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(Foto: picture alliance / dpa)

Attacke auf Polizeischule: Dutzende Tote bei Anschlag in Libyen

Erneut ist das seit Jahren vom Chaos beherrschte Libyen von einem Sprengstoffanschlag erschüttert worden. Erste Berichte sprechen von bis zu 50 Toten. Unter den Opfern sind vor allem junge Rekruten.

Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Trainingscamp der Polizei in Westlibyen sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Lana sprach von mindestens 50 Toten und 127 Verletzten. Ein Krankenhaus bezifferte die Zahl der Getöteten auf mindestens 65. Vor der Einrichtung in Sliten sei ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen detoniert, als sich dort Hunderte Rekruten versammelt hätten, sagte der Bürgermeister der Stadt, Miftah Lahmadi. Wer für die Tat verantwortlich ist, war zunächst unklar.

Nach Angaben des UN-Sondergesandten für Libyen, Martin Kobler, sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit der Bombe in die Luft. Kobler rief die Libyer bei Twitter dazu auf, sich "im Kampf gegen den Terrorismus rasch zu vereinen".

Libyen versinkt nach dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 im Chaos. Zwei Regierungen konkurrieren um die Vorherrschaft, und mehrere Milizen bekämpfen sich. Im Dezember unterzeichneten Vertreter der beiden Regierungen zwar ein von den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen Übergangsregierung. Außerdem sollen ein neues Parlament gewählt und eine Verfassung verabschiedet werden. Das Abkommen ist aber in den konkurrierenden Parlamenten noch umstritten.

Ähnliche Angriffe waren in der Vergangenheit vom libyschen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verübt worden. Der IS beherrscht in dem Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte. Sliten ist allerdings nicht für die Anwesenheit von Dschihadisten bekannt.

Sliten, eine vergleichsweise wohlhabende Handelsstadt in dem ölreichen Land, ist allerdings nicht dafür bekannt, Zufluchtsort für Dschihadisten zu sein. "Wir haben Informationen, dass vor zwei Tagen ein Boot in der Stadt angekommen ist, das Fremde an Bord hatte", sagte eine Sicherheitsquelle in der Stadt der dpa. Am gestrigen Mittwoch hätten Sicherheitskräfte versucht, alle Menschen ausfindig zu machen, die sich illegal in der Stadt aufhielten. 2Aber leider konnten wir dieses Desaster nicht stoppen."

Quelle: n-tv.de

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