Politik
Eine preiswerte Wohnung in Berlin zu finden, das wird immer schwieriger.
Eine preiswerte Wohnung in Berlin zu finden, das wird immer schwieriger.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 19. Mai 2017

6,40 Euro je Quadratmeter: Durchschnittsmieten in Berlin steigen kräftig

"Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin": Der dem Komponisten Franz von Suppé zugeschriebene Satz hat kaum an Aktualität eingebüßt. Und seit es wirtschaftlich aufwärts geht, ist die Hauptstadt noch begehrter. Das hat Folgen auf dem Wohnungsmarkt.

Begehrtes Berlin: Die hohe Nachfrage auf dem knappen Wohnungsmarkt hat die Mieten in der Hauptstadt kräftig in die Höhe getrieben. Sie kletterten binnen zwei Jahren um fast zehn Prozent auf einen Durchschnittswert von knapp 6,40 Euro pro Quadratmeter, wie Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher bei der Vorstellung des neuen Mietspiegels für die Hauptstadt mitteilte. Laut Eigentümerverband Haus & Grund ist das Mietniveau tatsächlich noch höher.

Im Vergleich zum Mietspiegel 2015 kletterten die Mieten demnach jährlich um 4,6 Prozent. Die durchschnittliche Nettokaltmiete stieg von 5,84 Euro pro Quadratmeter auf 6,39 Euro monatlich. Die Senatorin nannte sowohl die anhaltende Anziehungskraft der Hauptstadt als auch die Wohnungsknappheit als Gründe hierfür.

Abhilfe schaffen müsse der weitere Neubau insbesondere von preiswerten Wohnungen, erklärte Lompscher weiter. Die Linken-Politikerin kritisierte zudem die "begrenzten Möglichkeiten der Mietpreisregulierung" und forderte die Bundespolitik auf, Mieterhöhungsmöglichkeiten stärker zu begrenzen.

In Berlin gilt zwar seit fast zwei Jahren die Mietpreisbremse, wonach die Miete bei Wiedervermietung die ortsübliche Vergleichsmiete höchstens um zehn Prozent überschreiten darf. Doch dies können Mieter nur sehr selten überprüfen, wie auch Bundesjustizminister Heiko Maas kürzlich einräumte: "Es hat sich gezeigt, dass Vermieter die Vormiete bei neuen Interessenten nicht nennen." Er will die Mietpreisbremse daher verschärfen und unter anderem den Vermieter künftig dazu verpflichten, von sich aus automatisch die Vormiete offenzulegen.

Verband erkennt Zahlenwerk nicht an

Der Vorsitzende des Berliner Landesverbands Haus & Grund, Carsten Brückner, erklärte dagegen, nur private Investitionen in Wohnraum würden den Bedarf in den nächsten 25 Jahren decken können. Er kritisierte hier "schwerfällige Genehmigungsverfahren" wie Erschwernisse beim Dachgeschossausbau, die zur Wohnungsknappheit und damit zu höheren Mieten beitrügen.

Haus & Grund Berlin erkennt den Mietspiegel 2017 für die Hauptstadt nicht an. Lediglich 75 Prozent der am Stichtag (1. September 2016) erhobenen Daten hätten Berücksichtigung gefunden, kritisierte Brückner. "Das führt zu einem Bild, das nicht der Wirklichkeit entspricht, um das Mietniveau künstlich zu senken." Der Verband bemängelt zudem den Wegfall wohnwerterhöhender Eigenschaften im neuen Mietspiegel: Ein Aufschlag wegen Sondermerkmalen wie Stuck, Parkett oder Balkon war nicht mehr möglich. Dafür stiegen allerdings die Oberwerte im aktuellen Mietspiegel.

Ein Mietspiegel bietet Mietern und Vermietern eine aktuelle Orientierung über die ortsüblichen Mietpreise. Anhand des Mietspiegels können Mieter Forderungen nach einer höheren Mietzahlung überprüfen.

Quelle: n-tv.de

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