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Die UN ruft dazu auf, mit IS keine Ölgeschäfte zu betreiben - damit der Westen die Bewegung nicht finanziert.
Die UN ruft dazu auf, mit IS keine Ölgeschäfte zu betreiben - damit der Westen die Bewegung nicht finanziert.(Foto: dpa)

Staudamm in Händen von IS: Dschihadisten kommen Bagdad näher

Die radikalislamische Bewegung IS weitet ihr Einflussgebiet im Irak immer weiter aus - mehrere Städte fallen in die Hände ihrer Kämpfer. Ein eroberter Staudamm könnte Bewohner in Mossul bedrohen. Die IS rückt immer weiter an die irakische Hauptstadt Bagdad heran.

Die Extremisten der sunnitischen Bewegung Islamischer Staat, kurz IS, haben binnen weniger Tage drei Städte im Nordirak erobert und setzen damit die in der Region regierenden Kurden immer stärker unter Druck. Die Städte Sumar, Sindschar und Wana sowie der Mossul-Staudamm und ein Ölfeld samt Raffinerie seien den Rebellen in die Hände gefallen, berichteten Augenzeugen und Vertreter der kurdischen Verwaltung. Auf ihrer Internetseite erklärte die radikalislamische Organisation, sie habe zahlreiche kurdische Kämpfer getötet und neben den Städten auch zwölf Dörfer eingenommen.

Heikle Situation: Der Mossul-Staudamm könnte zur Bedrohung werden.
Heikle Situation: Der Mossul-Staudamm könnte zur Bedrohung werden.(Foto: dpa)

Sindschar liegt an der syrischen Grenze. Die kurdischen Peschmerga hätten sich aus der Stadt zurückziehen müssen, sagte ein Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Nach UN-Angaben flohen 200.000 Menschen vor den Dschihadisten. Nun warteten die kurdischen Kämpfer in den Bergen auf Verstärkung. Die UN-Mission im Irak äußerte sich äußerst besorgt über die Eroberung der Stadt durch die sunnitischen Extremisten. "Eine humanitäre Tragödie spielt sich in Sindschar ab", warnte der UN-Sondergesandte für den Irak, Nickolay Mladenov. Die UNO habe "ernste Sorgen" über die Sicherheit der Zivilisten in der Stadt.

Schwarze Flagge weht

Die Eroberung des größten Staudamms des Landes ist zudem von erheblicher strategischer Bedeutung. Sollten die Extremisten die Staumauer sprengen, wäre die nahe gelegene Großstadt Mossul von einer Flutwelle bedroht, die Zehntausende Menschenleben in Gefahr brächte. In Sumar hissten die Extremisten auf Gebäuden die schwarze Flagge des Islamischen Staates. In anderen von ihnen eroberten Städten folgten auf dieses Ritual Massenhinrichtungen und die Durchsetzung fundamentalistisch-islamischer Vorschriften.

Die früher als Isis bekannte Bewegung Islamischer Staat hatte im Juni den Norden Iraks im Handstreich unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen. Viele irakische Soldaten desertierten angesichts der Offensive der Extremisten oder liefen zu ihnen über. Die Hoffnungen der Zentralregierung, aber auch der USA und anderer westlicher Staaten ruhte danach auf der Kampfkraft der Kurden. Bei den Gefechten der vergangenen Tage hätten die kurdischen Peschmerga-Milizen den Islamisten aber kaum etwas entgegenzusetzen gehabt, berichteten Augenzeugen.

Bagdad rückt näher

Derzeit steht der Islamische Staat rund 100 Kilometer vor Bagdad und droht, auch die Hauptstadt einzunehmen. Zuvor hatten die Islamisten den Bürgerkrieg in Syrien ausgenutzt, um dort in einigen Gebieten ihre fundamentalistische Herrschaft zu errichten. Im Irak finden sie teilweise bei den Sunniten Unterstützung, die sich von der Mehrheit der Schiiten im Land unterdrückt fühlen. Die Schiiten dominieren die Regierung in Bagdad.

Die autonome Kurdenregion im Norden Iraks hat die USA um Waffen gebeten, um sich gegen die Kämpfer des Islamischen Staats zur Wehr setzen zu können. Ein entsprechendes Ersuchen sei von einer kurdischen Delegation Anfang Juli in Washington vorgetragen worden, hieß es in Kreisen der kurdischen und der US-Führung. Die USA hätten zugesagt zu prüfen, wie die Verteidigungsfähigkeit der Kurden verbessert werden könne.

Quelle: n-tv.de

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