlich gemacht wird.

Der dringend tatverdächtige Mann sei von dem Taxifahrer identifiziert worden, der das Terrorkommando zum Flughafen gebracht hatte, berichtete die Zeitung "Le Soir" unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen berichtet. Seit dem Bombenanschlag am Brüsseler Flughafen am Dienstag mit mindestens 11 Toten hatten die Behörden fieberhaft nach dem Mann gesucht - unter anderem mit Bildern einer Überwachungskamera. Bei C. soll es sich um jenen dritten Mann handeln, der auf Bildern neben den beiden späteren Selbstmordattentätern zu sehen ist.

C. ist demnach vom Betrachter aus rechts neben dem 24-jährigen Najim Laachraoui und dem 29-jährigen Ibrahim El Bakraoui mit weißer Jacke und schwarzem Hut zu sehen. Laachraoui und Bakraoui starben bei der Explosion der beiden Sprengsätze in der Abflughalle.

Warum C. offenbar kurz nach Beginn des Anschlags vom Tatort floh, ist bislang unklar. Als gesichert gilt bislang nur, dass er zusammen mit seinen beiden Komplizen insgesamt drei Sprengsätze in die Abflughalle des Brüsseler Flughafens brachte. Zwei der Bomben explodierten, eine dritte Tasche voller Sprengstoff wurde später ungezündet aufgefunden.

In letzter Sekunde umentschieden?

Dass die Attentäter am Flughafen tatsächlich zu dritt waren, ist auch durch Zeugenaussagen gut belegt. Der Taxifahrer, der die drei Männer zum Flughafen brachte, hatte seine Fahrgäste auf den Aufnahmen der Überwachungskameras zweifelsfrei wiedererkannt. Sie hätten sich beim Aussteigen auffällig benommen und hätten sich auch mit ihren schweren Taschen nicht helfen lassen wollen. Der auffallend gekleidete "dritte Mann" ließ offenbar von de Vorhaben ab, sich wie seine Komplizen in die Luft zu sprengen.

Video

Mit der Festnahme kann die belgische Polizei einen wichtigen Fahndungserfolg verbuchen: Nach den Anschlägen vom vergangenen Dienstag wäre damit nur noch ein Terrorverdächtiger auf der Flucht. Ermittler vermuten nämlich, dass der Selbstmordattentäter, der seinen Sprengsatz in einer Metro-Station Maelbeek in der Brüsseler Innenstadt gezündet hatte, möglicherweise in Begleitung eines weiteren, bislang unbekannten Attentäters unterwegs war.

Hinweise aus Athen

Die belgischen Behörden sehen sich wachsender Kritik ausgesetzt, bei der Terrorabwehr wichtige Hinweise nicht rechtzeitig oder energisch genug nachgegangen zu sein. Zuletzt wurde bekannt, dass es offenbar bereits lange vor den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt klare Warnungen vor entsprechenden Attentatsplänen gab.

Die griechische Polizei soll bereits vergangenes Jahr in zwei Wohnungen in Athen Pläne entdeckt haben, die auf einen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel hindeuteten. Bereits damals seien die belgischen Behörden informiert worden, berichtete der Athener Nachrichtensender Skai unter Berufung auf die griechische Polizei.

Unter anderem sei in Athen auch eine Karte des Flughafens von Brüssel gefunden worden. Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen von Abdelhamid Abaaoud entdeckt, der als mutmaßlicher Drahtzieher der November-Anschläge von Paris gilt. Eine offizielle Erklärung der Polizei dazu gab es zunächst nicht.

Abaaoud gilt als führender Kopf der Attentatsserie vom 13. November mit 130 Toten. Er kam wenige Tage nach den Anschlägen bei einer Razzia im Pariser Stadtteil St. Denis während eines mehrstündigen Feuergefechts mit Spezialeinsatzkräften der französischen Polizei ums Leben.

Unterdessen läuft die Fahndung nach den Anschlägen von Brüssel unter Hochdruck weiter. Ermittler suchen zudem europaweit nach Komplizen, Hintermännern und Unterstützern der Islamisten. Am Karfreitag wurden in Belgien, Frankreich und Deutschland fast ein Dutzend Verdächtige festgenommen. Bei den Anschlägen am Flughafen und in der Metro wurden am Dienstag 31 Menschen getötet und etwa 300 verletzt. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Aachen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen