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Falsche Angaben auf Verpackung: EU billigt Schummelei bei Glühlampen

Seit Jahren weiß die EU-Kommission, dass Hersteller von Glühlampen die Verbraucher bewusst täuschen. Ihre Produkte verbrauchen wesentlich mehr Strom und liefern weniger Licht als angegeben.

Viele Glühlampen verbrauchen deutlich mehr Strom und liefern auch deutlich weniger Licht als auf der Packung steht. Leuchtenhersteller haben offenbar über Jahre EU-Vorschriften ausgenutzt, die ihnen erlauben, hohe Toleranzen bei den Verbrauchsangaben auf die tatsächliche Leistung aufzuschlagen. Damit ist es den Firmen möglich, für ihre Waren bessere Leistungsdaten auszuweisen. Der EU-Kommission ist diese legale Schummelei der Hersteller bereits seit vier Jahren bekannt. Sie duldet die Tricks aber immer noch. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung.

"In der Tat haben wir 2011/2012 herausgefunden, dass Leuchtenhersteller diese Toleranzen auf die Leistung, die sie für ihre Lampen messen, aufschlagen", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission dem Blatt. So seien die Vorschriften zwar nicht gedacht, aber sie würden dieses Vorgehen nicht ausdrücklich ausschließen. Die Brüsseler Behörde werde deshalb die Ökodesign-Anforderungen für Lampen nächstes Jahr überarbeiten. Als Vorsichtsmaßnahme werde die Kommission zudem ein Paket von Änderungen für alle anderen Produkte innerhalb der Ökodesign-Richtlinie verabschieden, um auch hier die Verwendung von Toleranzen zu klären. Die Vorbereitung dafür habe aufgrund der Komplexität der Änderungen länger gedauert als erwartet, hieß es.

Hersteller bürden Verbrauchern zwei Milliarden auf

Der größte deutsche Leuchtmittelhersteller Osram räumte auf Nachfrage ein, Toleranzen zu nutzen, sie aber nicht voll auszuschöpfen. "Wir legen Maßstäbe an, die immer etwas besser sind als die gesetzlichen Vorgaben", sagte ein Sprecher. Würden diese nun verschärft, bedeute das auch mehr Ausschuss in der Produktion – was die Lampen teurer mache. Der europäische Umweltschutz-Dachverband EEB geht davon aus, dass die Hersteller den Verbrauchern durch die frisierten Angaben Mehrkosten von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich aufbürden, weil die Lampen in Wahrheit mehr Strom verbrauchten als von den Firmen deklariert.

Drei Angaben müssen Leuchtmittel-Hersteller auf der Verpackung ausweisen: die Leistung der Leuchte in Watt, die Helligkeit in Lumen und das Energie-Label, das die Effizienz auf einer Skala von A bis G vermerkt. Alle Werte werden im Labor erhoben. Der Trick: Für jede Produktkategorie gibt es dabei Fehlertoleranzen für die Messung. In der EU-Richtlinie für das Energie-Label, das die Effizienz angibt, wurde das Schlupfloch der Toleranzen bereits 2012 geschlossen; bei der Ökodesign-Richtlinie, auf deren Basis die Watt- und Lumen-Angaben erhoben werden, aber nicht. Die Konsequenz: Viele Lampen rutschten zwar auf der Buchstaben-Skala nach unten, die Angaben zu Leistung und Leuchtkraft blieben aber unverändert. Die Angaben passen deshalb nicht mehr zusammen.

Das Schlupfloch gilt für alle Typen von Haushalts-Leuchten, Halogen- genauso wie Energiespar- oder LED-Lampen. Es hat die alte Glühbirne aber nicht mehr retten können. Diese ist seit Sommer 2012 in Europa passé, weil sie trotzdem zu ineffizient war. Zudem werden laut EEB auch bei etwa 30 weiteren Produktkategorien hohe Messtoleranzen angelegt, etwa Wasserboiler oder Waschmaschinen. 

Quelle: n-tv.de

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