Politik

"Schraube im Getriebe"Duch zeigt Reue

25.11.2009, 18:03 Uhr
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In dem Gefängnis, dem Duch vorstand, kamen tausende Menschen um. (Foto: dpa)

Angst habe er gehabt, sagt Kaing Guek Eav, genannt "Duch". Deswegen habe er grausame Befehle befolgt. Der Folterchef der kambodschanischen Roten Khmer gesteht aber auch seine Schuld ein. Er sei verantwortlich für den "Verlust von mindestens 12.380 Leben".

Im ersten Prozess gegen ein führendes Mitglied der Roten Khmer hat der Folterchef des früheren maoistischen Regimes in Kambodscha Reue für die Verbrechen in seinem Verantwortungsbereich bekundet. Er allein trage die Schuld für tausende Tote im berüchtigten Gefängnis Tuol Sleng ("S-21"), sagte der als "Duch" bekannte Kaing Guek Eav in seinem Schlusswort vor dem von den Vereinten Nationen unterstützten Tribunals.

Er sei überzeugt gewesen, für die Befreiung Kambodschas vom US-Imperialismus zur Zeit des Vietnam-Kriegs zu kämpfen. Stattdessen habe er sich als Teil einer kriminellen Vereinigung wiedergefunden, die ihr eigenes Volk in abscheulicher Weise zerstört habe, sagte der heute 67-Jährige, der früher als Mathematik-Lehrer gearbeitet hatte. "Ich war wie eine Schraube im Getriebe eines Autos, die nicht herausgelöst werden konnte."

Im Laufe des Prozesses hatte Duch erklärt, er habe nicht persönlich gefoltert oder gemordet. Auch sei er aus Angst um sein eigenes Leben Befehlen gefolgt. "Ich bereue zutiefst und bin sehr bewegt von dieser Zerstörung", sagte er. "Ich bin allein und persönlich verantwortlich für den Verlust von mindestens 12.380 Leben." Wissenschaftler gehen von mehr als 14.000 getöteten Häftlingen des Lagers Tuol Sleng aus. Nur sieben Menschen überlebten die Haft dort.

Urteil bis März

Die Anklage hat 40 Jahre Haft für Duch gefordert. Opferanwälten zufolge hatte er weitreichende Befugnisse und nutzte sie nicht, um die Folter in dem Gefängnis zu verhindern. Die Verteidigung kritisierte dagegen, er werde willkürlich verfolgt, während die Verantwortlichen für weit größere Gefängnisse bis heute nicht belangt worden seien.

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Der Prozess stößt auf großes öffentliches Interesse - Kambodschaner warten vor dem Gericht auf Einlass. (Foto: AP)

Dem Angeklagten werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Sklaverei und Folter zur Last gelegt. Das Urteil in seinem Verfahren wird bis März erwartet. Duch ist der erste von fünf Vertretern des Pol-Pot-Regimes in den 1970er Jahren, denen das Gericht in Phnom Penh den Prozess machen will. Unter dem Regime starben 1,7 Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung Kambodschas.

Quelle: rts