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Täglich versuchen Flüchtlinge, über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland zu gelangen.
Täglich versuchen Flüchtlinge, über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland zu gelangen.(Foto: picture alliance / dpa)

Zwei Unglücke vor türkischer Küste: Dutzende Flüchtlinge ertrinken in der Ägäis

Erneut kommen Flüchtlinge auf dem gefährlichen Weg von der Türkei nach Griechenland ums Leben. Laut Berichten ertrinken bei zwei Bootsunglücken mehr als 30 Menschen. Am Wochenende mussten Hunderte aus den Fluten gerettet werden.

Beim Untergang von zwei Flüchtlingsbooten sind in der türkischen Ägäis mindestens 38 Menschen ertrunken, darunter elf Kinder. Vier Migranten seien gerettet worden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Ein Boot sei von der Küste des westtürkischen Bezirks Edremit aus gestartet, das zweite weiter südlich vom Bezirk Dikili bei Izmir. Ziel sei die nur wenige Kilometer entfernt liegende griechischen Insel Lesbos gewesen. Zur Nationalität der Flüchtlinge machte DHA keine Angaben.

Die Türkei ließ derweil die Grenze für Zehntausende Syrer aus dem umkämpften Aleppo weiterhin geschlossen. Das Land hat nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Flüchtlinge alleine aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufgenommen. Viele Migranten wagen trotz schlechter Wetterbedingungen die gefährliche Überfahrt nach Griechenland. Bei stürmischen Winden wurden alleine am Wochenende 573 Migranten aus den Fluten gerettet. Dies teilte die griechische Küstenwache mit. Es sei "großes Glück" gewesen, dass niemand ertrunken sei, sagte ein Offizier der Küstenwache. Am Morgen kamen in Piräus bereits 530 neue Migranten von den griechischen den Inseln an. Die meisten von ihnen wollen sie nach Mitteleuropa weiterfahren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich am Montag mit der türkischen Führung, um über die Flüchtlingskrise zu sprechen und plädierte unter anderem für eine Nato-Beteiligung bei der Seeüberwachung. Die Türkei hatte der EU Ende vergangenen Jahres zugesagt, die Seegrenzen besser zu schützen. Im Gegenzug hat die EU der Türkei mindestens drei Milliarden Euro für die Versorgung der Flüchtlinge versprochen.

An der Grenze zu Syrien wird die Situation für Zehntausende Flüchtlinge, die auf Einlass in die Türkei warten, inzwischen immer schwieriger. Es mangele an Unterkünften, Trinkwasser und sanitären Einrichtungen, sagte die Leiterin der Syrien-Mission von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Muskilda Zancada. Ein syrischer Medienaktivist, der ungenannt bleiben wollte, berichtete aus der Region um Asas, die Flüchtlinge suchten in Zelten, Moscheen oder anderen Gebäuden Zuflucht, um sich vor Regen und Kälte zu schützen. Sie lebten von den Vorräten, die sie auf die Flucht mitgenommen hätten.

Proteste gegen Hotspots in Griechenland

Die russischen Luftangriffe nördlich von Aleppo in den vergangenen Tagen seien die heftigsten gewesen, die er bislang erlebt habe. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, bei den Bombardements auf Aleppo seien am Montag mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die Türkei verweigert den Flüchtlingen bislang den Grenzübertritt, versorgt sie jedoch nach eigenen Angaben auf der syrischen Seite. Der Sprecher der regierungsnahen Hilfsorganisation IHH, Mustafa Özbek, sagte, es seien in Syrien zwei neue Flüchtlingslager - zusätzlich zu 18 schon bestehenden - errichtet worden.

Die IHH versorge Tausende Menschen mit Essen, Decken und Zelten. Er räumte jedoch ein, dass einige Hilfesuchende unter freiem Himmel schlafen müssten. Die Menschen hätten zudem Angst vor Luftangriffen und Kämpfen in der Region. Die syrische Armee und ihre Verbündeten waren in der vergangenen Woche mit Hilfe russischer Luftschläge im Norden des Landes vorgerückt und hatten die neue Massenflucht ausgelöst.

Auf der Insel Kos und nahe Piräus und Thessaloniki dauerten unterdessen Proteste gegen den Bau von Registrierzentren ("Hotspots") und Aufnahmelagern an. Bei Thessaloniki blockieren Demonstranten die Zufahrt zu einer verlassenen Kaserne, in der ein Zentrum für 4000 Migranten entstehen soll. Rechtsgerichtete Demonstranten aus Keratsini demonstrierten gegen den Bau eines Zentrums in der Region Pyräus. Autonome organisierten eine Gegendemonstration, wie das Fernsehen zeigte. Griechenland drückt nach monatelanger Verzögerungen beim Bau der Registrierzentren nun aufs Gas. Ein Hotspot auf Lesbos ist fertig. Vier weitere sollen bis Monatsende auf den Inseln Chios, Samos, Leros und Kos entstehen.

Quelle: n-tv.de

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