Politik
Bestätigen die neuen Zeugen Edathys Aussage?
Bestätigen die neuen Zeugen Edathys Aussage?(Foto: picture alliance / dpa)

SPD unter Druck: Edathy überrascht mit neuen Zeugen

Von Christian Rothenberg

Neue Brisanz im Fall Edathy: Der frühere SPD-Abgeordnete will im Herbst 2013 mehreren Vertrauten erzählt haben, Hinweise von Hartmann und Ziercke zu erhalten. Stimmt das - oder plante Edathy seine Inszenierung nur erstaunlich früh?

Nach der ersten Sitzung des Untersuchungsausschusses in diesem Jahr könnte der Fall des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy eine neue Wendung nehmen. CDU-Obmann Armin Schuster bestätigte gegenüber n-tv.de, dass Edathy in der nicht-öffentlichen Sitzung am späten Donnerstagabend namentlich "bis zu sechs neue Zeugen" benannte. Darunter befinden sich sein Anwalt Christian Noll, ehemalige Büroleiter und Freunde des 45-Jährigen.

Edathy will diese Personen bereits im November und Dezember 2013 darüber informiert haben, dass er vom SPD-Innenexperten Michael Hartmann über die Kinderporno-Ermittlungen gegen ihn auf dem Laufenden gehalten werde und dieser seine Informationen wiederum von dem damaligen BKA-Chef Jörg Ziercke erhalte. Hartmann und Ziercke dementieren dies.

Die Bundestagsfraktionen beraten angesichts der neuen Entwicklungen heute in einer Sondersitzung über einen neuen Zeugenplan und die Reihenfolge der Vernehmungen. Die von Edathy genannten Personen könnten dann schon bald im Untersuchungsausschuss vernommen werden. Schuster sagt: "Wenn die Zeugen Edathys Version bestätigen, würde das die Plausibilität seiner Aussage stärken." Dies spräche dann gegen die von Hartmann, Ziercke und der SPD vorgebrachte These, Edathy habe sich seine Geschichte nur ausgedacht.

"Zu heikel"

Kritiker mögen einwenden: Könnte Edathy die mutmaßlichen Zeugen im Herbst 2013 nicht einfach belogen haben? "Doch", räumt Schuster ein, fügt aber hinzu: "Allerdings müsste Edathys Inszenierung dann schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt begonnen haben. Er hätte erstaunlich vorausblickende Fähigkeiten gehabt haben müssen, wie sich das Ganze entwickelt."

Edathy setzte Hartmann am Donnerstag im Ausschuss mit einer weiteren Aussage unter Druck. Ihm zufolge soll der SPD-Kollege 2013 zu einem Leitungsbeamten des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz Kontakt aufgenommen haben. Hartmann habe sich damals erkundigt, wie der Fall in Kanada und die Differenzierung von Kategorie 1 und 2 juristisch einzuschätzen sei. Edathy hatte sein Bildmaterial aus Kanada bezogen. Edathy zufolge soll der LKA-Mann damals nicht geantwortet haben. Das sei ihm "zu heikel" gewesen. Die CDU will nun beantragen, auch den Beamten als Zeugen zu vernehmen. Dann müsste wohl auch Hartmann nochmal in den Ausschuss kommen.

Ein baldiges Ende des Ausschusses rückt damit in weite Ferne. Eigentlich hatten die Obleute erklärt, ihre Arbeit bis zum Sommer abschließen zu wollen. "Ich bin froh, wenn wir das schnell hinter uns haben, aber daran glaube ich inzwischen nicht mehr", sagt Schuster.

Quelle: n-tv.de

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